Mittwoch, 20. Februar 2013

Gestatten

Heute habe ich Geburtstag

Für die Welt ist es ein großes Ereignis gewesen, für mich ein kleiner Schritt auf diese Erde, auf der ich schon sehr früh das "Karstadt"-Gebäude in Wilhelmshaven eroberte, denn dort verwöhnte mich eine Verkäuferin mit Würstchen, die länger waren als ich. Die schleifte ich regelmäßig durch die Marktstraße. Bis sie so klein waren wie ich. Den Rest ließ ich mir schmecken. Ob Pferdefleisch drin war, ist mir nie verraten worden.

Im Laufe der Zeit wurde es immer enger in der Wohnung meiner Eltern. Die Geschwisterzahl stieg und mein Wunsch, irgendwo einen ruhigeren Ort zu finden. Das war wohl ein wenig zu viel verlangt, so dass man mich in ein Gebäude brachte, auf dem Schule stand. Dort waren noch mehr Kinder als bei uns zuhause, außerdem lungerte immer jemand vorne herum und erzählte Dinge, die auch in den Büchern standen, die vor mir lagen. Deswegen lag mir besonders an den Pausen - und irgendwann auch an einem Mädchen mit Sommersprossen, die ich spannender fand als die Kleckse auf Landkarten, mit denen Stadte markiert wurden, die angeblich wichtig waren. Schon bald hatte ich begriffen: Was ich wollte, wollte eigentlich nur ich wissen - und dieses Mädchen mit Sommersprossen. Deshalb fand ich alle Wörter mit Schule immer langweiliger. Die einzige Ausnahme blieb: Schulschluss. Dann begann für mich das Leben, auf das ich eigentlich in der Schule vorbereitet werden sollte.

Meine Einstellung bereitete den vorne Herumlungernden immer mehr Sorgen, denn sie hielten mich für  begabt. Also tat ich ihnen den Gefallen und blieb so lange auf der Schule, wie es nur ging. Davon hatten alles etwas: Die da vorne freuten sich und ich langweilte mich tödlich, ohne zu sterben. Das lehrte mich: Manchmal muss man nicht viel tun, um anderen eine Freude zu machen.

Wieder war es eine Frau, die mich verstand, ohne vorne herumzulungern. Die kam von einer Zeitung und fragte mich, woran ich denn Spaß hätte, wenn die Schule aus sei. Dass in der Schule mit Spaß nicht zu rechnen war, wusste sie also. Ich sagte ihr, dass ich gern das tun würde, was sie tat: Leuten Fragen stellen, auf die sonst keiner gekommen wäre. Und das mache ich heute noch gern...




Sonntag, 17. Februar 2013

Hannover wählt


Nach "viel Schnittchen" geht es noch tiefer

"Ich freue mich auf das Vertiefen alter und das Gewinnen neuer Kontakte. Und ich weiß, dass sie mein Leben bereichern. Mehr als jeder Film und jedes Theaterstück."

Schreibt ein Diplom-Sozialpädagoge auf seinen Internetseiten. In dessen Geschreibsel vertiefen sich monatlich 427 Leserinnen und Leser. Das "Gewinnen neuer Kontakte" wird für ihn in den nächsten Wochen also wichtiger sein als "das Vertiefen". Sonst wird das nichts mit dem Bereichern.

In jüngster Zeit hat er eigenen Angaben zufolge "viel Schnittchen" gesehen, aber noch mehr Kaffee.  Kalten vielleicht. Damit soll nun Schluss sein. Dieser Diplom-Sozialpädagoge will künftig möglichst viele Vereine und Einrichtungen in Hannover besuchen. Wenn er allerdings bei seinen Besuchen so spricht wie er schreibt, wird die "Bereicherung des Lebens" eine ziemlich einseitige Angelegenheit.

Doch es könnte noch schlimmer werden. Denn dieser Mann heißt Stefan Schostok und kandidiert am 22. September 2013 in Hannover für das Oberbürgermeisteramt. In der niedersächsischen Landeshauptstadt kann die SPD aufstellen, wen sie will, er wird anschließend immer im Rathaus abgestellt. Davon hat es bisher vier gegeben.

Mehr über die Oberbürgermeisterwahl in Hannover 

Dienstag, 12. Februar 2013

Geisterschiffe

Auf dem Meinungs-Wasser

Wenn die Presse Wind macht, müssen die Piraten die Segel streichen. Inzwischen dümpelt das Schiff bei Windstärke 3 Prozent dahin. Sind die Piraten erst auf ein Riff gelaufen, werden sie raffen, dass ein Spiegel die Dinge immer verkehrt herum zeigt. Aber gar nicht mehr in den "Spiegel" schauen, geht auch nicht. Sonst entginge einem Piraten, was diesem Magazin so alles entgeht. Gespräche über den Kurs führen diese Klabautermänner  nämlich nur zum Schein. Richtig ist stets, was sie abends den Hafendirnen erzählen.

"Die Zeitung macht schlau" behauptet bis Ende Februar 2013 der Großhandel für das Zeug, das anderen an demselben geflickt wird. Über diese Nadel und diesen Faden hätten sich die Piraten früher schlau machen müssen. Statt selbst Shitstorms zu entfachen, hätten sie sich über die Entstehung informieren sollen. Denn Informationen sind Werkzeuge, die den Piraten an Bord fehlen. Sonst wird ein Geisterschiff daraus.

Die Medien können Geisterschiffe. Eins setzten sie aufs Meinungswasser, als die Gewerkschaften in Frankfurt gegen die NPD demonstrierten und die Polizei alles niederknüppelte, was nicht schnell genug in Mainz oder Wiesbaden war. Da nicht sein kann, was nicht sein darf, wurden aus Gewerkschaftsmitglieder Chaoten, die sich "mit der Polizei geprügelt" hatten. Ein weiteres setzten sie aufs Meinungswasser, als Väter vor dem Anwesen der Bundesfamilienministerin demonstrierten. Die war gar nicht da, musste sich aber von der Deutschen Presse-Agentur sagen lassen, sie habe eine Erklärung in Empfang genommen. An mir schiffte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" vorbei, als sie behauptete, ich sei Verfasser von Naturlyrik. Die ich bei einer Lesung zu Gehör gebracht hätte. Als ich die Redakteurin darauf hinwies, dass ich keine Gedichte, sondern Prosa verfasse, predigte ich tauben Ohren.

Die Piraten wollten entern und sind geentert worden. Nicht mit einer Augenklappe, sondern mit Klappen auf beiden Augen.


Donnerstag, 7. Februar 2013

Arme Schlucker

Besoffener Justizminister und betroffene Bildungsministerin

Ein Mann kurvt am Dienstagabend besoffen durch Hannover. Er wird von der Polizei gestoppt. So was passiert in der niedersächsischen Landeshauptstadt täglich. Gelegentlich sitzt auch eine beschwipste Landesbischöfin am Steuer. Dieses Mal war es der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann, der noch ein paar Tage im Amt ist. Ob der auch betrunken war, als ich mich an ihn mit einer Beschwerde über die hannoversche Staatsanwaltschaft wendete, weiß ich nicht. Vielleicht hat er meinen Brief nicht im Auto gelesen...Außerdem ist Alkohol am Schreibtisch nicht strafbar. Die Antwort auf meine Beschwerde, die Busemann einem Mitarbeiter überließ, las sich allerdings so, als seien beide etwas benebelt gewesen. Auf jeden Fall zündeten sie Nebelkerzen, die es in der CDU inzwischen wohl kostenlos gibt.

Vorsicht ist aber nicht nur geboten, wenn man als Autofahrer in Hannover dem Justizminister oder einer Landesbischöfin begegnet, sondern auch beim Lesen von Doktor-Arbeiten aus der CDU. Mindestens 33 Prozent haben fortan als abgeschrieben zu gelten. Könnte daran liegen, dass nur Christdemokratinnen und Christdemokraten bei Merkel Ministerämter bekommen, wenn sie noch nie auf eigene Gedanken gekommen sind. Dennoch will Annette Schavan um ihren Doktor-Titel kämpfen. Auch im Amt will sie bleiben. Wahrscheinlich als Bundeseinbildungsministerin.

Sollte jemand gestern den Eindruck gehabt haben, dass sich Angela Merkel in Paris über das tolle Spiel der deutschen Mannschaft gegen Frankreich freute, dann dürfte er sich täuschen. Die freute sich sicherlich auf ihre Rückkehr nach Berlin, wo man noch mehr trickst als Gündogan und Ribéry zusammen.