Donnerstag, 31. Januar 2013

Milchmädchen

Rechnen wie der Verteidigungsminister

So rechnet der Verteidigungsminister: Je mehr deutsche Soldaten in einen Kampfeinsatz geschickt werden, desto weniger deutsche Soldaten können die Gegner totschießen. Die meisten deutschen Soldaten werden in Afghanistan zwar gar nicht von anderen totgeschossen, sondern von sich selbst - aber das ist geheim. Wenn das nicht so wäre, würde dann die Rechnung des Verteidigungsministers stimmen?

Rechnen wir doch einmal so: Je mehr Geld wir haben, desto weniger kann uns an der Supermarktkasse abgeknöpft werden. Stimmt das?

Oder rechnen wir doch einmal so: Je mehr Kilometer wir mit immer mehr Autos fahren, desto seltener fährt uns jemand von hinten drauf. Stimmt das etwa?

Wir können natürlich auch so rechnen: Je mehr Kampfhunde wir halten, desto seltener werden wir von einem fremden Kampfhund gebissen. Wird doch wohl niemand behaupten wollen.

Die Moral von der Geschicht: Als Verteidigungsminister kommst du überall hin - nur nicht in eine geschlossene psychiatrische Klinik...


Dienstag, 29. Januar 2013

Wanted


Ein wenig Christentum in der katholischen Kirche

In der "heute-show" ist vorigen Freitag ein katholischer Merkwürdenträger zu Wort gekommen, der auf die Frage, ob auch Jesus ein Vergewaltigungsopfer aus einer Klinik geworfen hätte, antwortete: "Jesus war kein Mediziner." Gründer der katholischen Kirche war Jesus aber auch nicht, was allerdings keinen Merkwürdenträger daran hindert, sich der Öffentlichkeit in Kleidern zu zeigen und Kinder zu zeugen, die er anschließend nicht mehr kennt. Motto (bei Paulus angelehnt): "Zeugen ist gut, nicht erziehen ist besser."

Doch manchmal finden katholische Merkwürdenträger auch Zeugen nicht gut. Wenn Nazi-Mörder nach Südamerika geschmuggelt werden, wenn schmutziges Geld gewaschen wird, wenn Heimkinder verprügelt und missbraucht werden, wenn...Wenn das trotzdem herauskommt, vergibt der höchste Merkwürdenträger von Rom aus allen alle Sünden. Motto (bei Jesus angelehnt): "Nun sündige munter fort. Bis zur nächsten Generalabsolution." Und bis zur nächsten (bei Matthäus angelehnt) Hügelpredigt.

Sollte demnächst ein katholischer Merkwürdenträger gefragt werden, warum Jesus vor allen gewarnt hat, die  behaupten, dass sie in seinem Namen sprechen, antwortet der wahrscheinlich: "Jesus war kein Prophet." So hätte er sich vom Islam abgegrenzt und gleichzeitig den Bibelspruch bestätigt: "Wahrlich, ihr seid die Rechten. Mit euch wird die Weisheit untergehen."

Doch riechen tun sie immer noch. Vor gut 40 Jahren haben junge Leute skandiert: "Und unter den Talaren der Mief von 1 000 Jahren." Das wäre heute nicht mehr möglich. Denn der Spruch müsste lauten: "Und unter den Talaren der Mief von 1 040 Jahren." Nicht nur die 1 000, auch die 40 ist eine biblische Zahl. Moses soll 40 Tage auf die zehn Gebote gewartet, Jesus sich 40 Tage des Teufels erwehrt haben. So lange hätten die wohl kaum durchgehalten, wenn sie sich als Ergebnis die katholische Kirche gewünscht hätten. Moses hätte beim Tanz um das goldene Kalb auf die Gesetzestafeln gepfiffen, und Jesus hätte den Teufel nicht zum Teufel geschickt...

Sonntag, 27. Januar 2013

Nineeleven

1973 in Chile

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für ein paar Stunden nach Chile gejettet. Dieser südamerikanische Staat ist reich an wichtigen Bodenschätzen. Die sollen nicht nur für China ausgebuddelt werden, sondern auch für Deutschland. Deshalb war die Kanzlerin dort.

Ein paar Tage zuvor sind in Chile Generäle verhaftet worden, die bei dem Putsch im Jahre 1973 eine unrühmliche Rolle gespielt haben sollen. Auch damals ging es um die Bodenschätze von Chile. Die gehörten nicht dem chilenischen Volk, sondern größtenteils amerikanischen Firmen. Bis der Sozialist Salvador Allende Präsident wurde. Das war 1970. Die Wahl war demokratisch, die Aufregung in den USA, aber auch in Deutschland groß. Besonders wütend machte die CDU, dass die Christdemokraten aus Chile diesen sozialistischen Präsidenten bei einigen Vorhaben unterstützten. Sie hatten ihm im Parlament sogar ihre Stimmen gegeben.

Doch die Macht hatten andere. Der "Krieg der Mumien" begann. Dokumentiert wurde dieser Krieg 1974 in einem preisgekrönten DDR-Film. Die USA setzten das sozialistische Experiment unter wirtschaftlichen, politischen und geheimdienstlichen Druck. CIA und US-Firmen finanzierten den Putsch. An die Spitze wurde der General Augusto Pinochet gesetzt. Der ließ am 11. September 1973 den Präsidentenpalast bombadieren. Dort hatte sich Allende mit ein paar Getreuen verschanzt. In diesem Palast beging er Selbstmord. Pinochet erfand sogleich mit gefälschten Dokumenten diktatorische Pläne des in den Tod Getriebenen. Das Land verwandelte er in ein Konzentrationslager, politische Morde gehörten zum Alltag.

Die Handlanger jedoch waren mit Pinochet zufrieden. Zur Rechenschaft gezogen wurde er nicht. Mit dem Ende seiner von den USA finanzierten Diktatur im Jahre 1990 kam die Prozessverschleppung, bis dieser Mörder nicht mehr verhandlungsfähig war und 2006 starb. Für Franz Josef Strauß hatte der "Begriff Ordnung" bereits 1973 "einen süßen Klang" bekommen.

Erst kommt das Fressen und dann die doppelte Moral. Auch die jetzt verhafteten Generäle haben sicherlich nicht viel zu befürchten. Die meisten Dokumente sind immer noch unter Verschluss. Niemand hat vor, dieses Spinnennetz zu zerreißen. Angeblich haben auch deutsche Firmen mit gesponnen - und mitgemordet. Die werden im Abspann von "Krieg der Mumien" genannt.  Dazu gehören die Olympia-Werke aus Wilhelmshaven.




Donnerstag, 24. Januar 2013

Der Enkel-Tick

Der Enkel-Tick von Rainer Brüderle

Vor dem Enkel-Trick warnt immer wieder die Polizei, vor dem Enkel-Tick des FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle warnt jetzt der "stern". Der soll sich vor einem Jahr einer 28-jährigen Redakteurin genähert haben, bis er von einer Aufpasserin ins Bett geschickt wurde. Dort weinte er so lange in sein Kissen, bis der Wein aus seinem Körper wieder raus war.

Ein bisschen schuld an dieser peinlichen Geschichte ist aber auch der "stern". Gesteht das Magazin. Das schickt nach eigenem Bekunden schon einmal eine Redakteurin leicht geschürzt an eine Hotelbar, weil Leichtbekleidete von Politikern mehr erfahren als Schwerbewaffnete.

Aber nur wenige Frauen schreiben darüber, bedauert der "stern". Die von Brüderle Angegaffte hat man zwölf Monate lang zappeln lassen, bevor sie endlich der Öffentlichkeit kundtun durfte, worunter sie so lange gelitten hatte. Sie würde immer noch ungehört leiden, wenn Brüderle nicht FDP-Spitzenkandidat geworden wäre. Ohne Spitzenamt keine "stern"-Story.

Was aber ist sonst noch mit dieser 29-Jährigen los? Der "stern" beschreibt die Hotelbar-Szene so: "Brüderles Blick", schreibt Laura Himmelreich, "wandert auf meinen Busen". "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. "Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen." "Herr Brüderle", sage ich, "Sie sind Politiker, ich bin Journalistin." "Politiker verfallen doch alle Journalistinnen", sagt er. Ich sage: "Ich finde es besser, wir halten das hier professionell." "Am Ende sind wir alle nur Menschen."

Bis ein Uhr morgens soll sich Rainer Brüderle daneben benommen haben. Worauf wartete derweil eigentlich Laura Himmelreich? Genau: auf eine Story. Sonst wäre sie gegangen oder sie hätte Brüderle eine gescheuert. Aber dann hätte man sie in der "stern"-Redaktion für bescheuert gehalten? Wie lautete eigentlich die Dienstanweisung vor diesem Treffen an der Hotelbar?

Durchschimmern lässt der "stern" nun auch, dass Rainer Brüderle keinen Schimmer davon hat, wie man sich gegenüber Frauen verhält. Was an der Hotelbar geschehen sei, ziehe sich wie ein roter Faden durch die Lenden dieses Mannes. Das sollte aber sein Problem bleiben. Und allen Frauen eine Warnung...



Mittwoch, 23. Januar 2013

Flegel

Bei Maischberger

"Rot-Grün zieht vorbei - Albtraum für Merkel?" Diese Frage hat gestern Abend Sandra Maischberger in den TV-Raum geworfen. Zurückgeworfen wurden von Klaus Wowereit (Regierender Bürgermeister von Berlin), Peter Altmaier (Umweltminister), Katrin Göring-Eckardt (Spitzenkandidatin der Grünen) und Patrick Döring (FDP-Generalsekretär) Satzfetzen. Weiter kam niemand. Jeweils drei oder vier Wörter reichten für die nächste Fetzerei der männlichen Polit-Flegel, die niemanden ausreden ließen.

Wowereit, Altmaier und Döring bewarben sich für ein Fernseh-Verbot, das unverzüglich ausgesprochen werden sollte, damit sich Kinder kein übles Beispiel an ihnen nehmen können. Nervosität bei SPD, CDU und FDP ist keine Entschuldigung für ein derartiges Verhalten. Dass Politiker gar nicht mehr auf die Argumente der anderen eingehen, ist schon schlimm genug. Niemand beantwortet beispielsweise überzeugend die Frage, ob nun ein Mindestlohn oder eine Lohnuntergrenze die bessere Lösung ist, wenn es darum geht, dass alle Menschen, die arbeiten, auch von ihrer Arbeit leben können.

Erschwerend hinzu kommt der Stuss, der von diesen Polit-Flegeln verbreitet wird. Da kontert Wowereit kritische Anmerkungen zu den Pannen am Berliner Flughafen mit der Behauptung, auch in München sei der Flughafenbau nicht reibungslos verlaufen. Döring weicht der Mindestlohn-Diskussion mit dem Hinweis aus, er habe auch schon einmal einen Betrieb geleitet. Altmaier verschanzt sich bei der Energiewende hinter Fehlern seiner Vorgänger, die er aber nicht benennt. Oder ist er nicht dazu gekommen? Beim Thema Steuern ging es nur um den Spitzensatz und um die Einführung weiterer Abgaben, nicht aber darum, wie der Staat mit Steuergeldern umgeht und wie die Einnahmen auf Bund, Länder und Gemeinden verteilt werden. Das Thema Bildungspolitik reduzierten diese Polit-Flegel auf Kindertagesstätten vs Betreuungsgeld.

Man kann es nicht mehr hören. Dafür jedenfalls haben Wowereit, Altmaier und Döring gestern gesorgt. Den Talkshow-Veranstaltern möchte man zurufen: Macht mal eine Pause! Bundestagswahl  ist erst im September 2013. Vorher gibt es noch einen Frühling und einen Sommer. Den man ohne diese Polit-Flegel sogar genießen könnte...


Dienstag, 22. Januar 2013

Hart - aber fair?


Rote Pappnase für Frank Plasberg

ARDaus: “Ist der nicht cool?” So hat Frank Plasberg “hart, aber fair” gestern einen Fernsehauftritt des FDP-Parteivorsitzenden Philipp Rösler am Wahlsonntag kommentiert, bei dem sich der Vorhang mit “Morgen informiere ich die Gremien” öffnete und mit “Morgen werde ich dazu Stellung nehmen” wieder schloss. Rösler habe bei diesem Interview offenbar schon gewusst, was er am nächsten Tag tun werde, jubelte der Moderator. Wäre ich im Studio gewesen, hätte ich Plasberg eine Tröte in die Hand gedrückt. Dann hätte er seine Begeisterung musikalisch untermalen können. Eine rote Pappnase hätte ihm sicher auch gut gestanden.

Reporter verfolgt Passantinnen und Passanten

Freitag, 18. Januar 2013

Zwangsmittel

Deutsche Nationalbibliothek setzt mich unter Kostendruck

Die Deutsche Nationalbibliothek droht mir jetzt per Einschreiben mit Zwangsmitteln. Innerhalb von einer Woche soll ich dort meine Bücher "Wenn Zahlen einen Kopfstand machen", "Zerstreutes Wohnen - Ratgeber für alle ab 70", "Auf dem Weg zur Disco lauern Mörder - So warnt die Neuapostolische Kirche vor der Freiheit", "Menschen rinnen wie Sand durch die Finger - Psychologie der Neuapostolischen Kirche" und "Wahl spezial in Wilhelmshaven - Gelebte Demokratie an der Jade" abliefern. Sollte ich das nicht tun, bestellt "ein anderer" diese Bücher. Die Kosten hätte ich zu tragen. Gegen diesen Bescheid kann ich innerhalb eines Monates Widerspruch einlegen. Ein Widerspruch hätte keine "aufschiebende Wirkung". Bedeutet: Bekäme ich Recht, müsste die Deutsche Nationalbibliothek die Kosten übernehmen.

Alles, was in Deutschland gedruckt wird, muss bei der Deutschen Nationalbibliothek abgeliefert werden. Früher ist das ein Exemplar gewesen. Dann kam neben Frankfurt am Main Leipzig als zweiter Standort dazu.  Deswegen müssen zwei Exemplare abgeliefert werden. Kostenlos. Auch die Niedersächsische Landesbibliothek in Hannover will ein Exemplar haben. Ebenfalls kostenlos.

Für große und mittlere Verlage ist das ein Klacks. Die hier aufgezählten Bücher habe ich jedoch selbst herausgegeben. "Menschen rinnen" und "Disco" sind 1993 bzw. 1996 erschienen. Von diesen Büchern habe ich nur noch ein Exemplar. Warum diese Broschüren nicht zum Bestand der Deutschen Nationalbibliothek gehören, ist mir ein Rätsel. Ich habe sie abgeliefert. Aber wie soll ich das nach so vielen Jahren noch beweisen?

"Zahlen", "Zerstreutes Wohnen" und "Wahl spezial" erschienen 2011 bzw. 2012. Diese Broschüren veröffentlichte ich bei www.lulu.com. Ein Exemplar bekam die Deutsche Nationalbibliothek, ein weiteres Exemplar die Niedersächsische Landesbibliothek. Die Kosten, die ich dafür trug, lagen bei 40 Euro. Damit ich diese Kosten wieder herein bekam, mussten erst einmal 20 Exemplare verkauft werden. Hinzu kamen Rezensionsexemplare, die von Zeitungen und Zeitschriften angefordert wurden. Die werden ebenfalls nicht bezahlt. Eine Garantie dafür, dass Bücher auch rezensiert werden, gibt es nicht. Jährlich gibt es so viele Neuerscheinungen, dass die Chancen sehr gering sind. Mit dem Bilderbuch "Zahlen" haben die achtjährige Sarah Kodritzki aus Lübeck als Zeichnerin und ich als Verfasser des Textes immerhin den Sprung in die "Lübecker Nachrichten" geschafft.

Als Autor aus Wilhelmshaven habe ich "Zahlen", "Zerstreutes Wohnen" und "Wahl spezial" auch zur Stadtbibliothek gebracht. Die verweigerte jedoch eine Aufnahme in den Bestand. Ich hätte sie also besser an die Deutsche Nationalbibliothek geschickt. Doch das eigentliche Problem bleibt: Gibt jemand Bücher im Eigenverlag heraus und bietet sie im Netz an, übt die Deutsche Nationalbibliothek einen Kostendruck aus, dem Eigenverlage finanziell nicht viel entgegen setzen können.

Hinzu kommen jene, die sich meine Bücher von mir bei www.lulu.com besorgen lassen, und ihre Bestellungen nie bezahlen. Schlecht ist die Zahlungsmoral aber nicht nur bei einigen Privatleuten - ein Drittel der Buchhandlungen ist ebenso zahlungsmüde. Schon steckt ein Eigenverlag in der Kostenfalle. Und die Deutsche Nationalbibliothek erhöht diesen Druck noch...




Mittwoch, 16. Januar 2013

SPD wird APO

Der Peer ist auf einem guten Weg

Wenn die SPD weiterhin jede Woche 2 Prozent verliert, haben wir nach der Bundestagswahl endlich wieder das, was sich vor gut 40 Jahren viele gewünscht haben: eine außerparlamentarische Opposition (APO). Dann geht Peer Steinbrück als Ap-Opa in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein. Auf jeden Fall ist er auf einem guten Weg. Die SPD bekommt noch 23 Prozent. 

Wie weiland Gerd kann der Peer ab Oktober 2013 als parlamentarischer Oppositioneller an so manchem schmiedeeisernen Tor rütteln. Allerdings wird er nicht "Ich will hier rein" rufen, sondern so manchem Manager entgegen: "Ich will dein Gehalt." Die SPD wird ihn sicherlich nicht festhalten.

Sollte dem Peer wider Erwarten kein Tor geöffnet werden, kann er sich immer noch für viel Geld als Talkshow-Gast verdingen, der immer wieder erklärt, wie er eine 150 Jahre alte Partei daran gehindert hat, noch älter zu werden. Zumindest parlamentarisch hätte er erfolgreich etwas gegen den demographischen Wandel getan.

Willy Brandt allerdings würde sich geirrt haben. Der vermutete als Kanzler, dass die SPD in einen 30-Prozent-Turm gesperrt wird, wenn die Jungsozialisten (Jusos) weiter so aufmüpfig bleiben. Weiß heute auch keiner mehr: Die Jusos hat es wirklich einmal gegeben. Einfach mal den Gerd fragen...




Freitag, 11. Januar 2013

Das Niveau sinkt

Politik in Niedersachsen: Einschläfern oder belügen?

Als Schüler habe ich gelegentlich die Ohren auf Durchzug gestellt, weil ich mich gefragt habe, warum ich meinem Lehrer länger zuhören und mich ständig unterfordern lassen soll. So ging es mir gestern auch ab 21 Uhr. Der NDR übertrug vor den niedersächsischen Landtagswahlen das "einzige TV-Duell" zwischen dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister und seinem Herausforderer Stephan Weil (noch Oberbürgermeister von Hannover).

Aus dem Halbschlaf gerissen wurde ich erst wieder, als über den Bildschirm Aufnahmen von weinenden Familien flimmerten. Dabei handelte es sich um Vietnamesen, die während einer Nacht- und Nebel-Aktion aus dem Land geworfen worden waren. Man schickte Kinder dort hin, wo sie nie gelebt hatten. Die waren bis dahin in Niedersachsen zuhause. Und wie kommentierte der niedersächsische Ministerpräsident diese Bilder von einer Menschen verachtenden Aktion? Erster Satz: "Niedersachsen ist ein weltoffenes Land." Dem niedersächsischen Innenminister bescheinigte er anschließend gute Arbeit. Fehlte eigentlich nur noch ein höhnisches Lachen.

Ohne Christian Wulff wäre David McAllister wahrscheinlich nie niedersächsischer Ministerpräsident geworden. Deshalb stellte der Moderator zu Beginn der Sendung die nahe liegende Frage, wie es denn heute um das Verhältnis der beiden bestellt sei. Gar nicht mehr, antwortete David McAllister und fügte die Unterstellung hinzu: "Die Menschen sind mit dem Thema durch." Das hätte er wohl gern. Wie "die Menschen" reagieren würden, wenn sie endlich erführen, wer aus der CDU laufend die Medien über Einzelheiten aus dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover informiert, weiß auch der niedersächsische Ministerpräsident nicht. Christian Wulff hat sich als Bundespräsident peinlich verhalten. Aber er war erste Wahl von Angela Merkel. Mit solchen Themen sind "die Menschen" nicht so schnell "durch", wie sich das ein McAllister wünschen mag.

Dann wurde ich eingeschläfert. Hörte ich doch noch einmal etwas, dann waren es Sätze wie "Mit den Steuermehreinnahmen haben wir die Neuverschuldung gesenkt." Schon lange verkleistern Politikerinnen und Politiker mit solch einem Schwachsinn die Gehirne derjenigen, die gelegentlich doch noch auf eine vernünftige Antwort hoffen. Denn "Senkung der Neuverschuldung" bedeutet lediglich, dass die Schulden nicht so schnell steigen wie vorher. Steigen! Nicht sinken, Herr McAllister!

Vor gut sieben Jahren hat der damalige Bundespräsident in einer Rede, die ich beeindruckend fand, darauf hingewiesen, dass es nur wenige Staaten gibt, in denen Steuern dermaßen verschwendet werden wie in Deutschland. Warum das immer noch so ist, wäre ein spannendes Thema.

Derweil werde ich vom niedersächsischen Justizministerium belogen. Seit über neun Jahren wehre ich mich gegen schlampige Arbeit der Staatsanwaltschaft von Hannover. Niemand reagierte auf meine Eingaben in den Jahren 2004 und 2005. Damals gab es angeblich ein Ermittlungsverfahren gegen mich, das aber schlicht in Vergessenheit geraten war.

Das ist mir klar geworden, als ich die Akte las. Die beschaffte ich mir im Oktober 2012. Keine einzige meiner Eingaben wurde abgeheftet. Beantwortet wurden sie auch nie. Die Staatsanwaltschaft von Hannover redet sich nun mit dem Hinweis heraus, man habe meine Akte vorschriftsmäßig vernichtet - und ein Mitarbeiter des niedersächsischen Justizministeriums antwortet mir am 2. Januar 2013, er habe sich schon mehrfach mit meinem Fall befasst. Was ich eigentlich wissen müsste. Der gleiche Mitarbeiter schrieb mir am 4. November 2010: "Einen Bescheid haben Sie bislang nicht erhalten, weil Ihre Schreiben im Wesentlichen aus Unmutsäußerungen bestanden..." In diesem Schreiben behauptete er, es gebe "einen Bericht der Staatsanwaltschaft Hannover". Den ich nicht kenne. Aus diesem Bericht gehe hervor, dass mir die Staatsanwaltschaft von Hannover nie "eine Entscheidung zugesagt" habe (Foto 30).

Auf welcher Basis soll die Staatsanwaltschaft von Hannover diesen mir unbekannten Bericht verfasst haben? Auf der Basis einer vernichteten Akte? Da das Verfahren im September 2006 eingestellt worden ist, dürfte die Akte am 4. November 2010 längst dem Reißwolf zum Opfer gefallen sein. Sollte das nicht so sein, dann wüsste ich gern, warum die Staatsanwaltschaft von Hannover meine Akte nach dem 4. November 2010 vernichtet hat, während ich zum wiederholten Male das niedersächsische Justizministerium und den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages einschaltete. Was bleibt ist: so oder so ein Skandal!

Dokumente eines Justizskandals

Donnerstag, 10. Januar 2013

Missbrauch in Kinderheimen

Die katholische Kirche verliert nicht gern die Kontrolle

"Hiermit möchte ich Ihnen umgehend mitteilen, dass ich Ihre Zuschrift gelesen habe und Sie bitten, alles was Sie für die Arbeit des Ausschusses aus Ihrer eigenen Erfahrung wichtig finden, mir zuzusenden."

Das hat mir Antje Vollmer, ehemals Bundestagsvizepräsidentin und ab 2009 Vorsitzende eines Bundestagsausschusses zur Aufklärung von Missständen in Kinderheimen, am 15. Dezember 2008 geschrieben. Zuvor hatte sich der Petitionsausschuss zwei Jahre lang mit dem Thema beschäftigt. Der Ausschuss beschränkte sich auf die 50er-, 60er- und 70-er Jahre. Das war der erste Fehler, denn auch später hatte es Missbrauchsfälle in Heimen gegeben.

Jetzt hat die katholische Kirche Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Institut Niedersachsen den Aufklärungsstuhl vor die Wissenschaftstür gestellt - und fast alle Printmedien (die sich gern als Qualitätserzeugnisse sehen) drucken dazu eine Meldung ab, die von der Deutschen Presseagentur stammt. Darin heißt es: "Die katholische Kirche hatte mit dem Forschungsprojekt auf den Missbrauchsskandal reagiert, der sie 2010 erschüttert hatte."

Würde bedeuten: Die Petitionen, die Heimkinder an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages geschickt haben, um endlich eine breite öffentliche Diskussion in Gang zu setzen, erschütterten die katholische Kirche weder 2006 noch 2007, auch nicht 2008 und nicht 2009.

Vor sieben Jahren erschien das "Spiegel"-Buch "Schläge im Namen des Herrn: Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik Deuschland". Peter Wensierski erinnerte auch an den Kampf von Ulrike Meinhof gegen Missstände in Kinderheimen, die seinerzeit zu 80 Prozent unter kirchlicher Leitung standen. 1971 kam "Bambule - Fürsorge. Sorge für wen?" auf den Buchmarkt. Der Film dazu war 24 Jahre lang verboten. Die Tatsache, dass Ulrike Meinhof in die Terrorszene abgedriftet war, dürfte nicht der einzige Grund für dieses Verbot gewesen sein.

Zwei Jahre nach dem "Spiegel"-Buch von Peter Wensierski erschien bei www.lulu.com meine Broschüre "Papa, böse Kinder kommen in böse Kliniken". Danach meldeten sich viele ehemalige Heimkinder bei mir. Ein Jahr später erzählte ich in "Zwei Fälle für Kommissar Internet - Holzen und Dalheim" die Geschichte von zwei Kinderheimen. Zu den Lesern gehörte auch ein Polizeibeamter aus Holzminden, der wegen eines angeblichen Mordes in Holzen ermittelt hatte: "Sie haben das fantastisch beschrieben."

Die katholische Kirche jedoch blieb unbeeindruckt? Bis sie 2010 den Skandal nicht mehr verheimlichen konnte, weil andere ihn öffentlich gemacht hatten? Da das wohl so ist, muss man sich nicht darüber wundern, dass Christian Pfeiffer und sein Kriminologisches Institut Niedersachsen den Forschungsauftrag wieder verloren haben. Sonst hätte die katholische Kirche irgendwann ein weiteres Mal die Kontrolle über das verloren, was die Öffentlichkeit erfahren soll und was nicht...


Montag, 7. Januar 2013

Die Schweizer - oder:

Wer hat die vorzeitige Fertigstellung von Großprojekten erfunden?

Zwei Jahre Verspätung bei der Fertigstellung eines Großprojektes in Deutschland sind seit Freitag ein McAllister. Der niedersächsische Ministerpräsident sagte nämlich am 4. Januar 2013 in Wilhelmshaven, dass er stolz sei, weil der JadeWeserPort, "pünktlich fertig wurde". Der Containerhafen ist zwar immer noch nicht ganz fertig, aber auf solche Nebensächlichkeiten legen deutsche Politikerinnen und Politiker schon lange keinen McAllister mehr. Die peilen lieber über den Daumen. Verpeilt hat sich auch Berlin - und zwar beim Willy-Brandt-Flughafen. Der kommt bei der Verspätung wahrscheinlich auf zwei McAllister. Wie viele McAllisters es bei Stuttgart 21 werden, weiß noch nicht einmal der Bahn-Chef.

Darüber machen sich jetzt sogar die Schweizer lustig. Das will schon etwas heißen. Denn bis die Eidgenossinnen und Eidgenossen merken, dass es jenseits der Alpen überhaupt noch etwas anderes gibt, vergeht gewöhnlicherweise so manches Jahr. Deswegen sagen die Zeugen Jehovas aus der Schweiz Weltuntergänge bislang auch nur für Zürich voraus. Doch nun kommt der "Blick" - und nennt uns "liebe Deutsche". Da ist Vorsicht geboten, denn die meisten Schweizerinnen und Schweizer lieben die Deutschen in etwa so wie Steuer-CD-Käufer aus Nordrhein-Westfalen. Also kaum.

Kaum hat sich auch bis Zürich, Basel, Bern und Genf herumgesprochen, dass Klaus Wowereit eher die Fliege macht als einen Flug vom Willy-Brandt-Flughafen, schon geben sie an. "Grossbaustellen?" fragt der "Blick" und antwortet sich selbst: "In der Schweiz kein Problem." Was mit einem Schmunzeln quittiert werden soll, denn so groß können in der Schweiz Großprojekte nicht sein. Weil: So groß ist die Schweiz gar nicht.

Dennoch bauen sie dort eigenen Angaben zufolge "den längsten Tunnel der Welt", der ein Jahr früher fertig wird als geplant, im Zeitplan gebuddelt werde auch in Zürich und Flughäfen werden laut "Blick" ebenfalls "ohne Probleme" aus dem Boden gezaubert. Gäbe es doch welche (nicht Flughäfen, sondern Probleme), dann seien die wirtschaftlicher Natur. Wie bei Klothen ZH: "Die Einweihung erfolgte verspätet. Nicht im Oktober 2002, sondern am 1. September 2003. Aber nicht, weil es beim Bau irgendwelche gravierenden Probleme gegeben hatte, sondern weil nach dem 11. September der Flugverkehr so zurückgegangen war, dass eine verzögerte Inbetriebnahme aus wirtschaftlichen Gründen Sinn machte." Langsam können die Schweizer eben auch. Aber nur, wenn es sein muss. Wie vor geraumer Zeit beim Wahlrecht für Frauen.

Schnelligkeit als Schweizer Tugend ist mir nicht ganz unbekannt. In jungen Jahren hatte ich eine Freundin in Luzern. Die war beim Sex auch immer schneller fertig als ich...





Samstag, 5. Januar 2013

Sah die FDP...

...einen Rösler flehn

Die FDP bereitet sich schon einmal auf die Wahlniederlage am 20. Januar 2013 in Niedersachsen vor. Genscher und Lindner lauern auf die erste Hochrechnung und schon heißt es: "Sah die FDP einen Rösler flehn."  Der Verfall des Koalitionspartners ist der CDU Freude und Ansporn, wenn nur die CSU nicht immer wieder auf die Spaßbremse treten würde. Seehofer will die Mautgebühr, weil er ein Alter erreicht hat, in dem man nicht mehr so oft Auto fährt. Derweil ist die Kanzlerin nach Wilhelmshaven gereist. Dort traf sich der CDU-Bundesvorstand im teuersten Hotel der Stadt, die so pleite ist, wie ein Hartz-IV-Empfänger am 15. jeden Monats.

Von dort aus betrachtet sieht es in Deutschland fast überall so rosig aus, dass die CDU-Spitze aus dem Schwärmen nicht mehr heraus kam. Heraus kam dabei die  "Wilhelmshavener Erklärung", in der eigentlich nur noch die Heiligsprechung der Kanzlerin fehlte. Aber so was ist bekanntermaßen Sache des Papstes, der derzeit allerdings große Sorgen hat, weil Touristen in seinem Staat nur noch in bar bezahlen können. Die italienischen Banken vermuten, dass Kartenzahlungen die Geld-Waschmaschinen des Vatikans in Schwung halten würden. Doch der Sekretär des Papstes hat bereits Besserung gelobt. Er muss nur noch die Mafia fragen...

Auch so - also nicht nur von Wilhelmshaven aus - betrachtet, ist in Deutschland doch einiges Gold, was nicht mehr besonders glänzt. Daran sind nach Auffassung des CDU-Bundesvorstandes die SPD und die Grünen schuld, weil die gelegentlich auch regieren (dürfen). Die verwüsten dann ein Land mit derzeit sinkenden Rentenversicherungsbeiträgen und nicht mehr existierender Praxisgebühr. Was Merkel aber wieder repariert hat: "Während zur Zeit von Rot-Grün unser Land das Schlusslicht Europas war, ist Deutschland heute wieder der Wachstumsmotor Europas." Wäre Schröder Kanzler geblieben, hätten die Griechen für uns einen Rettungsschirm aufspannen müssen. Ist er aber nicht, deswegen können die Leute in Deutschland laut "Wilhelmshavener Erklärung" des CDU-Bundesvorstandes demnächst auch "länger, motivierter und gesünder arbeiten". Mit Ausnahme von Philipp Rösler natürlich.

Alles andere ist eher strukturell bedingt. Der Schuldenberg zum Beispiel. Den trägt zwar auch der CDU-Bundesvorstand nicht ab, dafür trägt er aber vor, dass Schulden, die keine Struktur haben, weniger schlimm sind: "Damit schaffen wir für unsere Kinder und Enkel Gestaltungsspielräume, statt ihnen mit Schulden den Weg in eine gute Zukunft zu versperren." Fehlt das Wort "strukturell". Aber nicht in diesem Satz: "Damit wir auch im kommenden Jahrzehnt zu den führenden Volkswirtschaften der Welt gehören, wollen wir Deutschland als Talentschmiede mit Chancen für alle fortentwickeln." Wenn nur das Bildungssystem nicht so mies wäre. Reicht deswegen das Talent nicht für die Schmiede, bleibt das nicht mehr sechs-, sondern zwölfmonatige Kurzarbeitergeld, laut "Wilhelmshavener Erklärung" als "bewährtes Instrument..., um bei einer möglichen Verschlechterung der konjunkturellen Lage schnell reagieren zu können". Falls SPD und Grüne doch die Bundesregierung übernehmen sollten.

Schon wird der CDU-Bundesvorstand ein wenig melancholisch: "Deutschland braucht starke Städte und einen starken ländlichen Raum." Was man nicht mehr hat, kann ja irgendwann einmal wieder werden...

Bündnis 13/Die Kühnen: Umfragen zur Landtagswahl in Niedersachsen