Mittwoch, 26. März 2014

Protz-Bischof

Kann fast alles werden

Er hat Vorschriften missachtet, die Kosten klein geredet, die Kirchenverwaltung hat nicht so genau gewusst, was in Limburg eigentlich hingestellt werden sollte, deswegen kann der heute zurückgetretene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf das Versprechen des Vatikans, man werde für ihn eine andere Aufgabe finden, getrost verzichten. Der Mann kann fast alles werden, die katholische Kirche braucht er dafür nicht. Außerdem wäre eine andere Aufgabe als Protzen für diesen Mann sicherlich nicht sehr reizvoll. Einen Posten bekommt er allerdings nicht, den des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Auch Klaus Wowereit kennt nur einen Herrn - sich selbst.

Wer sich die Frage nach der Schamgrenze solcher Menschen stellt, stellt schnell fest: Er hätte sich diese Frage besser nicht gestellt. Scham kennen diese Leute nicht. So wie Wowereit weiter in jede Kamera grinst, wird auch der Protz-Bischof weiter in jede Kamera grinsen. Was für den Regierenden Bürgermeister von Berlin der Wähler ist, ist für Tebartz-van Elst Gott gewesen. Man führt ihn im Munde - um andere an der Nase herum zu führen.

Der Papst plädiert nun auf Barmherzigkeit und Versöhnung. Auf einen seiner Chefs kann er sich dabei nicht berufen. Jesus hat die Geldwechsler aus dem Tempel geworfen. Der Papst scheint den Bezug zu seinen Arbeitgebern genauso verloren zu haben wie viele Politikerinnen und Politiker den Bezug zu den Wählerinnen und Wählern.









Donnerstag, 13. März 2014

Uli Hoeneß

Eine Frage der Persönlichkeitsspaltung

"Richter Heindl hat sein Urteil gesprochen: Dreieinhalb Jahre Haft. Der große Uli Hoeneß muss ins Gefängnis, wenn der BGH die Revision nicht zulässt und das Urteil rechtskräftig wird." Schreibt "Bild"-Redakteur Matthias Brügelmann in einem Kommentar. Verknackt worden ist aber nicht der "große Uli Hoeneß", den wir alle als Lenker und Denker des FC Bayern München zu kennen meinen, sondern der "kranke Uli Hoeneß", den der Teufel geritten hat, wenn er nicht mit Fußball oder mit seinem Unternehmen beschäftigt war. Nun ist auch dem Letzten klar: Wenn Hoeneß auf Heuchler, Betrüger und auf Menschen schimpfte, die er für Versager hielt, schimpfte er auch auf sich selbst. Je lauter er wurde, desto leiser wurde der "große Uli Hoeneß", der den "kranken Uli Hoeneß" irgendwann nicht mehr in den Griff bekam.

Es ist auch der "kranke Uli Hoeneß" gewesen, der sich an einer Talkshow über Steuerflucht beteiligte. Der "stern" beendete die Maskerade, was der "kranke Uli Hoeneß" vor Gericht aber nicht wahr haben wollte, als er behauptete, die Veröffentlichungen dieses Magazins hätten ihn überhaupt nicht beeindruckt.

Ob der "große" oder der "kranke Uli Hoeneß" auf Verteidiger mit einer erkennbaren Prozessstrategie verzichtet hat, ist nur noch eine Frage der Persönlichkeitsspaltung. Wahrscheinlich fügte sich der Große dem Kranken, der jeden Tag eine neue Zahl akzeptierte oder akzeptieren ließ. Der "große Uli Hoeneß" hat das Wort "Niederlage" irgendwann aus seinem Wortschatz gestrichen und ins Wörterbuch der "kranken Uli Hoeneß" geschrieben. Der Kranke ist es auch, der bei Bayern München bleiben möchte, was der Große früher einmal scheinbar gewesen ist.

  

Sonntag, 9. März 2014

Wie Marius Müller-Westernhagen

Ich bin wieder hier

Ich packe den letzten Umzugskarton. Im Radio spielen sie "Ich bin wieder hier - in meinem Revier" von Marius Müller-Westernhagen. Diesen Liedermacher mag ich ich eigentlich nicht - aber das Lied passt. Denn in wenigen Stunden bin ich wieder hier - in meinem Revier. Mein Revier - das sind Hannover und die Region, wo ich endlich nicht mehr in einer Gegend lebe, die mindestens 100 Kilometer von der Zivilisation entfernt liegt und von Größenwahnsinnigen immer mehr an den Rand und ins Abseits gedrängt wird. Wilhelmshaven - die Stadt der Blinden, die nach immer Neuem strebt, während das Alte verkommt. Ein Beispiel ist dafür das Industriedenkmal in Südstrand-Nähe - die Südzentrale, die nun doch abgerissen wird, obwohl viele Ankündigungen nach Erhalt geklungen haben. Angeblich gab es vor acht Jahren sogar ein Konzept für die Sanierung - hörte man aus dem Rathaus, dessen Turm inzwischen wackelt.

Gestern parkte ich mein Auto auf dem Schützenplatz von Hannover. Ich hatte schon fast vergessen, wie sich vor einem Bundesliga-Spiel die Fangesänge in der HDI-Arena anhören. Mein Hund schnüffelt sich über den Waterlooplatz zu einem Biergarten in Stadionnähe. Hunderte sitzen in der Sonne, über eine Riesenleinwand flimmert das Spiel der Roten gegen Leverkusen. Wir laufen weiter zum Maschsee, wo Hannover den ersten Frühlingstag genießt. In der Altstadt haben die Wirte Tische und Stühle nach draußen gestellt.

Abends packe ich den letzten Umzugskarton aus. Ganz unten liegt ein Schnellhefter, darin ein Brief eines Berliner Unternehmers, der vor 17 Jahren als Investor nach Wilhelmshaven gelockt werden sollte. Davon nahm dieser Berliner Abstand, weil ihm das Verhalten seiner Gesprächspartner aus Rathaus und Wirtschaft immer merkwürdiger vorkam. Jedes Versprechen wurde gebrochen, berichtete er in einem Brief an Verwaltung und Rat der Stadt Wilhelmshaven. Eines Tages hätte es nur noch ein einziges Argument für Investitionen in Wilhelmshaven gegeben. Das lautete: Seinen Kindern wäre der Schulbesuch leichter gefallen als anderswo - denn (so seine Verhandlungspartner aus Wilhelmshaven): "Die Ansprüche sind hier sehr niedrig." Einmal hatten sie also doch die Wahrheit gesagt...

Neu im Netz: www.burgdorferkreisblatt.de


Montag, 3. März 2014