Donnerstag, 29. September 2016

Im Kaffeesatz gelesen

Deutschland bleibt Deutschland. Basta.

Da kann kommen, wer da wolle. "Deutschland wird Deutschland bleiben", sagt die Bundeskanzlerin. "Persil" ist schließlich auch immer "Persil" geblieben. Wird aber auch schon seit langer Zeit in anderer Verpackung nicht als "Persil" verkauft. Und so manche deutsche Familie ist sicher: "Das ist eben nicht Persil." Wird aber trotzdem immer "Persil" bleiben.

Im niedersächsischen Landtag können sich seit heute Abgeordnete abhörsicher unterhalten. Das klingt irgendwie merkwürdig, weil Politikerinnen und Politiker auch ohne bauliche Maßnahmen immer weniger Gehör finden, eine weitere Abschottung wäre also gar nicht erforderlich, wenn man sich vor den Wählerinnen und Wählern schützen wollte, die sich - wie die Kanzlerin - vor einem anderen Deutschland fürchten. Deutschland wird aber trotzdem immer Deutschland bleiben. Im Zweifelsfalle ist das sogar abhörsicher.

Was bleibt, wird allerdings auch immer schlechter. Wer wochenlang Lebensmittel in der Speisekammer vergisst, kann das bestätigen. Deswegen träumt Katrin Göring-Eckardt davon, dass mit der Burka alles besser wird. Was man sich bei Alice Schwarzer zwar noch gut vorstellen kann, muss aber nicht für jede muslimische Frau gelten. 

"Ich fühle mich mit meinem Niqab frei", meldet die "Süddeutsche Zeitung", der "Spiegel" erklärt die Burka zum "Symbol der Freiheit". Was ist nur aus dem Mini-Rock geworden? Bleibt der auch nach katholischer Auffassung schlechter als die Total-Verhüllung?

Um das zu erfahren, müssten wir aber erst einmal wieder häufiger in die Kirche gehen, meint die Bundeskanzlerin genauso wie eine ehemalige Landesbischöfin, ohne zu begreifen, warum viele nur in die Kirche gehen, wenn dort ein scharfer Kritiker der Kirchen auftritt. Nur der Papst scheint das inzwischen begriffen zu haben und eifert immer mehr Eugen Drewermann nach. Da die Religion in Deutschland aber immer unwichtiger wird, stagniert die Zahl der Widerspenstigen auf unabsehbare Zeit bei 2.

Und das ist gut so, zumal der Papst gar kein Deutscher ist. Deswegen hat die Kanzlerin Recht: "Deutschland wird Deutschland bleiben." Basta.  




Freitag, 23. September 2016

Vera Brühne

Vera Brühne-das gefundene Mord-
Fressen für die Medien. 
Noch verstecken Medien diesen Namen

Der "Cicero" versteckt den Namen in einem Gespräch mit einem bekannten Anwalt, "Bild" hält sich bedeckt in einem Bericht über einen ehemaligen Redakteur, der sich damals mit diesem Fall beschäftigt hat und deswegen vom Bundesnachrichtendienst bespitzelt worden ist: Dabei geht es um den wahrscheinlich brisantesten Justizkrimi der Nachkriegszeit mit allen Zutaten, die ein Politthriller braucht.
Auf der einen Seite der Arzt Otto Praun, der in Waffengeschäfte verstrickt sein soll und dem man gute Beziehungen zum Büro des Verteidigungsministers Franz Josef Strauß nachsagt, und seine Haushälterin Elfriede Kloo, auf der anderen Seite Vera Brühne und Johann Ferbach. 
Die Blondine ist eine attraktive Frau, die Praun 1957 in einem Münchner Lokal kennenlernt. Er schickt seine Haushälterin nach Hause, schenkt seiner neuen Bekannten ein Auto, sie soll ihn besuchen. Osterdienstag 1960 werden Praun und seine Haushälterin tot in der Villa des Arztes am Starnberger See gefunden. Die Rede ist von einem "erweiterten Suizid". Doch dann werden Vera Brühne und Johann Ferbach des Mordes verdächtigt. Sogar der "stern" fällt über sie her. In den Medien wird Vera Brühne als "geldgieriges Luder" dargestellt. 
Angebliche Beweismittel fallen 1961 fast wie bestellt vom Gerichts-Himmel, der Sohn von Otto Praun erweist sich als Götterbote der Indizien. Die Tochter von Vera Brühne belastet ihre Mutter, nimmt aber später ihre Aussage zurück. Vera Brühne beteuert ihre Unschuld, Brühne und Ferbach werden am 4. Juni 1962 zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt. Strauß begnadigt sie 1979. Vera Brühne beteuert bis zu ihrem Tod im Jahre 2001 ihre Unschuld. Profitiert hat der Sohn von Otto Praun. Er wohnt in der Villa seines Vaters am Starnberger See, er bekommt die Villa, die eigentlich Vera Brühne erben soll.
Inzwischen sind sich alle Experten einig, dass es im Prozess vor dem Münchner Landgericht nicht mit rechtsstaatlichen Dingen zugegangen ist, der Todeszeitpunkt der Mordopfer ist offensichtlich falsch - und nun taucht der Name Vera Brühne wieder auf. Versteckt noch - aber...
Als Kind habe ich jeden Bericht über diesen Fall gelesen, widerlich fand ich die Vorverurteilung der Mordverdächtigen, schlimm fand ich den Prozessverlauf, für ungeheuerlich hielt ich die Spekulationen der Medien, die sich zu Richtern aufspielten, faszinierend fand ich den Gedanken, dass die Wahrheit irgendwann ans Licht kommen würde. Unvorstellbar ist für mich bis heute, dass eine Mörderin bis zu ihrem Tod ihre Unschuld beteuert. Und warum spielte die Tochter von Vera Brühne eine derart zwielichtige Rolle? 
Die Akte "Vera Brühne" ist nur vorübergehend geschlossen worden, der im "Cicero" erwähnte Anwalt strebt eine Revision an - und dann ist der "Fall Uwe Barschel" nur noch ein laues Lüftchen im Wald der politischen Skandale? Und was ist eigentlich mit den mysteriösen Todesfällen, die es damals gab?



Montag, 12. September 2016

Aufgestanden ohne Beduinen

Dieses Plakat muss von
der CSU nur noch leicht
verändert werden.
Horst Seehofer braucht nur eine Anstalt

"Wir sind der Auffassung, dass die Grundversorgung auch von einer Fernsehanstalt geleistet werden könnte." Sagt Horst Seehofer in einem Interview mit der "Bild am Sonntag", die heute allerdings schon von gestern ist. Wie die CSU eigentlich immer.

Doch für Bayern dürfte die von Seehofer geforderte Grundversorgung durchaus ausreichend sein. Dort zu Freistaat sollten "Aufgestanden ohne Beduinen" im Frühstücksfernsehen, das Horst-Seehofer-Lied "Die Fahne hoch, die Bierkrüge fest geschlossen" im Vorabendprogramm und "Brüder, zur Resie, zur Geilheit" im Nachtprogramm genügen.

Damit einverstanden ist bereits Barbara Stamm als Verwaltungsratsvorsitzende des Bayerischen Rundfunks, obwohl sie mit Horst Seehofer noch gar kein uneheliches Kind hat. Dass der Horst fensterln kann, beweist er jedes Mal, wenn er Angela Merkel aufs Dach steigt. Barbara, warte also nur noch ein Weilchen...

Für den ungestörten Aufbau der einzig wahren Fernsehanstalt sollen die Grenzen zu Österreich geschlossen werden. Das verstehe, wer da wolle. Angeblich sollen keine Flüchtlinge mehr durchkommen, doch was wäre aus Bayern geworden, wenn vor fast 100 Jahren ein Flüchtling aus Österreich nicht durch die Hauptstadt dieses Freistaates gezogen wäre, um einige Jahre später mit Goebbels den Volksempfänger zu erfinden, der ebenfalls für die Grundversorgung ausgereicht hat? Das ist doch nur mit einer offenen Grenze möglich gewesen!

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Donnerstag, 8. September 2016

Flach im Norden

Da gibt es eine Stadt mit ganz vielen Taliban

"Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt." Dieser Satz stammt aus einer Rede, die Ernst Reuter fast auf den Tag genau vor 68 Jahren gehalten hat. Dieser Hilferuf aus Berlin ist in die Geschichte eingegangen.

Die Reden und Äußerungen eines Oberbürgermeisters aus dem flachen Norden dagegen werden nicht in die Geschichte eingehen. Die Stadt, die er regiert, wird wahrscheinlich bis zum Ende seiner Amtszeit auch nicht eingehen. Seine Amtszeit dauert nur noch drei Jahre, wiedergewählt wird er bestimmt nicht. 

Der Oberbürgermeister heißt Andreas (der Nachname ist mir bekannt). Jüngst hat er einem Ratsherrn während einer Ausschusssitzung einen Vergleich an den Kopf geworfen, der fassungslos macht. Der Ratsherr stelle "Anträge nach dem Taliban-Prinzip: einer kommt durch". 

Einem anderen Oberbürgermeister ist dieser Tage der Besuch eines Seminars über Personalführung nahegelegt worden, damit er nicht weiter Mitarbeiter terrorisiert. Doch ein Seminarbesuch würde dem Oberbürgermeister aus dem flachen Norden sicherlich nichts bringen. Dazu müsste er zu viel lernen. 

Zum Beispiel über die Taliban, die, wenn sie durchkommen, Soldaten, Mütter und Kinder, Alte und Junge ermorden. Das ist das Taliban-Prinzip. Dieses Prinzip ist mörderisch.

Die Partei des derart beschimpften Ratsherrn hat jetzt Strafantrag gegen den Oberbürgermeister aus dem flachen Norden gestellt, weil er sich nicht entschuldigen will. Hat sein Anwalt mitgeteilt, der selbst gelegentlich ebenfalls zu Verleumdungen neigt. Wenn schon flach, dann aber auch unterirdisch.

Dennoch wird die Staatsanwaltschaft den Oberbürgermeister aus dem flachen Norden wohl kaum anklagen. Den Taliban-Vergleich wird sie ihm als Meinungsäußerung durchgehen lassen. Auch Staatsanwälte haben sich längst daran gewöhnt, dass Politikern schon einmal der Gaul durchgeht, wenn sie zum Reiten zu blöd sind.

Ihr Völker der Welt, schaut nicht auf diese Stadt im flachen Norden.