Sonntag, 28. Oktober 2012

Ruhrpott-Deutsch

Wenn ein Feuerwehrmann ein Exempel stationiert

"Ich werde nun ein Exempel stationieren. Wenn das nichts hilft, wird das Haus ejakuliert."

Diese Probleme mit Fremdwörtern haben laut Dr. Stratmann nicht nur Feuerwehrmänner, sondern alle, die im Ruhrpott leben. Wenn dieser Komiker auf der Bühne steht, bleibt kein Auge trocken. Mit Fremdwörtern hat der es ebenso wenig, wie mit Theaterbesuchern, die ihm mit EN auf dem Nummernschild die Einfahrt zum Bühneneingang zuparken, oder mit Ostwestfalen. Die sollten nach seiner Auffassung nicht Medizin, sondern Geschichte auf Lehramt studieren...

Was aber eigentlich ist dran an den Ostwestfalen, dass sich so viele über sie lustig machen? Eigentlich nichts. Bei meinem ersten Besuch in Münster habe ich auf einem Platz in der Altstadt meine Freundin geküsst. Sofort wurde uns mit der Polizei gedroht. Wir knutschten weiter in Düsseldorf. Seither habe ich keinerlei Zweifel an der Behauptung von Dr. Stratmann, es sei noch gar nicht so lange her, dass man in Ostwestfalen nicht gewusst habe, was Sex ist.

Aus Münster kommen nun auch die ersten Durchhalteparolen für die Piraten-Partei, die sich derzeit in Niedersachsen auf eine Wahlniederlage vorbereitet. Kaum ist jemand Kandidat, steht er im Shitstorm. Offenbar handelt es sich bei vielen Piraten um eine Spezies, der nicht einmal mehr ein Nervenarzt helfen kann. Ob Piraten ejakulieren nützlich wäre, darf ebenfalls bezweifelt werden.

Ebenfalls nicht hilfreich ist der Hinweis, die Piraten-Partei sei noch nicht korrumpiert. Wer besticht schon jemanden, der einen Stich hat? Dazu müsste er schon Pressesprecher der CSU werden. Der kann anschließend zur Beichte gehen und 10 Ave-Horst aufsagen, damit aus dem Lerchenberg kein Golgatha wird.



Mittwoch, 24. Oktober 2012

Kasten Bier statt Farbe

Bleibt nur ein Job im Jugendamt oder als Gutachter

Würde ein Maler immer wieder den Kasten mit Bier mit dem Farbeimer verwechseln, würde er nie fertig werden. Bekäme er wegen Trunkenheit am Pinsel die Kündigung, könnte er immer noch in vielen Jugendämtern, als Familienrichter oder Gutachter einen Job finden. Dann müsste er nicht einmal mehr wissen, wie sich ein Kasten mit Bier von einem Farbeimer unterscheidet. Was er täte, wäre Anwendung einer Erfahrungswissenschaft - und wer wollte es einem Maler verdenken, dass ihm die nötige Erfahrung fehlt?

Das Jugendamt von Eutin beispielsweise darf man nicht darauf hinweisen, dass man irrtümlicherweise zwei Gesprächstermine bekommen hat. Weist man dann auch noch darauf hin, dass einem der erste Termin nicht in den Berufsalltag passt, werden beide Termine wieder gestrichen. Man bekommt nie wieder einen.

Etwas weiter südlich praktiziert ein Gerichtsmediziner, der bei der Untersuchung von drei Kindern feststellt, dass keins der Kinder sexuell missbraucht worden ist. Was aber nicht bedeute, dass ein sexueller Missbrauch ausgeschlossen sei. Als Gerichtsmediziner weiß man eben nie...

Begibt man sich anschließend nach Nordrhein-Westfalen, dann ist dort wohl immer Karneval. Ein fast 80-Jähriger hat als Gutachter etwas gegen Mütter mit einem Tatoo, eine Familienrichterin mag Großeltern nicht - und wenn eine Frau in ein Jugendamt ruft, ob eine der Mitarbeiterinnen oder einer der Mitarbeiter Kinder hat, lautet die Antwort: "Die gibt´s hier nicht." Für Kinder sind die auch nicht zuständig - die sind auf Kindesentzug spezialisiert.

Es könnte so einfach sein - ist es auch. Bekommt man keinen neuen Job als betrunkener Maler, sollte man Dr. phil. werden. Die geben sich überall ein Stelldichein - und zwar sogar dann noch, wenn sie Kant für einen deutschen Nationalspieler halten. Dass es einmal einen gegeben hat, der Kahn hieß, ist denen kaum vermittelbar, deswegen sind die auch so leicht an Familiengerichte und Jugendämter zu vermitteln...Sind manchmal auch Postboten darunter, die anschließend ein Buch darüber schreiben, wie irre man sein darf, wenn man sich nur richtig bewirbt.

Wer klar denkt, kann sich auch klar und kurz ausdrücken, hat mir einmal ein Schriftsteller gesagt. Genau deswegen kommt kaum ein Gutachter mit weniger als 100 Seiten aus, verfassen Familienrichter Beschlüsse, in denen sie erst einmal auf mehreren Seiten frühere Beschlüsse falsch wiedergeben, damit der neue Beschluss auch nicht richtig sein muss, behauptet so manches Jugendamt, es habe einer Mutter bereits geholfen, als sie im Alter von sieben Jahren schwanger geworden sei. Man hat ja nicht immer einen Taschenrechner auf dem Schreibtisch...

Dann heißt es oft: "Ab ins Heim!" Leider für die Kinder, leider nicht für diese Jugendamtsmitarbeiter, Gutachter und Familienrichter. Dann doch lieber ein Maler mit Trunkenheit am Pinsel.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Ich hätte da...

...gern einmal eine Frage

Vor Wahlen werfen nicht nur Parteien, Fernseh- und Rundfunksender, sondern auch Magazine wie der "stern", der schon immer einmal die deutsche Geschichte umschreiben wollte (und sei es mit gefälschten Hitler-Tagebüchern), Geld für Umfragen aus dem Fenster. Dieses Mal für eine über die Arbeit des niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister.

Morgens um 10 Uhr in Alzey. Das Telefon klingelt bei der Weinbäuerin Emilie Kröhl.

Der Anrufer: "Haben Sie eine Minute Zeit für mich?"
Emilie Kröhl: "Wenn´s nicht länger dauert..."

Der Anrufer: "Wir machen eine Umfrage im Auftrag des ´stern´."
Emilie Kröhl: "Kenn ich. Das ist ein Lokal in Worms."

Der Anrufer: "Nein, ich meine das Magazin aus Hamburg."
Emilie Kröhl: "Hamburg? Da war ich noch nie. Längere Reisen ins Ausland kann ich mir nicht leisten."

Der Anrufer: "Hamburg liegt nicht im Ausland, sondern an der Elbe."
Emilie Kröhl: "Die Minute ist um. Auf Wiederhören."

Nach 49 Telefongesprächen solcher Art notiert der im Auftrag des "stern" Anrufende: "Niemand kennt David McAllister."

Drei Tage später, morgens um 10 Uhr in Flensburg. Das Telefon klingelt bei dem wegen des Schengener-Abkommens pensionierten Grenzbeamten Jan Wilken.

Der Anrufer: "Haben Sie eine Minute Zeit für mich?"
Jan Wilken: "Schießen Sie los, junger Mann."

Der Anrufer: "Wir machen eine Umfrage im Auftrag des ´stern´."
Jan Wilken: "Nördlicher oder südlicher Sternenhimmel?"

Der Anrufer: "Nein, ich meine das Magazin aus Hamburg."
Jan Wilken: "Hamburg? Fein! Da wohnt meine Tante Ilse. In Eimsbüttel."

Der Anrufer: "Es geht nicht um Ihre Tante. Es geht um David McAllister."
Jan Wilken: "Wenn der meiner Tante was getan hat, dann..."

Der Anrufer: "Nein. Hat er nicht."
Jan Wilken: "Dann ist ja gut. Auf Wiederhören."

Nach 36 Telefonanrufen solcher Art notiert der im Auftrag des "stern" Anrufende: "36 Bundesbürger bewerten die Arbeit von David McAllister positiv."

Zwei Tage später um 16 Uhr. Das Telefon klingelt beim Matrosen Hinnerk Schulz in Emden.

Der Anrufer: "Haben Sie eine Minute Zeit für mich?"
Hinnerk Schulz: "Ich war eine Woche mit unserem Frachter auf See. Was gibt es?"

Der Anrufer: "Wir machen eine Umfrage im Auftrag des ´stern´."
Hinnerk Schulz: "Fiete? Unser Smutje gibt Umfragen in Auftrag? Der kann doch nicht mal kochen."

Nach 15 Telefongesprächen solcher Art notiert der im Auftrag des "stern" Anrufende: "15 Prozent der Bundesbürger halten nichts von David McAllister."




Samstag, 13. Oktober 2012

Peace? No!

Mein erster Tag als Friedensnobelpreisträger in Carolinensiel

Als Vorschuss auf das Preisgeld, das ich im November in Oslo bekomme, habe ich heute in Jever mein Auto vollgetankt und bin nach Carolinensiel gefahren. Dort standen Windmühlen aus Holz vor einem Souvenirladen. Eine Mühle schnappte ich mir, ging damit in das Geschäft und erklärte in einer kurzen Ansprache, dass ich mit diesem Geschenk meine freundschaftlichen Beziehungen zu den Niederlanden festigen wolle. Bezahlen werde ich in vier Wochen, beendete ich meine Rede, wenn die knappe Mille auf meinem Konto sei.

In ihrem Geschäft, entgegnete die Verkäuferin, müsse alles bar bezahlt werden. Nicht einmal Bezahlung mit Karte werde akzeptiert. Die ich ihr wohl auch von einer Südseeinsel schicken würde, wenn ich als Friedensnobelpreisträger die knappe Mille abgestaubt hätte. Die Mühle solle ich wieder dort hinstellen, wo ich sie weggestellt hätte.

Wie konnte sich nur jemand so anstellen, fragte ich mich, als ich mich wieder nach draußen begab, wo zwei Kinder an einer Hundeleine zerrten. Als noch etwas ungeübter Friedensnobelpreisträger hatte ich den Streit nach zehn Minuten geschlichtet. Der Junge zog mit dem Hund vondannen, das Mädchen weinte, was die Eltern auf den Kriegsplan rief. Das sei der Hund ihrer Tochter, keiften sie, den mit meiner Hilfe soeben ein diebischer Knabe gestohlen hätte. Sie riefen die Polizei, die den Jungen am Hafen stellte, wo er gerade einem älteren Ehepaar den Hund verkaufen wollte. Nun weinte auch der Junge.

Ruhe erhoffte ich mir im Sielhafenmuseum. Dort ließ ich mir an der Kasse den Besitzer kommen, dem ich eine Beteiligung anbot, sobald ich aus Oslo zurück sei. Dieses Angebot lehnte er ab und gab mir zu verstehen, dass ich von diesem Museum nur etwas hätte, wenn ich Eintritt zahlte wie alle anderen Friedensnobelpreisträger.



Donnerstag, 11. Oktober 2012

Irres aus Münster

Jugendamtsmitarbeiter macht sich über Oberbürgermeister lustig

Andere Städte – andere Sitten? Wenn ich in Wilhelmshaven Ärger mit einer Behörde hätte, mich deswegen an Oberbürgermeister Andreas Wagner wenden würde, bekäme ich dann von dieser Behörde die Antwort: “Glauben Sie, dass der Oberbürgermeister sich darum kümmert? Wo sind wir denn?” In Münster…

Geschehen in Münster-Kinderhaus

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Hoff hofft

"journalist"-Autor will endlich recherchieren

"Wer recherchiert noch wirklich? Wer hat je recherchiert? Natürlich wird der Mythos Recherche hochgehalten, aber mal ganz im Ernst: Früher bedeutete Recherche oft auch nur, einen Anruf ins Archiv zu tätigen und sich alles, was bereits erschienen war, auf den Schreibtisch legen zu lassen. Heute heißt das Archiv Google."

Macht sich "journalist"-Autor Hans Hoff  Sorgen um seinen Berufsstand. Denn Zeitungen und Zeitschriften leiden unter Auflagenschwund, verlieren an Glaubwürdigkeit und bekommen immer mehr internette Konkurrenz von pfiffigen bloggern, die Redakteuren täglich den Rang ablaufen. Schlage ich morgens die Lokalzeitung auf, frage ich mich, warum mir die Redaktion abgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Berichterstattung verkaufen will. Bin ich bei einem Ereignis selbst dabei gewesen, erkenne ich das Geschehene nicht wieder. Habe ich mich mit einem Thema näher befasst, frage ich mich, woher ein Autor seine Weisheit bezieht. Wenn mich jemand pfiffig und fundiert informiert, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Gastautor, dem etwas Zeit gelassen worden ist. Zu pfiffig darf der aber auch nicht sein. Die Regel, dass ein großer Anzeigenkunde wichtiger ist als jede Leserin und jeder Leser, gilt auch für ihn. An Tabus darf auch er nicht rühren. Deshalb erfahre ich von Managementfehlern auch meistens erst, wenn ein Unternehmen kaum noch oder gar nicht mehr zu retten ist.

Journalisten jagen eine Sau durch das Dorf, bis das arme Tier zusammenbricht und das nächste auftaucht. Probleme entstehen scheinbar wie aus dem Nichts und verschwinden dort auch wieder. Verunglückt ein Schulbus, verunglücken tagelang überall Schulbusse, bis alle Kinder wohl wieder sicher zum Unterricht kommen. Hat ein Prominenter die Krankheit XY, geht angeblich die halbe Nation zum Arzt. Nimmt sich jedoch ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan das Leben, bleibt der Krieg gerecht, bis nicht einmal mehr der Verteidigungsminister erklären kann, was man dort eigentlich gewollt hat. Wenn der bei dieser Gelegenheit sagt, dass die Wehrpflicht auf Eis gelegt worden sei, damit die Bundeswehr überhaupt nach Afghanistan durfte, springt der Bundespräsident ein und verdrückt ein paar Tränchen an Särgen und versichert den Hinterbliebenen, dass man die Kriegstoten nie vergessen werde, deren Namen er eine Woche später längst wieder vergessen hat.

Kampfbegriffe von Politikern dagegen vergisst niemand. Wie oft ich schon das Wort "verfassungsfeindlich" gelesen habe, weiß ich nicht. Wie oft die DDR schon "sozialistisch" oder gar "kommunistisch" genannt worden ist, kann ich ebenfalls nicht sagen. Auf jeden Fall war das ein Unrechtsstaat, während es sich bei der Bundesrepublik Deutschland zweifellos um einen Rechtsstaat handelt. Überall hängen Redakteure Plakate auf. Doch plakativ ist immer falsch.

Der größte Unsinn wird als weise geadelt - Redakteure, die einem Politiker ins Stammbuch schreiben, dass er die Partei XY tausendmal "verfassungsfeindlich" nennen kann, so lange er dieser Partei nicht verfassungswidriges Verhalten vorwerfen und auch noch nachweisen kann, dass er die DDR nicht immer einen Unrechtsstaat nennen darf, so lange er nicht sagt, wer dieses Unrecht ausgebadet hat, dass er die Bundesrepublik Deutschland nicht stets und überall einen Rechtsstaat nennen sollte, damit er anschließend Unrecht als bedauernswerte Ausnahme verharmlosen kann, suche jedenfalls ich vergeblich.

Der Sache auf den Grund gehen, bedeutet Tiefgang. Dazu gehört Mut, den sich Redakteure aber nicht allzu oft leisten sollten. Sonst bleibt nur noch Schwermut.