Sonntag, 29. Dezember 2013

Verleumdungen

Wenn man in Wilhelmshaven eine Wochenzeitung gründet
Über 150 000 Mal sind in diesem Jahr meine Internet-Seiten über Wilhelmshaven und Friesland aufgerufen worden, jede Woche verteile ich ein 2sechs3acht4-Flugblatt in der Stadt, das von vielen Leserinnen und Lesern bereits für Freunde und Bekannte kopiert wird, doch die Frage, ob ich einen zweiten Versuch starten wolle, in Wilhelmshaven eine Wochenzeitung herauszugeben, habe ich  jüngst verneint. Was ich beim ersten Versuch erlebt habe, reicht mir.
Frühjahr 2004: Die Wochenzeitung 2sechs3acht4 befindet sich in der Gründungsphase. Aus dem Bundesgebiet bekommen wir Anrufe, berichtet wird uns, dass überall Erkundigungen über uns eingezogen werden. Die Konkurrenz sei wohl sehr neugierig. Eine Woche vor dem Erscheinen der ersten 2sechs3acht4-Ausgabe macht sich der Brune-Mettcker-Verlag auf die Suche nach einem Redakteur für eine neue Wochenzeitung, die “Szene Wilhelmshaven” heißen soll. Mit der wird später der Anzeigenmarkt abgegrast, Inserate werden zu Schleuderpreisen angeboten oder sogar verschenkt. 

Die Bahn tötet

Das kann man nicht verhindern?

"Zum zweiten Mal in diesem Jahr hatte auf dem Gelände ein Jugendlicher beim Spielen auf den abgestellten Waggons einen Stromschlag erlitten, in diesem Fall war er tödlich."

Berichtet die "Berliner Morgenpost" über den Tod eines 15-Jährigen in einem Berliner Güterbahnhof. Verhindern könne man so etwas nicht, heißt es in dem Bericht. Das klingt wieder einmal nach einer Notlüge. 

Auf Readers Edition habe ich mich vor über fünf Jahren mit tödlichen Mutproben beschäftigt. Die Überschrift lautete "Die Bahn tötet". Daraus ein Auszug:

"Zwischen all diesen entsetzlichen Meldungen findet man aber auch die Nachricht, dass etwas zum Schutz waghalsiger Kinder und junger Leute getan wird? Hört sich fast so an: ´Aus diesem Grund verlangt das Gesetz die Schaffung von konstruktiven Vorkehrungen beim Bau neuer Anlagen.´"

Bei diesen "konstruktiven Vorkehrungen" ging es aber nicht um den Schutz von Kindern und Jugendlichen, sondern um den Vogelschutz...Vögel sollten vor Stromschlägen geschützt werden.

Der Link zu meinem Bericht vom 4. Mai 2008.

Viele Artikel von mir in diesem Portal haben für Wirbel gesorgt, gelegentlich wurde auch mit Klage oder anderen juristischen Schritten gedroht. "Die Bahn tötet" blieb allerdings ohne solche Folgen.

28. Dezember, Essener Hauptbahnhof, 20-Jähriger klettert auf  S-Bahn und bekommt einen Stromschlag. Der Polizeibericht

29. Dezember, eine Mutter hat mir diese Broschüre geschickt. Ist die auch verteilt worden?

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Flunkern die Frauen -

Oder übertreiben die Männer?

Wenn ein Fernsehsender meint, er müsse einen Spielfilm unterbrechen, damit mir drei Autofirmen erklären können, was für tolle Fahrzeuge sie herstellen, verlasse ich entweder die Wohnung und gehe noch einmal mit meinem Hund um die Häuser oder ich lese Videotexte. Spannend finde ich stets Umfrageergebnisse. Hätten die Zuschauerinnen und Zuschauer eines gewissen Privatsenders Recht behalten, dann wäre Gregor Gysi jetzt Bundeskanzler. Stets ist die Linke auf über 50 Prozent gekommen.

Gestern hat mich ein anderes Umfrageergebnis ins Grübeln gebracht. 42 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen sagten, sie hätten mit einer oder einem "Ex" Sex gehabt. Da müssen entweder einige Männer übertrieben oder einige Frauen geflunkert haben. Denn wenn ich Paare fragen würde, ob sie sich schon einmal gemeinsam in einem Stadion ein Fußballspiel angesehen haben und es käme solch ein Ergebnis dabei heraus, wäre das auch verwunderlich.

Mir geht es hier um Mathematik, nicht um Moral...Die von dieser Geschichte wäre: Spielfilme sollten von Fernsehsendern nicht unterbrochen werden.


Mittwoch, 25. Dezember 2013

Weihnachten

Aus dem Netz gefischt.


















Hätten deutsche Jugendämter verhindert?

Im Internet kursiert seit Jahren eine Weihnachtsgeschichte, die in der heutigen Zeit angesiedelt ist. Die Geburt von Jesus in einem Stall ruft die Behörden auf den Plan. Auch eine fiktive "Bild"-Schlagzeile wird im Netz verbreitet.

Die biblische Weihnachtsgeschichte beginnt in Nazaret, die schwangere Maria und Josef begeben sich nach Bethlehem. Zwischen diesen beiden Orten liegen über 100 Kilometer Luftlinie. Auf Deutschland übertragen würden sich die beiden also auf den Weg von Hannover nach Nordrhein-Westfalen machen.

Der Überlieferung nach ist Maria 14 Jahre alt gewesen. Sie würde also in Hannover das Gymnasium besuchen. Dass sie schwanger ist, könnte sie irgendwann nicht mehr verheimlichen. Würde sie nun den Lehrern erzählen, dass sie mit einem wesentlich älteren Mann zusammenlebt, der aber nicht der Vater des Kindes ist, würde die Schule das Jugendamt einschalten. Die Behörde würde Maria in einer Mutter-Kind-Einrichtung unterbringen, um sie von diesem Mann zu trennen, der möglicherweise eine Minderjährige missbraucht hat. Würde Maria weiter den Namen des Vaters verheimlichen, müsste sie mit Kindesentzug sofort nach der Geburt rechnen. Für das Jugendamt würde sie sich nicht kooperativ verhalten, das wäre Grund genug. Alt genug, um das Kind allein zu erziehen, wäre sie nach Behördenansicht sicherlich nicht.

Maria und Josef flüchten also nach Bielefeld. Das Kind kommt in einer kargen Behausung zur Welt, Nachbarn bekommen das mit und informieren die Behörden. Josef stünde schon bald vor Gericht wegen Beihilfe zu einer Kindesentführung, auch Maria müsste mit einer Anklage rechnen. Für Jesus würde das Jugendamt eine vorübergehende Pflegestelle einrichten. Bliebe Maria dabei, dass Josef nicht der Vater des Kindes ist, müsste er vor Gericht beweisen, dass er im Leben des Jungen eine wichtige Rolle spielt. Damit würde er scheitern, weil Jesus gleich nach der Geburt Maria weggenommen worden ist.

Entscheidend für die Zuständigkeit eines Jugendamtes ist erst einmal der Ort, wo das Kind lebt. Ein Familiengericht würde Maria das Sorgerecht entziehen und auf eine Amtsperson übertragen. Würde Maria nun behaupten, dass Jesus eine wichtige Rolle für die Menschheit spielen solle, käme sie in eine psychiatrische Klinik. Bliebe sie bei ihrer Darstellung, bekäme sie das Sorgerecht nie wieder, Jesus würde bei Pflegeeltern aufwachsen. Könnte sie Umgangsrecht erstreiten, fände der nur in Begleitung einer Amtsperson statt. Würde sie Jesus bei einem dieser Treffen erzählen, dass er sich auf die ihm zugedachte Rolle vorbereiten müsse, würde Maria auch ihr Umgangsrecht riskieren. Das Jugendamt würde sicherlich anordnen: "Wenn Sie das nicht lassen, sehen Sie Ihren Jungen nie wieder."

Ja. Jedes Jugendamt würde Weihnachten verhindern...Nun stelle man sich noch vor, Jesus würde als 30-Jähriger in ein Jugendamt gehen und dort Mitarbeiter als "Ottern- und Natterngezücht" bezeichnen.

Die im Netz kursierende Weihnachtsgeschichte

Montag, 16. Dezember 2013

Das Röschen

Kann alles und noch viel mehr

Das gilt als größte GroKo-Überraschung: Ursula von der Leyen wird Bundesverteidigungsministerin. Sie gibt nun die Kommandos. Wie 1980 einem Lokalredakteur aus Burgdorf bei Hannover, der fast schon alle fünf Minuten telefonische Anweisungen von ihr bekommen hat, bis er im "Burgdorfer Kreisblatt" über eine angebliche Belästigung berichtete, die Polizei und Staatsanwaltschaft nicht an die große Glocke hängen wollten. Die Behörden wollten einen Jungen schützen, Ursula von der Leyen, die damals noch den Spitznamen "Röschen" hatte, dagegen nicht. Sie informierte seinerzeit die Presse früher als ihren Vater Ernst Albrecht, den damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, dem man eine Autobahn, die so genannte "Moor-Autobahn", fast bis vor die Haustür in Burgdorf-Beinhorn gebaut hatte.

Dann verschwand sie für lange Zeit von der Burgdorfer Lokal-Fläche, bis sie im Rat einer Nachbargemeinde wieder auftauchte. Den Landtags-Wahlkreis hatte die CDU inzwischen an die SPD verloren. Ursula von der Leyen sollte ihn zurück erobern. Das gelang ihr auf Anhieb, ihr SPD-Gegenkandidat, ein Öko-Landwirt aus Uetze, der bis dahin im Landtag gesessen hatte, war in privater Runde ein Zeitlang zerknirscht: "Ich habe diese Frau völlig unterschätzt."

Das ist offenbar vielen so gegangen. Sie rechneten nicht mit den Macht-Genen dieser siebenfachen Mutter und Ärztin, für die es nun politisch nur noch bergauf ging. Schon bald gehörte sie zur niedersächsischen Landesregierung, doch Hannover war nur eine Zwischenstation auf ihrem Weg nach Berlin. Merkel rief - sie kam. Haare auf den Zähnen hatte Ursula von der Leyen immer. Als bei einer Diskussion über Jugendämter Kritik an diesen Behörden geübt wurde, bügelte sie den Fragesteller mit dem Hinweis ab, dass sie als Mutter die Wirklichkeit ganz genau kenne und gleich bei einem Elternabend sein müsse. Ihre Antwort hatte mit dem Problem zwar nichts zu tun, aber die Diskussion beendet hatte sie.

Kommandieren ist ihr also nicht fremd. Ursula von der Leyen ist sicherlich keine Frau, die sich abends Kuschelrock anhört. Schon als Kind hat sie ihren eigenen Angaben zufolge lieber unter dem Tisch gesessen, wenn ihr Vater Leute empfing, die sie auch heute noch für wichtig hält, als draußen zu spielen. In ihrer Kindheit habe sie bereits viel über Politik gelernt. Hinzu kommt eine große Einsatzbereitschaft, die sie wahrscheinlich von ihrer Mutter gelernt hat, die in Burgdorf viele Ehrenämter hatte und auf sozialem Gebiet Tolles leistete. Widerspruch ließ auch ihre Mutter nur selten zu. Das weiß ich als ehemaliger Lokalredakteur in Burgdorf bei Hannover aus eigener Erfahrung.

Nun ist Ursula von der Leyen also Bundesverteidigungsministerin. Dass sie 2017 Kanzlerkandidatin werden will, streitet sie gar nicht ab. Warum auch...

Die Geschichte von der angeblichen Belästigung lesen Sie hier.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Sagt doch endlich








Die Wahrheit!

"Mein Willy" sülzt heute ein gewisser Helmut Böger in der "Bild am Sonntag" herum. Brandt sei ein "Jahrhundertmensch" gewesen. Das stimmt zwar, aber in der Springer-Presse möchte ich so was nicht lesen. Zum 100. Geburtstag sollten "Bild" und "Bild am Sonntag" sich endlich entschuldigen für die Schmutzkampagnen gegen diesen Politiker. Da ist doch von der Springer-Presse und von der CDU mit jedem Dreck geworfen worden, um diesen Sozialdemokraten zu beschmutzen. Sogar nach dem Kniefall vor dem jüdischen Ehrenmal in Warschau haben sie ihn so madig gemacht, dass Brandt wütend gefragt haben soll: "Woher wollen diese Schweine eigentlich wissen, was ich fühle?"

Alle wollen inzwischen in Ehrfucht erstarrt sein, wenn sie Brandt begegnet sind. Niemand will ihn mehr als "Vaterlandsverräter" und als uneheliches Kind verleumdet haben. Sogar als Vater soll er zumindest zeitweise ungeeignet gewesen sein. Oder hat auch das nie in der "Bild"-Zeitung gestanden?

Ich bin als Schüler in Wilhelmshaven wegen Willy Brandt in die SPD eingetreten. Seine Ostpolitik faszinierte mich. Im Herbst 1972 zog ich als Student nach Mainz um und trug wie viele andere die "Willy wählen"-Plakette. Vor dem Hauptbahnhof hielt mich deswegen ein älterer Herr an, der sich als Vorsitzender der DKP vorstellte. Schon bald gesellten sich andere zu uns. Wir diskutierten so eifrig über Politik, wie man sich das heute gar nicht mehr vorstellen kann. Dann kam Brandt. 30 000 Menschen wollten ihn hören. Mit seiner Rede erreichte er jeden in der Menge. Die Ausstrahlung dieses Mannes reichte bis zum Letzten bei dieser Wahlkampfveranstaltung. Brandt entfaltete seine Visionen von einer anderen Bundesrepublik, in der er auch Großunternehmer in die Schranken weisen würde.

Ein Jahr zuvor waren wir als Schüler eines Wilhelmshavener Gymnasiums in Prag. Brandt bekam während unserer Klassenfahrt den Friedensnobelpreis. Das erfuhren wir auf der Straße von einem Prager, der uns zu diesem Nobelpreis gratulierte. Immer wieder kamen Leute zu uns, die sich mit uns freuten. Auch in Prag wurde viel Positives von Brandt erwartet. Als wir wieder zuhause waren, holte uns der deutsche Alltag schnell wieder ein. Konservative Kreise nörgelten an der Preisverleihung herum.

Wiederum ein Jahr zuvor war Willy Brandt in Erfurt und traf sich dort mit dem DDR-Ministerratsvorsitzenden Willi Stoph. Die "Willy, Willy"-Rufe der begeisterten Menge deutete das Staatsfernsehen später in "Willi, Willi"-Rufe um.

1974 hatten sie ihn zermürbt. Brandt stürzte wegen der Guillaume-Affäre, doch sein Rücktritt war eher ein Befreiungsschlag. Seine Rücktrittserklärung klang so, als sei er froh darüber, endlich auch den Intriganten in seiner eigenen Partei entkommen zu können. Wehner hatte ihn in Moskau beleidigt, Helmut Schmidt begnügte sich mit Lippenbekenntnissen.

1989 wurde Willy Brandt wieder gefeiert. Einen Tag nach dem Fall der Mauer war er in Berlin. Erneut gab es "Willy, Willy"-Rufe. Die Berliner hatten nicht vergessen, was sie diesem Bundeskanzler verdankten.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Karl Dall (II)

Wer nimmt eine Stalkerin mit aufs Hotelzimmer?

Zu meiner Schweizer Zeit habe ich mir hin und wieder den "Blick" gekauft. Für mich war diese Zeitung stets eine harmlosere "Bild"-Zeitung, die bei der Sensationsmache lediglich übte. Doch inzwischen ist dieses Boulevardblatt zumindest für die Journalistin A. S. gefährlich geworden. Denn sie wird als "Karl Dalls Stalkerin" bezeichnet. Dieser Komiker aber hat diese Frau mit in sein Hotelzimmer genommen. Wer macht denn so was mit einer Stalkerin?

In der Schweiz meldet sich nun ein Mann nach dem anderen zu Wort, der von A. S. belästigt worden sein will. Selbst wenn all diese Geschichten stimmen sollten, bliebe doch der Vergewaltigungsvorwurf, mit dem sich die Ermittlungsbehörden beschäftigen. Der muss geklärt werden - und zwar offenbar sehr schnell. Sonst machen der "Blick" und andere Zeitungen so weiter.

Bei Vergewaltigung handelt es sich um ein Verbrechen. Soll diese Tatsache im Medienrummel untergehen? A. S. hat sich heute in der "Bild am Sonntag" zu Wort gemeldet. Sie ist also auch nicht klüger als Karl Dall, der "Bild" in der vorigen Woche vorgeheult hat, wie schlimm es im Gefängnis war. Aber die Wärter waren nett - und bei der täglichen Zigaretten-Ration hatte er nach eigenen Angaben einen "Dall-Bonus". Dieser Komiker hat wohl noch nicht begriffen, was ihm vorgeworfen wird.

Wer würde sich schon so ins Scheinwerferlicht stellen, wenn es um Mord ginge? Eine Vergewaltigung ist Mord an einer Seele, die vielleicht nie wieder gesund wird. Da man die Seele nicht sehen kann, darf man nun über ein vermeintliches Opfer herziehen, weil man dann endlich wieder in der Zeitung steht? Wer Karl Dall auf diese Weise entlasten will, leistet ihm einen Bärendienst. Wenn sich dieser Komiker schon laufend öffentlich zu Wort melden muss, dann sollte er es mit einer Distanzierung von solchen Leuten tun.

Zur Achtung vor dem Leben gehört auch die Achtung vor der Sexualität. Die ist von Spießern lange genug in den Dreck gezogen worden - und es gibt immer noch genügend Leute, die Sex nur als Mittel zum Zweck des Kinderkriegens akzeptieren wollen. Was dieser Tage ein Bischof - ebenfalls aus der Schweiz - in einem Hirtenbrief gegen die Homo-Ehe wieder deutlich gemacht hat.

Blick in den "Blick"

Sonntag, 1. Dezember 2013

Karl Dall

Hat einen Knall

"Falls diese Frau Herrn Dall tatsächlich nachgestellt hat, die beiden also wirklich Kontakt hatten, dann spricht das eigentlich eher für ihre Version der Geschichte", kommentiert heute Marion Horn, Chefredakteurin der "Bild am Sonntag", den Fall "Knall-Komiker". Der "Blick" reichert die Geschichte derweil mit weiteren Vermutungen an. Karl Dall soll sich schon vor der Talkshow "Aeschbacher" mit der freien Journalistin getroffen haben, die ihn nun der Vergewaltigung bezichtigt.

Marion Horn ist mit ihrer Schlussfolgerung zwar ein wenig voreilig, aber den Preis "Lust-Idiot des Jahres" hat sich der 72-Jährige verdient. Denn Karl Dall hat bereits zugegeben, dass er bei einem Interview per e-mail gegenüber dieser Journalistin auch "schlüpfrige Bemerkungen" gemacht hat. Als Karl Dall in Untersuchungshaft saß, hätte man seinen Geisteszustand untersuchen sollen, dann bräuchte er sich bei einem eventuellen Prozess wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit gar keine Gedanken mehr zu machen.

An der darf übrigens schon länger gezweifelt werden. Auf seinen eigenen Seiten wirbt Karl Dall auch mit Rollen, die er vor 30 Jahren in von ihm so genannten "Erotik-Komödien" gespielt hat. Einer der Titel: "Dirndl-Jagd am Kilimandscharo". Auch den "Preis des beleidigten Zuschauers" für "frauenfeindliche Sprüche" führt er dort als "Auszeichnung" auf. Diesen "Preis" hat Karl Dall 1994 bekommen.

Wer Billig-Streifen mit dummen Sprüchen und armseliger Handlung für erotisch hält, nur weil die Mädels alle fünf Minuten nackt sind, muss schon sehr abgestumpft sein. Der nimmt doch keine freie Journalistin mit aufs Hotelzimmer, um sich mit ihr über Rotwein zu unterhalten, wie Karl Dall jetzt behauptet. Der beherrscht doch die Kunst der gepflegten Unterhaltung gar nicht mehr. Wenn man dann auch noch hört, was dieser Frau inzwischen so alles nachgesagt wird, dann ist das doch nur ein weiterer Grund für Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit von Karl Dall. Mit einer Stalkerin ziehe ich mich doch nicht zurück, die stelle ich in aller Öffentlichkeit zur Rede. Was diesem "Lust-Idioten" wohl nicht mehr möglich gewesen ist, weil er schon wegen seiner "schlüpfrigen Bemerkungen" erpressbar war. Die er nun zugegeben hat, um von weiteren Dummheiten abzulenken?

Laut "Bild am Sonntag" gibt es in dieser Geschichte nun zwei Opfer, Karl Dall und die freie Journalistin. Das Leben beider sei ruiniert. Das glaube ich bei Karl Dall eher nicht. Seine Fans werden zu ihm halten. Armseligkeit ist ein Kitt, der auch für die nächste Armseligkeit reicht. Wer 1993 vor laufenden Kameras zu Norbert Blüm gesagt hat, "wir beide können ja noch die jungen Weiber abknallen", und trotzdem weiter machen durfte, wird auch zukünftig sein Publikum finden, das spätestens nach dem zweiten Bier auf Dirndl-Jagd geht, die Frage "Und was ist der Kilimandscharo?" aber nicht beantworten kann.