Mittwoch, 30. November 2016

Brief bekommen













Deswegen hat er euch heute auch in der "Bild"-Zeitung einen Brief geschrieben. Der beginnt so: "Es ist keine Hilfe für zehnjährige Kinder, in Mathe getestet zu werden, auch nicht für Bildungspolitiker. Warum sollte sich ein Zehnjähriger für Mathe interessieren? Vor acht Jahren hat er gerade sprechen gelernt. Mit Freude hat er die Worte nachgeplappert, die seine Mutter gesagt hat. Gibt es demnächst einen Baby-Plappertest?"

Natürlich nicht. Dafür aber schon bald die Schulpflicht ab 20. Onkel Wagner ist nämlich dafür, dass ihr erst einmal Erwachsene werdet, bevor ihr von Lehrern belästigt werden dürft. Als Erwachsener war Onkel Wagner zwar immer noch "grottenschlecht in Mathe", er ist aber trotzdem Redakteur geworden. Und zwar ein besserer als jeder belgische, russische, finnische, japanische, norwegische, amerikanische, irische, litauische, portugiesische Redakteur. Deswegen lernen Kinder dort auch immer noch Mathe.

Hier aber nicht, denn - so Onkel Wagner: "Ein Kind hat mit Mathe nichts zu tun. Die Realität für Kinder ist das Zwitschern der Vögel in einem Baum. Es lehnt sein Fahrrad gegen einen Baum und nicht gegen eine Acht." Und wenn euch ein Freund eine Acht ins Rad fährt, sucht ihr euch, wie ihr alle wisst, einen neu(e)n. 

Befreundet seid ihr - weiß Onkel Wagner - auch nicht mit der Vier und mit der Fünf. Wenn ihr die in Mathe schreiben würdet, hättet ihr euch in diesem Fach zwar stark verbessert, aber besser ist es mit Freunden Fußball zu spielen. Das könnt ihr dann irgendwann auch besser als zurzeit Dortmund, wo sich die Technische Universität befindet, die eure Mathe-Kenntnisse so schlecht bewertet hat. Wohl weil Onkel Wagner glaubt, "dass man erst mit 20 Mathe begreift". Bis auf Onkel Wagner natürlich.

Also, liebe schlechte Mathe-Schüler, pfeift auf Mathe. Da ihr auch in Biologie und Chemie schlecht seid, solltet ihr gleich ganz auf die Schule pfeifen. Wenn eure Eltern euch deswegen zurückpfeifen wollen, dann lest ihnen doch vor, was Onkel Wagner euch heute geschrieben hat.

Lesetipp: Wie Kinder Spaß an Mathe bekommen

Gibt es auch als e-book Hier klicken 

   

Dienstag, 22. November 2016

Phantome der Justiz

Blinder schaut genau hin

Wenn ein lahmer 70-jähriger Taubstummer einen 80-jährigen Blinden, der in einem Rollstuhl sitzt, in den Gerichtssaal schiebt, dann kann es sich durchaus um den Protokollführer und den Richter handeln. Der Blinde blättert während der Verhandlung in den Akten, der Taubstumme hört aufmerksam zu und führt Protokoll.

Der Kläger findet Gehör beim Protokollführer, der Richter schaut genau hin. Deshalb geschieht dies: Der Kläger, der angeblich jemandem Geld schuldet, berichtet, dass der Gläubiger sein Geld gar nicht mehr annehmen könne, weil er verstorben sei. Erben gebe es auch nicht. Eigentlich fordere niemand mehr von ihm Geld. Geld, das er überwiesen habe, sei auch zurückgekommen.

Der Richter entgegnet, dass ihm das alles bereits aus den Akten der ersten Instanz bekannt sei, doch die habe entschieden, dass der Tod des Gläubigers nicht ursächlich mit den Schulden des Beklagten in Zusammenhang stehe. Auf Wiederholungen wolle er verzichten. Erst wenn alle Schulden beglichen seien, habe der Kläger Aussicht auf Erfolg. Dann könne er sich doch immer noch wehren. Bis dahin stehe der Name des Klägers weiter im Schuldnerregister. Das sei doch auch ganz schön.    

Sonntag, 20. November 2016

BamS mit Bums

Erfolgreiche Terroristen

Das muss von der "Bild am Sonntag" (BamS) doch nun wirklich lobend hervorgehoben werden: "Im Irak gelang es den Terroristen, zwölf Menschen zu töten." IS steht also für "ist super"? 

Abgesprochen wurde diese Erfolgsmeldung offenbar nicht mit Margot Käßmann, die den BamS-Leserinnen und -Lesern auf Seite 16 rät: "Heute sollten wir über den Tod nachdenken." Macht doch keiner, wenn Terroristen so erfolgreich sind. Da kommt man doch gar nicht zum Nachdenken.

Außer Angela Merkel. Die war nachdenklich. Soeben hat sie der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass sie nach dieser Denkpause selbst neugierig ist, was sie nach der Bundestagswahl als Kanzlerin machen wird. Nur Barack Obama wird sich dafür nicht mehr interessieren. Das Kanzlerinnen-Handy wird ab dem 20. Januar 2017 von Donald Trump abgehört. 

Doch wenigstens kann sich Merkel darüber nicht beschweren. Denn ihr Satz "Abhören unter Freunden, das geht gar nicht" gilt nicht für den neuen US-Präsidenten. Trump ist kein Freund. Der ist laut David Kay Johnston, Autor des Buches "Die Akte Trump", "wie ein Autounfall mit Blaskapelle". Steht auf Seite 4 der heutigen BamS. Ob IS oder Trump - die BamS hat Bums. 


Samstag, 12. November 2016

Wieder bei Marianne

Mit Hut im Himmel. 
Leonhard Cohen ist tot

"Suzanne takes you down to her place near the river
You can hear the boats go by
And you can spend the night beside her
And you know, that she's half crazy

But that's why you want to be there."


Das sind die ersten Zeilen, die ich von Leonhard Cohen gehört habe, in der Studentenbude einer Stuttgarterin, die wie ich in Mainz zur Uni ging und stinkreiche Eltern hatte. Sie lebte in einer Wohngemeinschaft, die ebenfalls half crazy war. Ein Pärchen stritt sich unablässig, er ballerte ihr die Tür vor der Nase zu, sie ihm. Aber politisch waren sie sich einig, die Zukunft gehörte dem Sozialismus made vom MSB Spartakus, Studentenorganisation der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). 

Die Flugblätter dieser Organisation lagerten im Zimmer eines Wormsers, der die Wochenenden bei seinen Eltern verbrachte. Sie stapelten sich dort auch noch, als sie längst hätten verteilt worden sein sollen. In regelmäßigen Abständen trug ich inzwischen Verblichenes zur Mülltonne und half so ebenfalls half crazy beim Aufbau des Sozialismus zumindest in Mainz-Mombach. 

Die Arbeiterklasse wurde in dieser Wohngemeinschaft vertreten von einer Arbeiterin aus den Schott-Werken, die sich gelegentlich darüber beklagte, dass die Stuttgarterin und ich nicht nur beim Sex zu laut, sondern meistens auch zu spät dran waren. Sie erkundigte sich vorsichtig, ob wir nicht vielleicht früher...So lernte ich etwas über die Probleme, die es auch im Sozialismus zwischen so genannter "Intelligenz" und "werktätiger Bevölkerung" geben könnte, wenn er denn endlich siegreich wäre. Zumindest in Mainz-Mombach.

Einen Punktsieg im Klassenkampf verbuchten wir, als die Eltern der Stuttgarterin die Wohngemeinschaft besuchten mit Feuerzangenbowle. Väterlicherseits war die Trunkenheit nach einer Stunde dermaßen hoch, dass dieser Unternehmer auch "Hoch die internationale Solidarität" gelallt hätte, wenn wir ihn dazu aufgefordert hätten. Bis dahin hatte er uns voll gesäuselt mit verständnisvollen Worten über unser Alter, das eine Erklärung für unsere Sozialismus-Anfälligkeit sein könne, als sei Karl Marx Kinderarzt gewesen.   

Als Leonhard Cohen die eingangs erwähnten Zeilen schrieb, ist er sicherlich mit seinen Gedanken nicht bei dieser half crazy Wohngemeinschaft gewesen. Dafür war er aber mit seinen Gedanken bei seiner großen Liebe Marianne Ihlen, als er "So long Marianne" schrieb. Leonhard Cohen liebte nicht nur diese Frau, er liebte viele Frauen und wurde von einer Frau fast in den Ruin getrieben: Seine Managerin erleichterte ihn um 10 Millionen Dollar, als er in einem Kloster meditierte. Dieser Marianne schrieb er einen rührenden Brief, als sie dem Tode geweiht war und versicherte ihr, dass er bald bei ihr sein werde. Womit er leider Recht behielt.

Auf der Bühne erlebte ich Leonhard Cohen in den 70er-Jahren. Er saß auf einem Stuhl und verließ sich auf die Wirkung seiner Texte und seiner Stimme, die er selbst für schlecht hielt. Die Presse bescheinigte uns am nächsten Tag, dass wir ein ganz besonderes Publikum gewesen seien. Was das zu bedeuten hatte, hätte uns Leonhard Cohen sicherlich in einem Lied erklärt, wenn er diesen Bericht gelesen hätte. Doch das taten selbst in Hannover nur wenige. Neben mir saß während dieses Konzertes die schönste Frau von Hannover, die mich aus unerfindlichen Gründen geheiratet hatte, ich wollte mich dafür bei ihr mit einem unvergesslichen Konzerterlebnis bedanken. Was mir gelang. 

In dem Sinne, Leonhard Cohen: Grüß Marianne von mir - und bleib wie du bist. Ein textender Engel, der sich nur mit Frauen umgibt, aber nie wieder mit einer Managerin. Und wenn Petrus dich fragt, ob es dir im Himmel gefällt, dann antworte ihm: "You are half crazy like Suzanne, that´s why I want to be here." Aber nicht verraten, dass dieser Spruch von mir ist. Sonst komme ich nie in den Himmel...

Mittwoch, 9. November 2016

Donald kommt

Und reißt die Welt ein?

Amerika hat gewählt: Die Pest statt Cholera. Donald Trump statt Hillary Clinton. Ursula von der Leyen hält das Ergebnis für eine Bestrafung des Establishments, Frank-Walter Steinmeier fürchtet, dass die USA außenpolitisch unberechenbar werden. 

In der Schweiz dagegen feiert die Schweizer Volkspartei den Wahlsieg des Republikaners, der Frauen zu Freiwild erklärt, Behinderte verspottet, das Nachbarland Mexiko als Exporteur von Drogen und Kriminalität verleumdet, der einen Handelskrieg riskiert und eine Weltwirtschaftskrise. Aber auf den Internet-Seiten dieser eidgenössischen Populisten steht auch:

"Ich unterstütze die SVP in ihrem Kampf gegen die EU und gegen die Masseneinwanderung."

Das klingt doch schon sehr nach AfD und ohne EU wäre die Schweiz längst am Arsch. Mit den Rechten ist die Weisheit schon immer untergegangen. Denn Donald Trump kann als Präsident gar nicht umsetzen, was er im Wahlkampf angekündigt hat. Niemand legt den "Washingtoner Sumpf" in 100 Tagen trocken, seine ausländerfeindliche Politik würde 600 Milliarden Dollar kosten, die Mauer an der Grenze zu Mexiko 15 Milliarden Dollar und Margot Hoenecker käme auch nicht zur Einweihung, diese Gedankenfreundin von Donald Trump ist tot. Die Mexikaner werden den Mauerbau auch nicht bezahlen.

Die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry sieht das allerdings anders: "Dieses Wahlergebnis macht Mut für Deutschland und Europa, denn Trump hat tatsächlich die Karten zur politischen Zeitenwende in der Hand." Das klingt doch sehr nach SVP. Auch die Rechtspopulisten in Österreich feiern den Wahlsieg von Trump. Das klingt doch sehr nach AfD.

Siehe auch: Klarstellung. Gauck gratuliert Trump nicht in meinem Namen! Hier klicken  




Samstag, 5. November 2016

Wenn du denkst,

...du denkst, dann denkst du nur...

Da lese ich gestern die Tipps eines Familien-Anwaltes aus Solingen, der sich kritisch mit der "Arbeit" von Jugendämtern und Familiengerichten auseinandersetzt, verlinke seinen Beitrag bei Facebook - und schon meldet sich eine ehemalige Mandantin dieses Anwaltes und berichtet mich vom Hocker Hauendes. 

Einen Vorschuss von 4 000 Euro soll dieser Jurist von ihr verlangt haben. 2 500 Euro habe er in einer ersten Rate bekommen. Nach einer Woche habe sie ihm das Mandat wieder entzogen, doch "immerhin" habe er berichtet, dass man ihn massiv unter Druck setze.

Jugendämter, die sich beim Kindeswohl viel zu oft als Drückeberger erweisen, sich in Hamburg von der Sozialsenatorin störrisches Fehlverhalten vorwerfen lassen müssen, sich zu Verleumdungen von Eltern herablassen, von denen schon kurze Zeit später niemand mehr etwas wissen will, die von der Politik kaum kontrolliert werden und deshalb munter Gesetze brechen, üben Druck aus? 

Von Familiengerichten ist mir das bekannt. Ein Gutachter aus Südniedersachsen erzählt glaubhaft, er bekomme keine Aufträge mehr, weil er nicht schreibe, was er schreiben solle. Aber auch dafür gibt es längst eine Lösung. Gefällt einem Gericht ein Gutachten nicht, kann es auch schon mehr als einmal vorkommen, dass gar nicht ins Gewicht fällt, was ein Gutachter meint. Das Gericht meint dann eben etwas anderes, weil das Kind schon weg ist und eine Rückkehr Mehrarbeit bedeuten würde. Außerdem sind viele Gutachten kritisch betrachtet sowieso für die Katz, die nachts grau ist. Was soll´s also. Wer will da schon Licht machen?

Es ist, wie es ist, sagt nicht nur die Liebe, das sagen auch viele Jugendämter und Familiengerichte. Glauben Sie nicht? Dann müssten Sie auch bestreiten, was mir ein Kind am Telefon vorgespielt hat. Erst ist dieses Kind mit seinen Geschwistern in einer Einrichtung gewesen, die sich angeblich um ehemalige Drogenkonsumenten kümmert, während die Mutter schon lange nicht mehr dort ist, dann haut es ab und fragt einen Jugendamtsmitarbeiter, wann seine Geschwister nach Hause kommen. 

Diese Geschwister sind 10 und 11 Jahre alt - und sollen - so der Jugendamtsmitarbeiter - bleiben, wo sie sind, bis sie das 14. Lebensjahr erreicht haben. Weil sie noch nicht begriffen haben, wie ehemalige Drogenkonsumenten ticken, die sich in der Einrichtung täglich mit Beschaffungskriminellen und Frauen unterhalten, die für Rauschgift anschaffen gegangen sind?

Fragen Sie doch mal! Vielleicht werden Sie dann so an der Nase herumgeführt wie ich. Hier klicken Würde eines Tages in der Zeitung stehen, dass Erdogan neuerdings ein deutsches Jugendamt leitet, würde ich möglicherweise denken: "Auf jeden Topf passt ein Deckel." Man weiß ja nie - jedenfalls bei Jugendämtern und Familiengerichten.