Montag, 24. September 2012

Talgshows

Edmund Stoiber enthüllt: "Auch ich bin zur Schule gegangen"

Talg (lat. Sebum, auch Ungel, Unschlitt oder Inselt) ist aus geschlachteten Wiederkäuern gewonnenes festes Körperfett. Es handelt sich um eine feste, gelblich-weiße Masse, die hauptsächlich Triglyceride mit gesättigten Fettsäure-Resten gerader Anzahl von Kohlenstoff-Atomen enthält. Es kommen jedoch auch veresterte Fettsäuren mit ungerader C-Zahl wie die Pentadecansäure (C15) und die Margarinsäure (C17) in den Triglyceriden vor.

Wikipedia

Ich liebe Talgshows - fast so sehr wie die Übertragung von Fußballspielen. Dann kann ich mich so schön zurücklehnen, das Gehirn ausschalten und einstudierte Diskussions- oder Spielzüge über mich ergehen lassen. Leicht einschläfernd ist gestern Abend auch die Talgshow mit Günther Jauch gewesen. Wiedergekäut wurde wieder einmal der Reichtums- und Armutsbericht. Bei diesem Bericht handelt es sich um eine feste, schwarz auf weiße Masse, die gerade eine gewisse Anzahl von Wortmeldungen hervorruft. Aber auch sensationelle Einsichten. So enthüllte Edmund Stoiber, dass auch er zur Schule gegangen ist, während Hannelore Kraft nicht Bundeskanzlerin werden will, weil sie frühe Hilfen erst einmal in Nordrhein-Westfalen wirken lässt und nicht schon jetzt für die Bundes-SPD.

Bei Jauch war gestern Abend auch Uli Hoeneß, ein ausgewiesener Europapolitiker und Volkswirtschaftler, der dem staunenden Publikum berichtete, er sei mit dem FC Bayern München schon in Manchester, Turin und Marseille gewesen. Dort sei alles viel schlimmer als in Deutschland, wo man trotzdem immer vom Hundersten ins Tausendste käme - wenn man Reichen das Geld wegnehmen wolle. Das Uli Hoeneß viel lieber spendet. Dann fühlt er sich wohl - und zieht auch nicht in die Schweiz oder nach Österreich um.

Und wie besiegt man Armut? Da sind sich alle einig. Das funktioniert mit mehr Bildung, die so früh wie möglich beginnen muss. Deswegen werden Talgshows immer erst ab 21.45 Uhr ausgestrahlt...

Sonntag, 23. September 2012

Sonntags-Blick

Auf einen rechten Schweizer

Sonntags blickt die Schweiz in eine Boulevardzeitung, die auf eidgenössische Weise der "Bild"-Zeitung nacheifert. Aber von einem deutschen Medium lernen, kann auch verheerende Folgen haben. Wie für Erich Hess als rechten jungen Mann der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Der bekam jüngst Besuch vom Zweiten Deutschen Fernsehen und wurde vorgeführt, was am Freitag in der "heute show" vorgeführt wurde.

Mit dem Zweiten sah dieser Erich Hess nicht einmal, dass der Deutsche, der ihm angeblich eine Farb- und Imageberatung zukommen lassen wollte, immer wieder hinter ihm ins Bild kam und herumalberte, brav wiederholte er in jeder Kameraeinstellung seinen Namen, während der vermeintliche Berater auf der Toilette verschwand. Derart blamiert hat sich ein Rechter schon lange nicht mehr.

Die jungen SVPler sind nur scheinbar 68-er. Diese Nachwuchsorganisation wurde zwar gegründet, als in Deutschland Studenten auf die Straße gingen, doch der SVP-Nachwuchs ging auf die Felder. Blieb aber leider nicht dort. Kühe müssen sie vertrieben haben.

Seither blamiert sich der SVP-Nachwuchs in aller Öffentlichkeit. Wie jetzt Erich Hess, der für seine Auftritte die folgende Erklärung angeboten hat: "Mir ist schon aufgefallen, dass es ein bisschen ein komisches Reporterteam ist." Er habe aber gedacht, "es sind halt Deutsche".

Also Ausländer, von denen Erich Hess nur etwas hält, wenn er den Mund gehalten hätte?

Donnerstag, 20. September 2012

Pech-Pflegeeltern

Ein Junge macht Spritztour - ein Mädchen will Ausbilder umbringen

"Langwedel/Verden - Obwohl er kaum über das Lenkrad schauen konnte, schnappte sich ein elfjähriger Junge die Autoschlüssel seiner Mutter und kurvte durch die niedersächsische Gemeinde Langwedel."

Diese Meldung hat am 24. Januar 2012 in fast allen deutschen Zeitungen gestanden. Auch bei google taucht sie mehrfach auf. Dort findet sie eine Mutter aus Lübeck. Die fragt sich sofort: "War das mein Junge?" Der hat fast sein ganzes bisheriges Leben bei Pflegeeltern in Langwedel verbracht. Er schnappte sich also nicht die Autoschlüssel seiner Mutter, sondern die seiner Pflegemutter.

Vor diesen Zeitungsberichten hatte die Mutter aus Lübeck einen Anruf des Verfahrensbeistandes ihres Kindes bekommen. Der erzählte, dass der Junge etwas angestellt habe, er sei nun in einer Einrichtung. Mehr wisse er nicht. Was gelogen war. Gesteht der Verfahrensbeistand einen Monat später vor dem Familiengericht in Verden.

In Familiensachen bestellt das Gericht einen Verfahrensbeistand, das Jugendamt einen Vormund. Der Verfahrensbeistand ist laut Gesetz vor Gericht "Anwalt des Kindes", der Vormund übernimmt Teile des oder das gesamte Sorgerecht. Verfahrensbeistände kennen die Kinder, für die sie sich einsetzen sollen, kaum, der Vormund aus dem Jugendamt noch weniger. Manchmal ist es auch umgekehrt.

Die Mutter und ich klappern telefonisch Einrichtungen ab, in denen der Elfjährige sein könnte. Vergeblich. Erst vor dem Familiengericht wird das Geheimnis gelüftet. Der Junge ist im Wichernstift in Ganderkesee, dort riss er auch schon aus.

Der Verfahrensbeistand berichtet dem Gericht von einem Besuch des Kindes in dieser Einrichtung. Bei dieser Gelegenheit habe der Junge versucht, seine Mutter in Lübeck anzurufen. Habe sie aber nicht erreicht. Dass der Junge falsche Telefonnummern gewählt hat, verschweigt der Verfahrensbeistand.

24. Februar 2012, zwei Tage nach der Anhörung vor dem Familiengericht in Verden: Der Junge bekommt von mir ein Geschenk zum 12. Geburtstag. Auf einer Karte teile ich ihm die aktuellen Telefonnummern seiner Mutter in Lübeck mit. Einen Anruf bekommt sie nicht.

Schließlich nimmt sich das Jugendamt von Lübeck der Sache an, am 19. September 2012 soll noch einmal ein Termin vor dem Familiengericht in Verden stattfinden. Die Pflegeeltern sagen ab. Sie und das Jugendamt müssen am gleichen Tag vor dem Landgericht in Verden erscheinen. Dort wird über einen Mordversuch verhandelt. Wenige Tage vor dem Familiengerichts-Termin macht auch das Jugendamt von Verden einen Rückzieher und schickt der Mutter aus Lübeck einen Abschlussbericht. Bescheinigt wird ihr von dieser Behörde, dass sie endlich "einsichtig" sei. Der Junge ist inzwischen in einer Einrichtung in Schleswig-Holstein. Der 12-Jährige hielt, was er vor Jahren seiner Mutter versprochen hatte: "Ich reiße so lange aus, bis ich wieder zuhause bin." Das könnte bald geschehen.

Was jetzt schon wie ein Krimi klingt, wird noch spannender. Verloren hat die Mutter ihren Jungen im Säuglingsalter in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch. Diese Einrichtung wurde bis Anfang Juli 2011 von dem Sozialpädagogen Ruthard Stachowske geleitet, der diese Einrichtung in eine Psycho-Sekte verwandelte und Familien systematisch zerstörte. Die Mutter aus Lübeck war schon nach kurzer Zeit aus der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch wieder abgehauen. Als sie ihren Jungen aus der Einrichtung holen wollte, sagte Stachowske: "Deinen Jungen bekommst du nie wieder." So ist er zu den Pflegeeltern in Langwedel gekommen, die ihrem Pflegekind erzählten, dass seine Mutter tot sei.

"War es – wie angeklagt – ein Mordversuch, oder doch nur ein, allerdings gefährlicher Streich, für den eine 19-jährige Heranwachsende aus der Nähe von Langwedel seit gestern vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden steht?"

Diese Meldung vom 20. September 2012 ist nicht in fast allen deutschen Zeitungen erschienen, sondern lediglich in der Regionalpresse. Vor der 3. Großen Jugendstrafkammer des Landgerichtes von Verden hat gestern ein Prozess gegen eine 19-Jährige wegen eines Mordversuchs begonnen. Sie ist bei den gleichen Pflegeeltern aufgewachsen wie der Junge aus Lübeck.

Sie heißt Petra S., macht sich bei Facebook ein Jahr älter, hat ihren Kopf kahlgeschoren, auf dem Facebook-Foto hält sie ein Handy in der Hand, mit dem sie sich gerade fotografiert. Zu jener Zeit, als ihr Pflegebruder mit einem Auto durch Langwedel kurvte, ärgerte sie sich in Husum über ihren Ausbilder, wollte sich mit ihm treffen und wurde noch wütender, als sie mit ihren Einladungen keinen Erfolg hatte. Deshalb sprühte sie am 18. Januar 2012 das Wort "Menschenmörder" auf das Auto ihres Ausbilders und drohte ihm in einem anonymen Brief: "Ich treibe dich in den Tod."

Das soll sie am 23. Februar 2012 probiert haben. Mit einem Komplizen fuhr sie schwarz gekleidet nach Wesselburen, die beiden trennten mit Werkzeug, das sie aus ihrem Ausbildungsbetrieb in Husum mitgenommen hatte, die hinteren Bremsleitungen des Autos ihres Ausbilders durch. Die vorderen Bremsleitungen schnitt Petra S. allein durch.

Am nächsten Morgen setzte sich ihr Ausbilder in sein Auto, in der Einfahrt warteten seine Kinder. Die Bremsen versagten, das Fahrzeug schoss über die Einfahrt und über die Straße. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Sechs Verhandlungstage hat das Gericht für diesen Fall angesetzt, am ersten Verhandlungstag erweckte die 19-Jährige den Eindruck, es habe sich lediglich um einem schlechten Scherz gehandelt. Sie sei davon ausgegangen, dass der Motor versagen werde - wie das Jugendamt von Verden wohl davon ausgegangen ist, für Petra S. und den Jungen aus Lübeck die richtigen Pflegeeltern gefunden zu haben...







Freitag, 14. September 2012

Der Südkurier

Hat die Schweiz verlegt

"Auch Johannes Mario Simmel hatte sein Herz an die Schweiz verloren, er lebte überwiegend in Luzern." Schreibt der "Südkurier" am 22. August 2012. Stimmt nicht. Dort ist dieser Bestsellerautor am 1. Januar 2009 gestorben. Wovon ich Wikipedia seinerzeit überzeugen musste. Denn dort stand, Simmel sei in Zug gestorben. Dort hatte er gelebt.

Seine Adresse gab mir Simmel während der Frankfurter Buchmesse: "Ich wohne jetzt in Zug. Wenn Sie Simmel, Zug, schreiben, kommt Ihr Brief an", sagte er 1983, als ich in das Hotel kam, in dem er sich vom Messetrubel erholte, während ich von Interview zu Interview eilte und Sandra Paretti in diesem Hotel auf mich wartete.

Uli Fricker, der sich als "Südkurier"-Redakteur mit dem Wohnort von Simmel vertat, wünschte sich "In der Schweiz müsste man leben". Würde wohl schiefgehen. Schweizer können empfindlich reagieren, wenn man die Kantone verwechselt und in Bern nicht weiß, dass man nicht in Basel ist.

Dass viele Redakteure über Dinge schreiben, von denen sie nichts verstehen, hat Simmel gewusst: "Früher haben sie mich nicht gelesen und zerrissen, heute lesen sie mich nicht und loben mich." Deswegen berief er sich immer wieder auf ein Portrait in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die hatte ihn als "demokratischen Gebrauchsschriftsteller" bezeichnet. Das fand Simmel in Ordnung.

Beim "Südkurier" hätte dieser Schriftsteller wohl kaum arbeiten mögen. Simmel war so detailversessen, dass er in dieser Redaktion verrückt geworden wäre, wenn man ihn gefragt hätte: "Wie fühlst du dich eigentlich in Luzern?" 

Donnerstag, 13. September 2012

Abraham-Effekt

Hört der evangelische Pressedienst auch Stimmen?

Und es begab sich zu einer Zeit, in der es noch keine Jugendämter gegeben hat, als einem Vater von höherer Stelle befohlen wurde, seinen Sohn zu verbrennen. Also gehorchte er diesem Befehl, bis sich wieder eine Stimme meldete, die ihm Einhalt gebot. Anschließend grillten Vater und Sohn einen Widder. (1. Mose 22, 1-14)

Dabei handelte es sich nach Auffassung der Kirchen keineswegs um Kindeswohlgefährdung, der Vater hatte lediglich getan, was ihm Gott befahl. Das machte man früher so. Ist aber lange her. Aber eins hat sich nicht geändert. Die evangelische Kirche hört auf Stimmen. Dafür unterhält sie den Evangelischen Pressedienst (epd), der gestern auf vielen Radiostationen diese Meldung verbreiten ließ: "Die Zahl der Kinder, die zu ihrem eigenen Schutz aus ihren Familien herausgenommen werden, ist in Niedersachsen nach aktuellen Statisken erneut überdurchschnittlich gestiegen."

Wie Abraham hört der epd also - auf höhere Stellen? Auf Jugendämter? Familiengerichte? Und würde erst innehalten, wenn sich wieder eine Stimme meldete, die fragte: "Habt ihr jeden Fall geprüft? Musste wirklich jedes dieser Kinder zum "eigenen Schutz" aus "ihren Familien" genommen werden? Oder war einiges übereilt? Nicht gerechtfertigt? Gleichsam also ähnlich gelagert, wie der vorauseilende Gehorsam von Abraham?

Mittwoch, 12. September 2012

Heilige Kühe

Die Bundesbank und das Bundesverfassungsgericht
 
"Das Bundesverfassungsgericht ist der Rolle gerecht geworden, die es seit seinem Maastricht-Urteil von 1993 spielt. Getrieben von einem Unbehagen gegenüber dem europäischen Integrationsprozess, der auch zu Zentralismus und Aushöhlung nationaler Souveränität führen könnte, hat es die Bürger quasi ermuntert, den Weg nach Karlsruhe zu gehen.

Wenn diese dort aber ankommen, werden sie zwar nicht ganz, aber in der Hauptsache enttäuscht. Das Bundesverfassungsgericht, das uns fast so heilig ist wie die Deutsche Bundesbank, ist auch nur ein Spieler im europäischen Spiel, und nicht der mächtigste."
 
Kommentiert heute die "Welt" das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Einmal abgesehen davon, dass wohl niemand eine andere Entscheidung erwartet hat, muss die Anmerkung gestattet sein, dass mir weder die Deutsche Bundesbank noch das Karlsruher Gericht heilig ist. Die Bundesbank sollte die deutsche Währung schützen, das Bundesverfassungsgericht das Grundgesetz. Mit religiösen Überzeugungen hat das nichts zu tun. Auch der europäische Integrationsprozess wird glücklicherweise nicht von Kirchen geprägt, sondern leider von Bürokraten. Das hat Europa nicht verdient - und macht die Europapolitik teuer und undurchschaubar.
 
Große Konzerne operieren weltweit, Spekulanten ebenfalls - und dass man als David Goliath besiegen kann,  ist zwar eine schöne Legende, aber so viele Steine kann ein einzelner Staat gar nicht sammeln, dass er sich mit diesen Wurfgeschossen auch nur in die Nähe dieser Riesen wagen könnte, um sie niederzustrecken.
 
Außerdem erleben wir kein europäisches Spiel, sondern bitteren europäischen Ernst. Aus unerfindlichen Gründen haben die Architekten des Europa-Gebäudes das Fundament vergessen. Europa kann nur dann ein stabiles und lebendiges Gebilde sein, wenn zumindest die Mehrheit von der Schönheit des europäischen Hauses überzeugt ist und mehr darf, als einmal am Tag den Hausmeister zu grüßen. Die Gedanken kreisen um Märkte, nicht um Menschen,  die sich überall auf dem Kontinent mit ähnlichen Problemen herumschlagen müssen. Regierungen verjubeln Geld, bis die Steuerzahler Kopfschmerzen bekommen. Reiche schlüpfen durch Gesetzeslücken und Manager verbreiten die Lüge, dass sie allein das Unternehmensrisiko tragen.
 
Das sind dann die so genannten Leistungsträger - die sich Europa nicht mehr leisten kann...  

Dienstag, 11. September 2012

Eine Einreibung

Gleich bin ich in der Wilhelmshavener Hauptpost mit dem
Päckchen am Schalter. Foto: Heinz-Peter Tjaden















Ausschussvorsitzende bekommt ein Päckchen mit Salbe

Da der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages auf meinen Vorschlag vom 27. Februar 2012 nicht reagiert hat, bekommt die Ausschussvorsitzende Kersten Steinke heute ein Päckchen von mir. Den Ausschuss bat ich damals um Zusendung eines Brummkreisels, weil nach meiner Erfahrung eine Eingabe nach Berlin schicken so sinnlos ist wie auszukreiseln, ob man jemals angehört wird oder nicht.

Einreibung verdient

Samstag, 8. September 2012

Beim Psychologen

Meine Schnürsenkel haben ein Bindungsproblem

Mit meinen beiden Schuhen bin ich heute bei einem Psychologen gewesen. Die Schnürsenkel sind nicht bindungsfähig. Ich kann sie schleifen wie ich will, sie halten nicht zusammen. Zusammen mit dem Psychologen habe ich dieses mangelnde Solidaritätsgefühlsproblem meiner Schnürsenkel lösen wollen. Wollte der Psychologe aber erst einmal wissen, wo ich meine Schuhe gekauft habe. Hatte ich zum Glück die Kaufquittung dabei. Unten stand "25 Prozent auf alles, außer auf Tiernahrung". Tiernahrung kaufen sie dort also nicht? fragte mich der Psychologe. Der Psychologe schloss daraus sofort, dass ich zwar Füße habe, aber kein Haustier. Was nicht stimmt. Aber mein Hund trägt keine Schuhe.

Schuhe sind also das eigentliche Thema dieser Therapiestunde, stellte der Psychologe nach einem ersten Blick auf seine Uhr fest, mit dem Bindungsproblem der Schnürsenkel wollen sie davon nur ablenken. Das sei typisch für alle, die keine Schuhe mit Klettverschluss tragen. Klettverschluss stehe für Schnelligkeit und somit für Modernität.

Ich dagegen sei wohl eher ein Mensch, der sich nicht nur gern Zeit lasse, sondern diese auch noch mit dem Binden von Schnürsenkeln verschwende. Doch dafür habe man heutzutage gar keine Zeit mehr, es sei denn, man wolle sich auch vor anderen Problemen drücken, die jedoch erst nach vielen Therapiestunden gelöst werden könnten. Sonst verliere man den Anschluss, wie meine Schnürsenkel die Bindung. Irgendwie hänge immer alles miteinander zusammen, wofür uns allerdings der Blick verloren gegangen sei - Schnürsenkel seien dafür nur ein Symbol. Jedenfalls in meinem Fall, warf der Psychologe den zweiten Blick auf seine Uhr. Und die Frage in den Raum, ob ich jemals Schuhe mit Klettverschluss getragen hätte. Habe ich noch nie besessen, was dem Psychologen missfiel, ich sei wohl davon besessen, Schuhe mit Schnürsenkeln zu besitzen. Da müsse man sich über nichts mehr wundern. Er wundere sich nur darüber, dass ich nicht schon viel früher bei ihm gewesen sei. Was am nächsten Freitag wieder der Fall sein müsse.

Bis dahin solle ich nicht über meine offenen Schnürsenkel fallen.





Dienstag, 4. September 2012

Marie ist weg

Schock für SPD-Chef Sigmar Gabriel

Eine Glosse

Gut eine Woche vor seinem 53. Geburtstag: Schock für den SPD-Chef Sigmar Gabriel. Die Umzugskartons im Stadtteil Kinderhaus von Münster waren noch nicht ausgepackt, als bereits eine Jugendamtsmitarbeiterin mit einer Gefährdungsmeldung des Diakonischen Werkes erschien, die knapp fünf Monate alte Marie aus dem Kinderwagen nahm und mit der Tochter von Gabriel in ein Auto mit laufendem Motor stieg, das sofort zum Sankt-Mauritz-Kinderheim fuhr. Dieses Heim verhängte sogleich ein Besuchsverbot.

In der Gefährdungsmeldung – liegt der Redaktion vor – wurde Gabriel vorgeworfen: Für die Erziehung eines Kindes sei er zu alt, seine Ehefrau mit 35 dagegen zu jung. Außerdem tauche der SPD-Chef laufend in Fernsehshows auf, was dazu führen könne, dass Marie ihren Vater wenigstens dann sehe wolle, wenn der im Fernsehen sei. Deswegen könne das Mädchen fernsehsüchtig werden. Was eine schwere Gefährdung des Kindeswohls darstelle. Schaue man sich zudem den Vater genauer an, stelle man bei ihm ein Problem bei der Nahrungsaufnahme fest, das dieser auf Marie übertragen könne. Die Mutter allein könne das Kind nicht schützen, wozu in Münster grundsätzlich immer nur das Jugendamt in der Lage sei.

Gabriel soll noch am gleichen Tag das Gespräch mit der Jugendamtsmitarbeiterin gesucht haben. Das sei nicht möglich gewesen, teilte der SPD-Chef mit. Ihm sei mitgeteilt worden, dass diese Jugendamtsmitarbeiterin ihren Arbeitsplatz verlassen habe, und zwar auf unabsehbare Zeit, zumindest aber, bis Marie 18 ist.

Glosse Ende

Angelehnt an einen tatsächlichen Fall mit einer UJAMA

Sonntag, 2. September 2012

Verdrängt

Die christlichen Wurzeln von Vorurteilen

"In Berlin wird auf offener Straße ein Rabbi zusammengeschlagen. Er hatte gerade seine Tochter vom Klavierunterricht abgeholt. "Wir f… deine Frau, wir f... deinen Gott", schrien die "mutmaßlich arabischstämmigen" Täter (wie es so schön heißt), bevor sie Daniel A. bewusstlos prügelten." Berichtet "Welt online" und macht sich Gedanken über die Sicherheit von Juden in Europa, die von zwei Seiten gefährdet werde: Von hirnlosen religiösen Fanatikern und von einer Gesellschaft, die sagt: "Was Israel macht, ist aber auch nicht in Ordnung."

Allerdings kenne ich niemanden, der einen brutalen Überfall auf einen Geistlichen mit einer tatsächlich oder angeblich falschen Politik einer Regierung rechtfertigt. So dumm kann eigentlich niemand sein. Vielleicht will "Welt online" auch nur etwas verdrängen. Und nicht so tief schürfen, dass auch die christlichen Wurzeln noch nicht überwundener Vorurteile freigelegt werden.

So weise wie Nathan in der Ringparabel sind wir nämlich noch lange nicht. Denn dann müssten wir zugeben, dass wir uns immer noch allzu gern erheben über Menschen, die etwas anderes glauben. Wie sich diese Menschen erheben über andere, die nichts davon glauben. Auch das ist Gewalt.

Wie lange ist es eigentlich her, dass die Juden als "Gottesmörder" und Muslime als Anhänger einer minderwertigen Religion gegolten haben, die allenfalls als Herausforderung für das Christentum akzeptiert worden sind? Motto: Die belehren wir auch noch eines Besseren?

Ich habe da eine Schocktherapie hinter mir, denn meine Eltern haben mich als Kind zweimal am Sonntag und einmal in der Woche zu Veranstaltungen der Neuapostolischen Kirche mitgenommen, bei denen Hassprediger über das Judentum und den Islam herzogen. Die Juden dürften sich nicht über den Holocaust wundern, hetzten die, schließlich hätten die Juden Jesus umgebracht. Hitler war also immer noch ein Werkzeug des neuapostolischen Gottes. Und der Staat gewährte dieser Glaubensgemeinschaft Körperschaftsrechte. Er förderte diesen blindwütigen Hass auch noch.

Als Kind habe ich mich dermaßen für diese Predigten geschämt, dass ich beschloss: An einen Gott, der Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit entweder belohnt oder verdammt, glaube ich nicht. Wenn es schon einen Gott gibt, sollte er weiser sein als wir.

In Berlin ist ein Familienvater auf offener Straße bewusstlos geschlagen worden. Hoffentlich ist er bald wieder gesund und muss niemals mehr um sein Leben fürchten, das ihm Allah geschenkt hat, damit seine Tochter glücklich wird...