Sonntag, 29. Mai 2016

Kinderorgien

Organisiere ich angeblich auch noch
Informiert habe ich heute schon den Bürgermeister von Burgdorf, Alfred Baxmann, den Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Gerhard Bleich, und den „Anzeiger für Burgdorf“ (Beilage von „Hannoversche Allgemeine Zeitung“/“Neue Presse“).
Im Netz gibt es seit 2011 anonyme blogs über ehemalige Klientinnen und Klienten (dazu gehören auch Kinder) der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch, die 2012 an die Step gGmbH Hannover verschenkt worden ist und bis Juli 2011 von dem Sozialpädagogen Ruthard Stachowske geleitet wurde, und über mich. Jetzt ist ein weiterer blog hinzugekommen.

Freitag, 27. Mai 2016

Demütige Journalisten

Hissen weiße Flaggen

Ich kann es schon nicht mehr lesen: Pegida und AfD schießen "Lügenpresse"-Giftpfeile ab, jeder Journalist, der sich schnell genug in Deckung gebracht hat, hisst die weiße Flagge. Auf der steht: "Wir gehören nicht mehr zur Elite. Wir werden demütig."

Wenn Pegida und AfD demnächst auf den Straßen "Lügen-Schlachter", "Lügen-Monteure" oder "Lügen-Ärzte" grölen, hissen dann auch diese Berufsgruppen weiße Fahnen mit ähnlichen Texten? 

Statt dessen gilt doch wohl weiterhin: Es ist wie es ist, sagt die Verlogenheit. Die meisten längeren Interviews sind doch längst der schriftliche Austausch von Fragen und Antworten, die von beiden Seiten im gegenseitigen Einvernehmen auf geduldiges Papier gedruckt werden. Der Bundeskanzlerin kann doch gar keine Zeitung mehr aus der Hand fallen, weil sie auf dem falschen Interview-Bein erwischt worden ist. 

Brennen irgendwo Häuser, rollen Panzer, schießen Soldaten, stellt sich in Windeseile ein Reporter mit Mikrophon in das Chaos und äußert Vermutungen, in denen er die Propaganda mehrerer Seiten vermischt, bis die Wetterkarte wichtiger wird. Die Annäherung an die Wahrheit kriegen wir dann 20, 30 oder 40 Jahre später.

Wie derzeit vielleicht bei der Colonia Dignidad, die keine religiöse Sekte gewesen ist, sondern ein Folterlager der nicht nur von den USA finanzierten Pinochet-Diktatur in Chile, die 1973 dem Versuch, den demokratischen Sozialismus politische Wirklichkeit werden zu lassen, ein blutiges Ende bereitet hat. Der deutsche Bundesaußenminister will Geheimes nicht mehr länger geheim sein lassen. Sagt er. Und was lernen wir dann daraus? Dass der Sozialismus durchaus auch demokratisch sein könnte?

Wer an den Schalthebeln der Macht sitzt, bestimmt immer weiter, wann und ob die Wahrheit ans Licht kommen darf. Bis dahin schlürfen handverlesene Journalisten bei offiziellen und inoffiziellen Anlässen Austern und Champagner. Wer den Mund voll hat, nimmt den Mund nicht noch voller...

Wenn dann auch noch ein Kolumnist fragt, warum es eigentlich keinen Journalistenpreis für die kritische Auseinandersetzung mit dem Journalismus gibt, dann ist die Antwort doch wohl ziemlich einfach: Die Preisträger wären stets inzwischen entlassene und von der Medienwelt isolierte Redakteure.

Es gibt keine "Lügen-Presse", es gibt Medien, die genau das verbreiten, was die meisten gerade hören wollen, damit sie es nur vorübergehend glauben müssen. Aus der Falle kommt man nur schwer oder gar nicht mehr heraus. Das Volk will Skandale in Maßen, alles andere wäre sicherlich auch unerträglich.  

Freitag, 13. Mai 2016

Ein schneller BER-Bauer

Und der letzte Vertreter einer Volkspartei

Die Große Koalition wird in den Umfragen immer kleiner, die Runden bei Maybrit Illner aber nicht. Die Moderatorin hat auch gestern Abend ihrem Mädchennamen Klose wieder alle Ehre gemacht, wenn sie sich so schnell zum nächsten Gesprächspartner drehte wie der Torjäger der deutschen Nationalelf dermaleinst im Strafraum zum Ball und am Gegner vorbei. 

Klaus Wowereit, bekannt geworden als schnellster Flughafenbauer der Welt, verließ deshalb auch schnell die Innenverteidigung und vertrat sich die Argumentations-Beine im defensiven Talkshow-Mittelfeld, wo er die Meinung vertrat, dass keine Partei Antworten auf die großen Probleme der Zukunft hätte. Aber bis dahin ist immerhin der neue Berliner Flughafen fertig.

Oskar Lafontaine war bekannt ruppig und forderte mehr steile Pässe in der Sozialpolitik, während Markus Söder immer häufiger am Trikot des Linksaußen herum zupfte, um ihn endlich auf bayerische Vernunfts-Linie zu bringen, von der Angela Merkel allerdings immer wieder abweiche, wenn sie Alleingänge starte. Dazu Markus Söder: "Wir sind immer noch eine starke Volkspartei." Das klang wie früher Andi Möller, dem es nicht wichtig war, ob er in Mailand oder Madrid spielte: "Hauptsache Italien." Ob CDU oder SPD kleiner werden, war Markus Söder auch gestern Abend nicht wichtig: "Hauptsache Bayern."

Abstiegssorgen plagten derweil den Historiker Philipp Blom - nicht nur, weil er neben Marcus Pretzell von der AfD sitzen musste, sondern auch, weil er herausgefunden haben wollte, dass in Deutschland immer mehr Menschen Angst vor dem Abstieg haben. Maybrit Illner dagegen hatte Angst vor den Rechtspopulisten, besonders ängstlich machte sie die AfD-Behauptung, die etablierten Parteien bildeten ein Kartell. Schon kam Marcus Pretzell aus der Deckung und nietete Wowereit und Söder um: "Das ist so." Oscar Lafontaine durfte stehen bleiben, denn auch sein Parteikollege Professor Dr. Herbert Schui ging im März 2016 fast genauso unnachahmlich steil, als er die Pille an einem "Elitekartell der Parteien" vorbei spitzeln wollte.

Die Frage, ob es nicht gefährlich sei, wenn man die Spielweise der Rechtspopulisten immer mehr kopiere, beantwortete niemand. Von Österreich lernen, bedeutete für Markus Söder immer noch, Europa dicht zu machen. Klaus Wowereit schmunzelte dazu, wohl weil der neue Berliner Flughafen nicht dicht gemacht werden kann. Der muss ja noch fertig werden.

Eine Entscheidung ist nach dieser Sendung aber doch gefallen. Marcus Pretzell wird so lange eingeladen, bis er endlich sagt: "Das Parlament ist nur eine Quasselbude." Dann kann man ihn vom Platz stellen, denn dieser Satz stammt von Adolf Hitler.   

Donnerstag, 5. Mai 2016

Sorgenfalten

Landtagswahlkampf 1990: Albrecht
in Burgdorf, Kohl in Lehrte.
Foto: Heinz-Peter Tjaden 
Die "Bild"-Zeitung macht sich Sorgen um die SPD, der "Cicero" macht sich Sorgen um die SPD, sogar Sigmar Gabriel macht sich (noch) Sorgen um die SPD. Einige Redakteure hoffen, dass sich der SPD-Vorsitzende noch rechtzeitig vor der Bundestagswahl in die Büsche von Goslar schlagen kann und dann als Harzer Roller in den Weiten des Gebirges verschwindet. Dort wird kein Feinkosthändler mehr nach ihm krähen, wie auch in Hannover, das laut einer ARD-Reportage einen Komplex hat. Was stimmt.

Selten gelingt es Reportern, die Stimmung in einer 500 000-Einwohner-Stadt, die Befindlichkeiten, die Stärken und Schwächen so einzufangen, wie das in dieser Reportage gelungen ist. Allein die laufenden Bilder sind beeindruckend, der Wechsel von Glasfassaden, die sich in den Himmel recken, zu Bürgerhäusern in einigen Vierteln der Stadt, die unglaubliche Mischung aus Erholungsgebieten und Zentren der Hektik.

Man traut seinen Augen nicht und traut sich hoffentlich immer mehr zu der Gewissheit, dass man als Hannoveraner in einer wunderschönen Stadt lebt, in der die Führungsriege aus Wirtschaft, Sport, Kultur, Medien und Politik selbstverständlich soziale Kontakte pflegt, die sich manchmal aber auch als negativ für die Stadtgesellschaft entpuppen. Doch das geht wohl nicht anders.

Thematisiert wird in dieser Reportage auch die Expo, die in Hannover mehr Befürchtungen als Lust auf das Abenteuer ausgelöst hat. Der Befreiungsschlag gelang nicht einmal mit einer Verlängerung dieses unglaublichen Ereignisses, das niemand jemals wieder vergessen kann, der die Weltausstellung mehr als einmal besucht hat. Die Tränen, die am letzten Expo-Tag in so mancher Halle geflossen sind, bleiben in meinem Gedächtnis für immer haften.

Der Legende gewordene, aber immer noch lebende Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg ist in dieser Reportage ebenso zu Wort gekommen wie der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, der einem Gefängnis in Celle ein Loch verpasst hat oder sein Nachfolger Gerhard Schröder, der sich 1990 über den CDU-Kandidaten lustig machte, weil der nach seiner Ankündigung, er werde sich in zwei Jahren zurückziehen, für Schröder nur noch "ein halber Kandidat" war. 

Auch zukünftig ist dafür gesorgt, dass Hannover nicht abhebt. Diese Aufgabe übernimmt gerade Hannover 96 mit dem Abstieg in die Zweite Liga, der aber nur vorübergehend sein wird - wie der Komplex von Hannover?

Ein großer Schriftsteller lenkt vom Wahlkampf ab.
Foto: Angelika Tjaden