Sonntag, 25. November 2012

Hahnes Gottesstaat

Als Selbstmordattentäter auf Weihnachtsmarkt?

"Hier helfen keine Vorschriften, nur Vorbilder. Der frühere Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe hat recht, wenn er zum Boykott dieser Märkte aufruft. Und die Kirchen sollten sich fragen, wie es dazu kommen kann, dass man in Deutschland immer mehr den Respekt vor dem Glauben verliert; dass es den Menschen egal ist, ob Traditionen und Konventionen vor die Hunde gehen. Da kann man sich an denen ein Beispiel nehmen, die ihr Denken an den Suren des Koran ausrichten und so etwas mit ihren Riten und Regeln nie machen ließen."

Klettert Peter Hahne heute als Kolumnist der "Bild am Sonntag" den Weihnachtsmarkt-Veranstaltern, die den Totensonntag nicht abwarten können, auf den Tannenbaum. Ob er sich inzwischen als Selbstmord-Attentäter auf einem Weihnachtsmarkt in die Luft gesprengt hat, meldeten die Sender noch nicht. Vielleicht will er damit bis nach dem Totensonntag warten.

Mit "vor dem Glauben" meint Peter Hahne den christlichen Glauben, als sei der in der Bundesrepublik Deutschland Staatsreligion und der einzig mögliche. Ist er aber nicht. Manchmal sind wir allerdings dicht dran gewesen. In Bayern zum Beispiel, wenn katholische Geistliche ihren Schäfchen die Warnung mit auf den Weg gegeben haben, dass SPD wählen den direkten Weg in die Hölle bedeuten könnte. Das glauben in diesem Freistaat einige immer noch. Peter Hahne ist in Ostwestfalen geboren. Das ist auch so eine Region, in der nicht alle Hirn abbekommen haben.

Was sich die Kirchen fragen sollten, hat Peter Hahne nicht entschleiert. Welche Traditionen und Konventionen meint er? Hexen verbrennen? Kreuzzüge gegen Andersgläubige führen? Kaiser nach Rom kriechen lassen? Was die Regierung glaubt, haben alle anderen auch zu glauben? Hitler gewähren lassen? Nazis nach Südamerika schleusen? Mafia-Geld waschen? Heimkinder quälen? Kirchliche Angestellte in sozialen Einrichtungen, die zum größten Teil vom Staat finanziert werden, schlecht bezahlen?

Hätte Martin Luther das Geschenke machen nicht von Nikolaus auf Weihnachten verschoben, würden die Märkte Nikolaus-Märkte heißen und noch früher stattfinden. Dann würde sich Peter Hahne noch mehr aufregen? Er kann doch hingehen, wo er hingehen will. Auf einen Weihnachtsmarkt - oder dort hin, wo der Pfeffer wächst...


Sonntag, 18. November 2012

Zeitungssterben

"Frankfurter Rundschau" das erste prominente Opfer?

"Die "FR" droht das erste prominente deutsche Opfer des Strukturwandels in der Medienbranche zu werden. Damit erreicht ein Phänomen die Bundesrepublik, das andere Länder seit Jahren kennen: das Zeitungssterben, drastischstes Symptom der Krise des herkömmlichen Verlagsgeschäfts. Und es ist ein makaberes Symbol, dass die meisten "FR"-Beschäftigten über SPIEGEL ONLINE - also ausgerechnet ein Internetmedium - erfahren mussten, dass ihre Zeitung einen Insolvenzantrag gestellt hat."

Das Blatt habe sich nun einmal gewendet, behauptet "Spiegel online" und schleudert Adjektive ins weltweite Netz: "drastisch", "makaber". Schlimm ist also nicht etwa, dass die meisten Beschäftigten der "Frankfurter Rundschau" (FR) nicht von ihren Arbeitgebern über den Insolvenzantrag informiert worden sind, schlimm ist, dass sie vom "Spiegel" informiert wurden - und dann auch noch im Internet? Soll ich eine solche Betrachtungsweise pervers nennen? Bekäme die FR-Redaktion in den nächsten Wochen freie Hand für Berichte über die Art und Weise, wie Arbeitgeber mit Arbeitnehmern umgehen, könnte dieses Blatt auferstehen wie Phoenix aus der Asche. Wären da nicht die Anzeigenkunden, die diesen Vogel am langen Arm ein zweites Mal verhungern lassen würden.

Die "Frankfurter Rundschau" ist nach dem Zweiten Weltkrieg die erste Zeitung gewesen, die im amerikanischen Sektor eine Lizenz bekam. Damals galten die Verleger, die sich der faschistischen Gleichschaltung nicht widersetzt hatten, als für alle Zeiten verbrannt. Sie wurden "Altverleger" genannt und bekamen Berufsverbot. Dieses Berufsverbot wurde mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland aufgehoben, galt aber in der DDR weiter.

Großes Interesse an Presse- und Meinungsfreiheit bestand hier zu Lande nicht, Konrad Adenauer wollte sogar ein Staatsfernsehen gründen. Gestoppt wurde er 1961 vom Bundesverfassungsgericht. Deswegen sind uns Nachrichten wie diese erspart geblieben: "Der Parteivorsitzende der CDU und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, der ehemalige Oberbürgermeister von Köln und entschiedene Gegner der NSDAP, der aufrechte Christdemokrat, der 1956 die KPD verboten hat und den "Spiegel"-Herausgeber Rudolf  Augstein in den Kerker warf, hat heute sein Amt in die Hände des Vaters des Wirtschaftswunders gelegt. Ludwig Erhard erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass er Adenauer stets als großes Vorbild ehren und im Sinne seines Vorgängers wirken werde, bis der Tod die Bundesrepublik Deutschland und ihn scheide. Schriftstellern, die nicht erkennen könnten, dass nur die CDU eine weise Regierung stellen könne, bezeichnete er als Pinscher, die ihm aber nicht ans Bein pinkeln könnten, weil das deutsche Volk erkenne, wer es gut mit ihm meine und wer nicht."

Die Alt-Verleger waren also 1949 zurückgekehrt. Die Titel, die sie herausgaben, kannten die Leute - und da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, wurden sie auch wieder gekauft. Dennoch gab es lange Zeit in allen großen Städten mehrere Lokalzeitungen. In Wilhelmshaven waren es während meiner Schülerzeit drei: die "Wilhelmshavener Zeitung" (Alt-Verleger), die "Wilhelmshavener Nachrichten" und die "Wilhelmshavener Rundschau". Die "Wilhelmshavener Nachrichten" wurden geschluckt, die "Wilhelmshavener Rundschau" nach einem Intermezzo als "Wilhelmshavener Presse" eingestellt. Die Alt-Verleger gewannen den Verdrängungswettbewerb, denn um Vielfalt ist es nie gegangen, sondern um das Geschäft mit der Meinung, die sich in bare Münze verwandelt.

Zeitungssterben ist keinesfalls ein Phänomen, das nur in anderen Ländern seit Jahren bekannt ist. Die Zahl der Zeitungen mit einer Vollredaktion sank in der Bundesrepublik Deutschland unaufhörlich, die Deutsche Presseagentur (dpa) lieferte das Überregionale und versah diese Nachrichten auch noch mit Hinweisen, was als besonders wichtig und was als eher unwichtig zu gelten hatte. Redakteure folgten diesen Hinweisen blind.

Dabei ist die Deutsche Presseagentur nur selten eine verlässliche Informationsquelle gewesen. Das stellte ich als Redakteur einer Tageszeitung 1984 und 1985 schnell fest. Bei fast jeder Recherche, ob denn auch stimmte, was diese Agentur zitiert hatte, musste ich erkennen: Fast alles wurde munter aus dem Zusammenhang gerissen. Politikerinnen und Politiker fielen aus allen Wolken, wenn ich ihnen vorlas, was die Deutsche Presseagentur gemeldet hatte. Sie schickten mir ihre Reden - dann fiel auch ich aus allen Wolken. Meine Kolleginnen und Kollegen nannten mich "dpa-Kontrolleur".

Vor vier Jahren habe ich Väter bei einer Demonstration begleitet, die vor dem Elternhaus der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in Burgdorf endete. Die Ministerin war nicht da, weil  sie gerade auf dem Opernplatz von Hannover für einen guten Zweck Kekse verkaufte. Dennoch meldete dpa: "Väter haben heute in Burgdorf  der Bundesfamilienministerin ihre Forderungen überreicht."

"Eine Zensur findet nicht statt", heißt es im Grundgesetz. Warum auch sollte jemand etwas von außen erledigen, wenn etwas von innen viel besser klappt? So dumm wie die CSU ist doch nicht jeder. Das Zweite Deutsche Fernsehen muss doch gar nicht "auf den rechten Weg" gezwungen werden. Wer vor dem "heute"-Journal ein Laufband einblendet, auf dem die Wörter "Asylanten" und "Problem" miteinander verknüpft werden, weiß doch, wie man Menschen diffamiert - und schlampig mit Begriffen umgeht.

Geschlampt wird auch mit wichtigen gesellschaftlichen Themen. Was keine Auflage zu bringen scheint, kommt kaum vor. So hat mir der "stern" vor vier Jahren geschrieben, dass die Redaktion, die sich um gesellschaftliche Probleme kümmere, so dünn besetzt sei, dass sie fast jedes Thema vernachlässigen müsse. Wer aber am Alltag der Menschen vorbei schreibt, der wird mit Zeitungssterben bestraft - und auf dem Fuße folgt das Internet...

Rettungsversuch: FR für drei Monate abonnieren

Donnerstag, 15. November 2012

Peeristian

Macht Peer Steinbrück jetzt den Christian Wulff?

Noch nie ist ein SPD-Kanzlerkandidat so transparent gewesen wie Peer Steinbrück. Erst hat er alle Honorare für alle Vorträge offen gelegt - hat aber leider ein paar vergessen, jetzt ist er dabei ertappt worden, dass er für seine Vortragsreisen die kostenlose Netzkarte der Deutschen Bundesbahn genutzt hat, weil er sonst nicht alle Vortragstermine geschafft hätte. Ein Schnorrer ist der Peer aber nicht. Der Steuerzahler leidet schließlich nicht darunter, wenn jemand als Schwarzfahrer unterwegs ist.

Eines sollte der SPD-Kanzlerkandidat aber keinesfalls tun: "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann den Anrufbeantworter vollquatschen. So was landet schnell bei der "Süddeutschen Zeitung" - und schon wäre der Peer ein Peeristian. Deswegen sollte der SPD-Kanzlerkandidat besser darauf hoffen, dass diese Boulevardzeitung, die offensichtlich Spaß daran bekommen hat, transparente Politiker auch noch zu enthüllen, irgendwann mit der Enttarnung aufhört.

Dafür ist nur etwas Geduld vonnöten. Denn SPD-Kanzlerkandidat ist Peer Steinbrück nur vorübergehend - dann wird aus ihm wieder ein gut bezahlter Vortragsreisender, der auch seine Honorare nicht mehr offen legen muss. Das ist die Sache doch wohl wert.


Mittwoch, 14. November 2012

Geduldiges Internet


Der Vorhang zu - und alle Fragen offen

"Unsere Leistungen wollen wir ständig verbessern. Ihre Anregungen nehmen wir deshalb jederzeit gerne entgegen und werden sie - soweit es uns möglich ist - aufgreifen.

Ihr
Manfred Wendt"

"Die Therapiekette Niedersachen (TKN) ist eine Arbeitsgemeinschaft niedersächsischer Drogenhilfeeinrichtungen (allesamt Mitglieder im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband). Ihr Ziel ist die Vermittlung und Behandlung von Drogenabhängigen in qualifizierten Hilfsangeboten durch eine Verbesserung der Zusammenarbeit und Koordination von ambulanten und stationären Einrichtungen. 1981 wurde das Konzept der Therapiekette von der niedersächsischen Landesregierung als bundesweit modellhaft anerkannt."

Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg

"Sucht ist ein Thema in unserer Gesellschaft.
Wir alle können vorbeugen, mehr wissen, beistehen oder betroffen sein.

Die STEP hilft, neue Wege zu gehen."

Step gGmbH Hannover

Das Netz ist geduldig. Deshalb kann der Chef der hannoverschen Staatsanwaltschaft auch ungestraft behaupten, dass er Anregungen gern entgegen nehme. Manfred Wendt hat auch schon an der Spitze dieser Behörde gestanden, als die Staatsanwaltschaft von Hannover ein Ermittlungsverfahren gegen mich erst verschleppte und dann völlig vergaß. Als der Spuk zu Ende war, meldete sich bei mir ein angeblicher Rechtspfleger, der angeblich Wendt hieß. Er versprach mir eine Entschädigung. Mein Verdacht, dass es sich bei dem Anrufer gar nicht um einen Rechtspfleger, sondern um den Chef persönlich gehandelt hat, ist bis heute nicht ausgeräumt. Ob ich richtig liege, wird mir allerdings bislang nicht verraten. Eine entsprechende Anfrage bei der Pressestelle der Staatsanwaltschaft Hannover schmort unbeantwortet vor sich hin.

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Das Netz ist geduldig. Die Behauptung der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg, sie gehöre einem 1981 von der niedersächsischen Landesregierung anerkannten Netzwerk an, mag zwar zutreffend sein, dass die Therapiekette jedoch auch heute noch solch eine Auszeichnung bekäme, ist fraglich. Die Liste der angeschlossenen Einrichtungen ist fehlerhaft, die Anlaufstelle in Hannover schon lange geschlossen, der Ansprechpartner für Ratsuchende ließ kürzlich seine mail-Adresse löschen, weil er schon lange nicht mehr für diese Therapiekette arbeitet.

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Das Netz ist geduldig, die Behauptung der Step gGmbH Hannover zutreffend. Die geht wirklich völlig neue Wege. Der Geschäftsführer Serdar Saris wirft gerade entwickelte Konzepte wieder über den Haufen und versucht sich offenbar vergeblich an einer neuen Ausrichtung. Bei der Kommunikation werden geradezu revolutionäre Neuheiten eingeführt.

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Spieleportal als Kooperationspartner?

14. November 2012. Schon fiel mein Blick auf die Internet-Seiten der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg, auf denen die Kooperationspartner aufgezählt werden. Einen dieser Texte habe ich in kursiver Schrift diesem Beitrag vorangestellt. Eltern, deren Kinder nicht in der Schule sind oder im Kindergarten, sollten erst einmal die Kleinen vom Computer fernhalten, bis sie den Link anklicken, der zu den Zeilen über den Fachverband Drogen und Rauschmittel gehört.

Schon bedecket Finsternis die Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg, denn: Dieser Link führt auch zu gewaltverherrlichenden Spielen! Die Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg verlinkt beispielsweise ein Spiel, bei dem man zum Töten aufgefordert wird.

Spieleportal als Kooperationspartner?




Sonntag, 11. November 2012

Die Narren sind los

Nun beginnt wieder die närrische Zeit, die dauert für Karnevalisten bis Aschermittwoch, für Politiker 365 (in Schaltjahren 366) Tage im Jahr. Da kommt das neue Spitzenduo der Grünen gerade rechtzeitig. Die so genannte Basis hat sich für Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt entschieden. Sofort eilten die beiden zur "Bild am Sonntag" und arbeiteten fein säuberlich die Unterschiede zur CDU heraus. Göring-Eckardt: "Frau Merkel hat gerade das Betreuungsgeld durchgesetzt, statt für genügend Kita-Plätze zu sorgen."

Laut "Bild am Sonntag" ist die 46-Jährige eine "bürgerliche Kirchenfrau" aus Erfurt - und wohl erst seit wenigen Stunden Mitglied der Grünen, die zudem noch nie irgendwo mitregiert haben - weder im Bund noch in den Ländern, auch in keiner Kommune. In Nordrhein-Westfalen ist diese Partei wahrscheinlich gänzlich unbekannt, denn dort gibt es Kindertagesstätten, in denen sich sechs Erzieherinnen um 95 Kinder kümmern müssen, für die schon bei Sponsoren gebettelt werden muss, damit die Kleinen ihre Malstifte nicht von zu Hause mitbringen müssen. Als Erzieherinnen in Düsseldorf auf die Straße gingen, weil sie sich außerstande sahen, Kinder auch noch zu fördern, da es ihnen manchmal nicht einmal gelingt, die Kleinen in Schach zu halten, war Katrin Göring-Eckardt wohl gerade in der Kirche und interpretierte dort den Satz von Jesus: "Lasset die Kindlein zu mir kommen."

Alle haben sie diese Woche einen Schrecken bekommen. In Deutschland fehlen wesentlich mehr Kindergartenplätze als gedacht. Dass viele von den vorhandenen schlecht ausgestattet sind, weiß eigentlich jeder. Nun sollen es noch mehr noch schlechter ausgestattete Kindergartenplätze werden?  Wenn da Eltern sagen, wir kümmern uns lieber selbst um unsere Kinder, dann sind die auf dem Holzweg, während der Weg der Grünen gepflastert ist mit Segnungen für die Kleinen?

Genauso schlimm ist die FDP. In Niedersachsen marschieren die Liberalen nun los und behaupten, dass die Bildungsausgaben von Jahr zu Jahr steigen. Zögen die von der Ausgabensumme das ab, was von der Inflation aufgefressen wird, müsste die FDP diese Behauptung sofort wieder zurückziehen. Aber Leute für dumm verkaufen, ist schon immer preiswerter gewesen. Falls die alle einen Kindergarten besucht haben sollten, wäre das ein weiteres Armutszeugnis für das deutsche Bildungssystem.

Dass Angela Merkel daran etwas ändert, wenn sie nun Schrottpanzer an Indonesien verkauft, damit Geld in die Kasse kommt, kann man nur bejahen, wenn man Bürgerkrieg in anderen Ländern für der Weisheit letzten Schluss hält...In den USA stolpert derweil ein General nicht über Völkermord, sondern über eine Geliebte. Helau!

Donnerstag, 8. November 2012

Fiktives Interview


Mit einer Sozialmanagerin

Tjaden stoppen: Das finde ich sehr clever von Ihnen. Haben Sie eigentlich auch einmal in einer Einrichtung gearbeitet, in der Sie Briefe mit Absenderangabe bekommen haben?
Gisela van der Heijden: Das Glück hatte ich noch nicht. Kaum war in der Finneck-Stiftung ein Behinderter fast in der Badewanne ertrunken, ging es los. Dass die anonymen Briefe von dem Behinderten kamen, konnte ich ausschließen. Der lag im Koma.

Irrsinn mit Methode

Sonntag, 4. November 2012

Panzer auf Golanhöhen

Erinnerungen an einen Israel-Besuch

"Drei syrische Panzer sind in die demilitarisierte Zone auf den Golanhöhen eingedrungen. Israel hat daraufhin bei der UN-Friedenstruppe in der Pufferzone Beschwerde eingelegt."

Ist auch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nur eine Kurzmeldung, die ich schon gestern auf einer Videotext-Tafel eines Fernsehsenders gelesen habe. Plötzlich saß ich wieder mit einer Reisegruppe aus dem damaligen Landkreis Hannover in einem Bus, der an den Golan-Höhen vorbeifuhr. Wir schrieben den 18. Oktober 1985, hatten täglich ein volles Besuchsprogramm, kamen aus Tiberias am See Genezareth. Unser Reiseleiter erzählte uns von heimtückischen Angriffen der Syrer, die auf den Golan-Höhen Stellung bezogen hatten und Zivilisten unter Beschuss nahmen. Panzer, die von Israel im Yom-Kippur-Krieg erobert worden waren, sollten wir gut eine Woche später besichtigen. Ein rot angemalter Panzer stand auf dem Weg zur Gedenkstätte für die Golani-Brigade am Straßenrand, unser Reiseleiter sagte: "So wollen wir den Kindern die Angst vor Waffen nehmen."

Dieser Satz führte zu erregten Diskussionen, wir konnten nicht begreifen, warum ein Staat Kinder an Krieg gewöhnen will und verweigerten einen Besuch der Gedenkstätte. "Wir schauen uns keine Panzer an", machte die Mehrheit unserer Reisegruppe Rast in einem Waldstück, während unser Reiseleiter mit dem Rest die Gedenkstätte besuchte. Anschließend fuhren wir mit dem Bus zu den Golan-Höhen. Wieder sorgte unser Reiseführer für Diskussionsstoff. Kamen wir an fruchtbarem Boden vorbei, sagte er: "Das behalten wir." War der Boden nicht fruchtbar, sagte er: "Das können die Syrer wiederbekommen." So, antworteten wir, wird das nichts.

Die 14 Tage, die wir in Israel verbrachten, glichen einem Wechselbad der Gefühle. Wir begegneten streng religiösen Juden und wenige Stunden später religiösem Kommerz am Jordan, wo sich Pilger taufen ließen. Leere Kunststoffflaschen für Wasser aus dem Jordan kosteten umgerechnet eine Mark. Auf dem Weg nach Haifa kamen wir an dem Gefängnis vorbei, in dem Adolf Eichmann gesessen hatte und wurden von der eigenen  Geschichte eingeholt. Wir standen unter Olivenbäumen, unter denen wahrscheinlich auch Jesus gestanden hat, und an der Klagemauer.

Mit meinen Gasteltern machte ich am Wochenende Ausflüge, er kam aus dem Iran, sie aus Australien, die Mädchen waren 14 und 12 Jahre alt, der Vater arbeitete als Biologielehrer, die Mutter als Krankenschwester. "Wir müssen beide arbeiten", sagten sie, "sonst kommen wir nicht über die Runden." Wir besuchten Familien, bei denen wohl Tag und Nacht der Fernseher lief. Catchen im Schlamm schien so eine Art Quoten-Bringer zu sein.

Ein so kleines Land mit derart vielen Gegensätzen war nicht nur spannend, sondern auch anstrengend. Flog irgendwo etwas in die Luft, reagierten unsere Gastgeber scheinbar gelassen. Wir saßen in einem Restaurant beim Essen, als wenige Meter entfernt eine Bombe explodierte. Darum sollten wir uns nicht kümmern. Wir sollten es uns schmecken lassen.

Wie jede offizielle Reisegruppe besuchten wir die Holocaust-Gedenkstätte und legten einen Kranz nieder. Auf der Allee der Gerechten stand eine Skulptur, die eine Mutter darstellte, ihr Mund war ihr Gesicht. Unser Reiseleiter nahm mich wieder einmal beiseite: "Es ist schön, dass wir nun Freunde sind. Wir verstehen uns zwar nicht immer, aber davon sollten wir uns nicht beirren lassen." Recht hatte er. Vielleicht auch deshalb stören mich syrische Panzer auf den Golan-Höhen.

Die beiden Mädchen von damals sind nun 39 und 41 Jahre alt. Ihnen schicke ich ein






Donnerstag, 1. November 2012

Kein Hoch

Auf Kachelmann

Heute hat Jörg Kachelmann in der "Bild"-Zeitung Post von Wagner bekommen. Der schrieb dem ehemaligen TV-Wetterfrosch auf Seite 2: "Deshalb sage ich Ihnen jetzt wirklich ins Gesicht: Sie sind ein miserabler Mann." Schlagzeilen machte Kachelmann in der gleichen Ausgabe auf Seite 1 "Er will 13 352,69 Euro von ihr - Kachelmann und Ex-Geliebte wieder vor Gericht" und auf Seite 8 "Kachelmann und seine Ex-Geliebte - Vor Gericht würdigten sie sich keines Blickes". Abgelichtet wurde der Kläger mit seinem Anwalt Johann Schwenn, der laut Internet-Auftritt nicht nur rechtschaffen ist, sondern auch Recht schaffen will. Deshalb vertritt seine Kanzlei auch jeden Scharlatan - und jetzt eben einen andersartig Durchgeknallten, dem auch mit Actimel nicht mehr zu helfen ist.

Derzeit tingelt Kachelmann mit seiner Frau und einem Buch durch die Lande. So will er Prozessgeschichte machen. Auch auf seiner Ex-Geliebten hackt er weiter herum. Von der verlangt er nun das Geld, das er für Gutachten ausgegeben hat, um zu beweisen, dass er Dagmar D. nicht vergewaltigt hat, statt die 39-Jährige, die genug Probleme haben dürfte, endlich in Ruhe zu lassen. Mit Johann Schwenn fand Kachelmann den richtigen Anwalt für das Waschen dieser Schmutzwäsche. Doch sauber wird nichts mehr.

Auch vor dem Frankfurter Landgericht wird Kachelmann seine Unschuld nicht beweisen können. Bei einer erfundenen oder tatsächlichen Vergewaltigung gibt es meistens nur zwei Zeugen. Kachelmann ist freigesprochen worden. Das müsste ihm eigentlich genügen. Aber offenbar will er Dagmar D. so fertig machen, dass sie auf keine "Bild"-Seite mehr passt. Fertig macht sich Kachelmann aber auch selbst. Warum nur wirft er sich der "Bild"-Zeitung immer wieder zum Fraß vor?

Ebenfalls zum Weinen: Little girl cries (wegen Wahlkampf in den USA)