Samstag, 31. August 2013

Mit Eva (II)

Immer nur Ärger

Für Adam wird Eva ein ewiges Rätsel sein. Wenn er so weitermacht. Schließlich weiß er nicht einmal so genau, wo sie hergekommen ist. Irgendwann schlief er ein. Dann war sie plötzlich da. Das hat ihm jedenfalls der Gartenbesitzer erzählt und da Adam einfache Geschichten mag, hat er sich auch nie näher mit dieser Geschichte beschäftigt. Auch später hat der Gartenbesitzer oft einfache Geschichten erzählt. Denn er war auch nur ein Mann.

Hätte der Gartenbesitzer Eva die Geschichte vom Apfel erzählen lassen, wäre sie nicht so kurz. Dann stünde dort, warum es in dem Garten zwei verbotene Bäume gegeben hat. Sie wuchsen dort aus Misstrauen. Der Gartenbesitzer traute Eva nicht - und sie tat ihm den Gefallen. Sie biss in den Apfel. Eva begann eine neue Geschichte, weil sie tat, wozu sie für fähig gehalten wurde. Sie erfüllte die Erwartungen und wurde dafür bestraft. Das hat Eva bis heute nicht vergessen.

Nun war sie nicht mehr im Garten und mit Adam einsam. Sie schwiegen sich an und zeugten Kinder. Sie schwiegen weiter. Kain erschlug Abel. Sie zeugten weitere Kinder und schwiegen zu allem. Der Gartenbesitzer hatte ihnen die Sprache verschlagen. Oder ließ er sie nicht zu Wort kommen?

Seinen Garten ließ er streng bewachen. Dass allerdings jemand versucht hätte, die Wachen zu überlisten, ist nirgendwo überliefert. Die Welt erstarrte in Männerfantasien. Männerfantasien sind nur selten fantastisch. Ohne Eva war überall Wüste.

Eva (III)












Donnerstag, 29. August 2013

Mit Eva (I)

Immer nur Ärger

Da gibt es einen Garten, dort gibt es zwei Bäume. Das Paradies ist also kein Obstgarten gewesen. Ein Baum steht in der Mitte, der andere etwas abseits. Aber das kennen wir ja. Frauen und Orientierungssinn. Eva meint, sie befinde sich in der Mitte des Gartens, als ihr ein Apfel angeboten wird. Das kennen wir auch, Frauen und Einkaufen. Eva nimmt den Apfel und beißt hinein.

Dann gibt sie Adam diesen Apfel. Das kennen wir noch besser. Wenn Frauen etwas nicht schmeckt. Adam isst den Apfel auf und erkennt nun, was er besser nicht erkannt hätte. Für ihn bleiben immer nur die Reste. Dafür wird er auch noch bestraft. Der Besitzer des Gartens wirft Adam und Eva hinaus.

Der Baum in der Mitte des Gartens wird fortan bewacht. Denn bei Frauen weiß man nie. Haben die sich einmal verlaufen, werden sie neugierig. Männer nicht. Die muss man neugierig machen. Deswegen zieht sich Eva was über.

Je schicker Eva aussieht, desto schicker findet es Adam, sie wieder nackt zu sehen. Doch beim Sehen bleibt es nicht. Kennen wir von jedem Einkaufsbummel. Sagt eine Frau, dass sie nichts mehr anzuziehen hat, will sie etwas anziehen, was man ihr ausziehen soll. Ausgezogen werden findet sie anziehend. Besonders vor der "Sportschau" - dem Ersatz-Paradies für Männer. Die Vertreibung soll keine Ende nehmen. Deswegen sind für Männer gute Freunde so wichtig.

Doch irgendwann kehrt Adam immer wieder zu Eva zurück. Das hat er schon im Paradies gelernt, denn seit jeher hat der Apfelbaumbesitzer gesagt, dass Laufen zu nichts nütze sei. Weglaufen also auch nicht...

Mit Eva (II)

Sonntag, 25. August 2013

Dumme Sprüche

Das System ficken?

Auf einem der vielen Facebook-Blätter habe ich gestern Abend den Spruch entdeckt "Fuck the system". Zu deutsch: "Fick das System".

Da in diesem Spruch "das System" für etwas Schlechtes steht, warum soll es dann gefickt werden? Von mir jedenfalls nicht.

Sprüche dieser Art mit diesem Wort gibt es viele. Alle sind negativ - jedenfalls kenne ich keinen positiven. Warum das so ist, kann wohl niemand erklären. Die deutsche Sprache ist für Sex wohl nicht geschaffen.

Eine Frau mit Mutter aus Frankreich und Vater aus England hat mich einmal gefragt, warum das so ist. "Liebe machen" sei doch genauso blöd wie "mit jemandem schlafen". Alles andere sei entweder aggressiv vorbelastet oder dämlich. Bei den medizinischen Begriffen vergehe einem dann auch noch vollkommen die Lust. "Oder hälst du das", schob sie die Decke nach unten, "für eine Vagina?"

Stundenlang zählten wir alle Wörter auf, die uns für Sex einfielen. Wir amüsierten uns immer köstlicher. Das Schöne, Aufregende und Lustvolle hatte keine eigene Sprache (gefunden). Ficken stammte aus der Physik, Vögeln aus der Tierwelt und Bumsen erinnerte doch eher an Schmerzvolles. Als ich "sie erkannten sich" aus der Bibel in die Diskussion einführte, lachte sie laut: "Die haben sich also erkennungsdienstlich behandelt."

Die Nacht verging wie im Fluge...








Donnerstag, 22. August 2013

Schau mir

In die Weltanschauung, Kleines!

Das machen sie beruflich: Aus theologischer, psychologischer und soziologischer Sicht Tendenzen analysieren. Das Bild, das sie sich machen, veröffentlichen sie auf den Internetseiten der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Dort findet man in den August-Beiträgen diese Passage: "Als Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen eignet sich die Begriffsbestimmung des katholischen Religionsphilosophen Otto Muck (Innsbruck): ´Es ist schwer, einen passenden Ausdruck zu finden für diese grundlegende Lebensorientierung, also für jene Auffassung, aus der heraus ein Mensch das ihm im Leben in den verschiedenen Bereichen Begegnende auffasst, in Beziehung zu anderem setzt und in seiner Bedeutung für die Lebensgestaltung bewertet. Soll man von grundlegender Daseins- und Lebensorientierung sprechen oder von lebenstragender Auffassung – kurz Lebensauffassung – oder von Weltanschauung?´" Wer weiß das schon? Otto Muck offenbar auch nicht. Deswegen macht er es sich so schwer?

Eins ist sicher. Man macht im Leben viel durch. Und so manches mit. Wer jedoch meinte, dass er aus dem Durchgemachten auf das demnächst Mitgemachte schließen könne, der irrt sich spätestens dann, wenn er eine Überraschung erlebt. Dann steht er wie der Ochs vorm Berge und kommt nicht hoch, weil für ihn Überraschungen weder zum bisher Durch- noch zum bislang Mitgemachten gehören. Mathematisch ausgedrückt: Sobald jemand meint, dass er aus seinen bisherigen Erfahrungen die Summe bilden kann, hält er das Ergebnis für dauerhaft. Er ist tot.

Wer - um mit Muck zu sprechen - das ihm Begegnende in Beziehung zu anderem setzt, der setzt sich auch nicht mehr in die Nesseln. Der stirbt das Leben der anderen, die derweil sein Leben töten. Die Farbe des letzten Hemdes erfährt man aus den Nachrichten. Deswegen ist aus der Anregung des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, an einem Tag in der Woche den Fernseher nicht einzuschalten, auch nichts geworden. Wie hätte man da noch wissen sollen, ob man noch das richtige letzte Hemd trägt?

"Schau mir in die Augen, Kleines" war gestern, "schau mir in die Weltanschauung, Kleines" ist EZW.  













Sonntag, 18. August 2013

Räkeln

Kandidiert für die MLPD.

















Mit Che Guevara

Wenn sich Marion (Name geändert, der richtige Name ist dem Autor bekannt) nackt auf meinem Bett räkelte (und sie verstand sich aufs Räkeln), war sie nicht nur für mich biegsam. Sie war es auch für den Bärtigen auf einem Plakat, das in meinem Zimmer hing. "Den würde ich auch nicht von der Bettkante stoßen", hauchte sie mir immer dann ins Ohr, wenn sie an meinen Ohrläppchen knabberte.

Nun ist er wieder da, hängt auf Plakaten an den Straßen von Wilhelmshaven, belebt den Bundestagswahlkampf mit seinem Foto, das Kult ist, tritt an für die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) und fordert beispielsweise die 30-Stunden-Woche.

Marion dagegen, deren Brustwarzen so schön auf meinem Bauch kitzelten, verwechselte ihn stets mit Cat Stevens. Das irritierte mich noch mehr (und sie verstand sich aufs Irritieren). Als sie eines Liebes Tages auch noch "Morning has broken like the first morning/ Blackbird has spoken like the first bird/ Praise for the singing, praise for the morning/ Praise for them springing fresh from the world" trällerte, als sich ihre Kette in ihrem T-Shirt verfangen hatte, entschloss ich mich zum Äußersten. Ich versteckte das Plakat in meinem Schreibtisch und ersetzte es mit einem Plakat von Karl Marx. "Trau keinem über 30."

Darauf reagierte Marion mit einem Schmollmund (und sie verstand sich aufs Schmollmund machen) und kündigte das Ende unserer Räkel-Beziehung an. Das kam schneller als ich gedacht hatte. "Mein neuer Freund hat ein Plakat von Cat Stevens in seinem Zimmer", war sie in einer Pause zwischen Englisch- und Mathematik-Unterricht ein wenig schnippisch (und sie verstand sich aufs Schnippische). 





Samstag, 17. August 2013

Erection












For election - SPD so sexy

Der Wahlkampf ist öde, nölt die "Bild"-Zeitung. Peer Steinbrück kommt nicht an, sagen alle Wahlforscher. Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin, obwohl sie das noch nie gewesen ist, freut sich die CDU. Bei jeder Umfrage kommt das Gleiche heraus: Die Union liegt bei 40 Prozent, die SPD siecht bei 25 Prozent. Da scheint nicht einmal mehr eine Große Koalition möglich zu sein. Oder gibt es die neuerdings auch schon mit Splitterparteien?

Doch bald ist der Wahlkampf nicht mehr öde. Die SPD wird sexy. Alle Plakate mit Peer Steinbrück verschwinden wieder aus dem Straßenbild. Nicht mehr das Wir, ein Hoch entscheidet, das neue SPD-Motto lautet "Erection for election". Rothaarige Schönheiten räkeln sich für den Regierungswechsel und machen fünf Millionen müde Wahl-Männer auf dem Weg zur Stimmabgabe munter. Da kann die grüne Claudia noch so rot werden und die Alice noch so schwarz sehen, die SPD kommt wieder hoch, wenn sie so schnell wie möglich in Vergessenheit geraten lässt, mit wem sie kein Hoch bekommt.

Man darf gespannt sein, wie die CDU auf diese Plakataktion erigiert...

Mittwoch, 7. August 2013

Brett vorm Kopf

Über ein System, das immer brutaler wird

"Insbesondere ein Schreiber aus Wilhelmshaven namens Heinz-Peter Tjaden hat in den vergangenen Jahren umfangreiche perfide und sachlich nicht gerechtfertigte Behauptungen über mich im Internet verbreitet", ist ein typischer Fall von Brett vorm Kopf. Das offenbar zu allen politischen, religiösen und psychischen Sekten gehört. Nicht nur die Partei, auch der Guru und der Therapeut haben immer Recht.

Geschrieben hat die hier zitierten Zeilen ein Sozialpädagoge aus Lüneburg, der bis Juli 2011 eine angeblich therapeutische Einrichtung leitete. 2010 und 2011 ging er gegen mich massiv vor, Kritik an seinen Methoden wollte er wegklagen. Fast immer vergeblich. Und was lernte dieser Sozialpädagoge daraus? Offenbar nichts. Dazu lernen können Sektierer wohl auch nicht. Was nicht in ihre Welt passt, müssen sie verdrängen und zur Lüge erklären.

Gestern hat mich jemand gefragt, warum auch in diesem Fall das Kontrollsystem für die Kinder- und Jugendhilfe versagt hat. Der Gründe gibt es viele. Als Kinder haben wir die Augen geschlossen, wenn uns etwas nicht gefiel. Was wir nun nicht mehr sahen, gab es auch nicht mehr. Aus diesem Stadium ist dieses Kontrollsystem bis heute nicht herausgekommen. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch Verschiebemethoden für die Verantwortung. Jeder verschanzt sich hinter dem anderen. Jugendämter hinter Familiengerichten, Familiengerichte hinter Jugendämtern, Jugendämter und Familiengerichte hinter Gutachtern, Gutachter hinter den Fragen, die ihnen gestellt worden sind. Auch die Kinder- und Jugendhilfe hat sektiererische Züge.

Sekten schotten sich von der Außenwelt mit einer eigenen Sprache ab. Begriffe werden umgedeutet, Wörter werden neu erfunden. Kinder, die unbefangen sind und die Welt täglich neu erobern und erkunden wollen, bekommen den Stempel "distanzlos". Das ist - so die gängige Expertenmeinung? Richtig: negativ. Es könnte aber auch Übertragung sein. Vielleicht hat der Gutachter nur Angst davor, selbst noch einmal so unbefangen und so neugierig zu sein? Schließlich weiß man als Erwachsener: Wer sich nicht anpasst, muss aufpassen...

Ein kluges Sprichwort lautet, wenn du zwei Wege siehst, dann nimm den Weg, den noch nicht so viele gegangen sind. Nur dann kannst du etwas Neues entdecken. Wer dir sagt, dass ein bestimmtes Verhalten zu bestimmten Ergebnissen führt, dem solltest du entschieden entgegentreten. Auch bei ständiger Wiederholung bleibt ein Irrtum ein Irrtum.

Fantasielosigkeit führt oft zu Brutalität. Wie brutal das Kinder- und Jugendhilfesystem inzwischen ist, müsste auch der Letzte begreifen, wenn eine Jugendamtsmitarbeiterin in aller Öffentlichkeit sagen darf, dass Geschwisterliebe zu einer "ungesunden Struktur" führe, die aufgebrochen werden müsse. Sonst hätten es Pflegeeltern schwer, die eins der beiden Kinder bekommen. Sind Kinder erst einmal von ihren Eltern getrennt worden, sagt ein anderer Jugendamtsmitarbeiter - ebenfalls ohne sofort seine Papiere zu bekommen - sei ein "erneuter Beziehungsabbruch" nicht zu verantworten. Der Jugendhilfeausschuss hat schweigend dabei gesessen statt diesen Mann hochkantig hinauszuwerfen.

Genauso schlimm ist: Führt man Gespräche mit Jugendämtern, reicht ein Zeuge nicht mehr. Versprechen werden fast so schnell gegeben wie sie gebrochen werden, wenn es der Bequemlichkeit dient. Ausnahmen bestätigen nur noch die Regel. Die Maske fällt schnell und Kinder müssen die Suppe auslöffeln, die Erwachsene serviert haben.

Zur Brutalität gehört auch: Die Opfer - also die Kinder - werden bestraft und gequält. Der oben zitierte Sozialpädagoge hat die Kleinen als Druckmittel missbraucht. Dafür bekam er auch noch Geld. Hätte er für die Folgekosten aufkommen müssen, wäre er längst pleite.

Da sich viele an dem Kinder- und Jugendhilfesystem gesund stoßen, wird es immer kranker.