Donnerstag, 23. März 2017

Wie Diogenes

Von David Jordaens (1593 bis
1678, flämischer Maler)
Vergebliche Suche nach einem Ehrenmann

Wenn ich an meine Erlebnisse mit dem Wilhelmshavener Jugendamt, mit dem Oberbürgermeister der Stadt und mit zwei Polizisten denke, fällt mir gelegentlich der kynische Philosoph Diogenes von Sinope ein, der mit einer Funzel in der Hand nach einem Ehrenmann gesucht hat.


Und schon denke ich an die Zeit, als Witze über Breitmaulfrösche kursierten. In einem dieser Witze tarnte sich ein solcher Frosch mit einem Maul, das er spitz machte, und entging der Gefahr mit den Worten: "Breitmaulfrösche gibt es hier nicht."


Sollten Sie nun meinen, dass diese beiden Absätze irgendwie nicht zusammenpassen, dann versichere ich Ihnen: Das Gemeinsame ist manchmal das Nichtvorhandensein...


Einstieg in die Geschichte 

Sonntag, 19. März 2017

Wir sind Martin

Wo sich 605 Sozialdemokraten
versammeln, will Martin mitten
unter ihnen sein. 
SPD steht nun für Schulz-Partei Deutschlands

Angela Merkel soll sich bereits erkundigt haben, ob während ihrer Abwesenheit die DDR wieder gegründet worden ist. In Washington habe sie sich voll und ganz auf Donald Trump konzentrieren müssen, da könne ihr derlei durchaus entgangen sein. Freuen würde sie sich aber. Mit der SED sei sie als DDR-Bürgerin genauso gut zurecht gekommen wie später als Kanzlerin mit der SPD. Nur das mit der Führungsrolle habe sich geändert.

In der SPD sind jetzt alle Martin, so viel Walter, Erich und Egon hat es in der SED nie gegeben. 605 von 605 Stimmen bei der Wahl des Parteivorsitzenden und das auch noch in Berlin, wo sonst Höhenflüge eigentlich nicht möglich sind, weil die dafür erforderlichen Flughäfen nie fertig werden - das klingt irgendwie durchgedreht. Ist es laut Sigmar Gabriel aber gar nicht. Wer ihn loswerden könne, der wolle das zu 100 Prozent.

Dumm aus der Bio-Wäsche schauen die Grünen. Mit Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir haben sie auf Schwarz-Grün gesetzt, jetzt setzen sie jede Umfrage in den Treibsand der drohenden Fünf-Prozent-Hürde. Trotzdem gratulierten sie Martin Schulz zur vollkommenen Wahl fast so euphorisch wie die SPD. Sie richteten ein Grußwort an den "lieben Martin", der die "alte Tante SPD" wieder flott mache, und wünschten dem neuen SPD-Chef "alles Gute für den bevorstehenden Wahlkampf". Dafür braucht er die Grünen allerdings gar nicht.   

Freitag, 3. März 2017

Bild dir deinen Adolf

Auch im März "Bild-Paar des Monats":
Eva Braun und Adolf Hitler 
Endlich wieder Bericht über Lieblingskanzler der "Bild"-Zeitung

Manchmal werden Hitler-Fans von der "Bild"-Zeitung ein wenig auf die Folter gespannt. Dieses Mal mussten sie elf schier endlose Tage auf einen neuen "Führer"-Bericht warten. Doch das Warten hat sich gelohnt. 

Die Seite 1 zierte heute endlich wieder ein Foto von Adolf Hitler mit der "Bild"-Anmerkung, dass der "Führer" fröhlich lächele. Der Grund: In England ist die Versteigerung eines Fotoalbums geplant, das im Nachlass von Eva Braun gefunden wurde. Alle Ehre machte sie ihrem Namen bekanntlich als Geliebte von Adolf Hitler, obwohl "Bild" sich auch schon - aber nur einmal - sorgenvoll gefragt hat, ob ihr Lieblingskanzler nicht etwa "schwul" gewesen ist.

Für das Fotoalbum räumte "Bild" fast die ganze Seite 7 frei, Hitler-Fans wurden mit acht Schnappschüssen verwöhnt, die Kommentare wie "Das Volk zu Besuch: Hitler stellt sich für ein Erinnerungsfoto in Pose", "Heil-Rufe und Begeisterung: Das Volk genießt die Nähe zu Hitler" und "Lachend eilt Reichsführer-SS Heinrich Himmler zum Rapport beim ´Führer´" trugen. 

Es ist also in jenen Tagen viel gelächelt und genossen worden. Hitler war "Bild" zufolge ein Kanzler, der nicht nur in Wahlkampfzeiten die Nähe zu seinem Volk suchte - denn Wahlen hatte er verboten, es gab also gar keine Wahlkampfzeiten mehr. Das dürfte "Bild" demnächst dem "Führer" hoch anrechnen. Hitler-Fans dürfen also schon mit zwei "Bild"-Sonderseiten am 17. April rechnen...

Ob ich darauf eine Antwort bekomme?

Sehr geehrter Herr Elitz,
 
in der heutigen “Bild”-Ausgabe sind Sie als neuer Ombudsmann auf drei Leser-Beschwerden eingegangen, die Sie zurückgewiesen haben. Bei der “Schweden-Rede” von Donald Trump lassen Sie es der Redaktion durchgehen, dass sie sich auf “Platzmangel” beruft. Es gehöre zu deren Arbeit, dass sie “streng auswähle”, was jeweils wichtig sei. Heute scheint “Bild” das Fotoalbum der Hitler-Geliebten Eva Braun so wichtig zu sein, dass unglaublich viel Platz auf Seite 1 und Seite 7 freigeräumt wurde. Sind auch Sie der Meinung, dass Hitler immer wieder so viel Raum in der “Bild”-Zeitung bekommen sollte wie sonst keine Meldung? Und für wie passend halten Sie die Bildunterschriften zu den Schnappschüssen aus diesem Fotoalbum? Ein Beispiel: “Heil-Rufe und Begeisterung: Das Volk genießt die Nähe zu Hitler”.