Montag, 31. Dezember 2012

Stein-Brückentage

Für die Bundeskanzlerin

Das weiß doch auch kaum jemand: David McAllister, der am 20. Januar 2013 aus dem Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten scheidet, hat nicht nur zwei Staatsbürgerschaften, sondern auch zwei Vornamen. Der zweite lautet James. Also kann er sich selbst in knapp drei Wochen nach seinem letzten Interview anrufen und sagen: "James, wir nehmen noch einmal den Dienstwagen." Ist sicherlich ein VW, also ein Verliererwagen.  Damit düst er zum Flughafen in Hannover-Langenhagen, nimmt sich einen Düsenflieger und verschwindet mit Dudelsack im schottischen Hochland. - Was aber bringt uns das Jahr 2013 sonst noch?


Der Bundeskanzlerin wird alles in den Schoß fallen. Die kann ihre Beine hoch legen. Die Krise kehrt auch ohne sie zurück. Sobald der Bundestagswahlkampf beginnt, kann sie sich auch noch Stein-Brückentage nehmen. Die SPD tritt nämlich versehentlich mit einem dann 66-jährigen Hamburger an, der sich seit seiner Nominierung am 9. Dezember 2012 mit sozialen Themen beschäftigt, die ihn persönlich betreffen.  Den Kanzlerjob hat er bereits abgelehnt, weil er dann zu wenig verdienen würde, nächstes Jahr will er sich am eigenen Beispiel der Kinderarmut widmen. Stets habe er von seinen Eltern zu wenig Taschengeld bekommen.  Das habe ihn auf der Elbchaussee derart aus dem Tritt gebracht, dass er Unter den Linden nie Fuß fassen werde. Die Bundeskanzlerin muss Steinbrück also nur so oft wie möglich reden lassen - der macht auch noch ohne Kopf und Kragen Wahlkampf für die Union. 

Derweil ticken in Bayern die Uhren weiter anders. Horst Seehofer macht auch 2013 alle seine Minister nieder, damit die CSU endlich wieder die absolute Mehrheit holt. Denn das mögen die an Donau und Isar: Der Wahlabend als Polterabend, obwohl schon alles Porzellan zerschlagen worden ist. Dort wäre auch Peer Steinbrück gut aufgehoben. Nur die Nähe zur Schweiz könnte ihn nach der Bundestagswahl noch von einem Umzug abhalten.

Wann der dann 66-Jährige aus Hamburg die SPD auf Verdienstausfall verklagt, weil er nächstes Jahr keine hoch dotierten Vorträge halten darf, erfahren wir noch früh genug. Guten Rutsch!

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Das hätte...

...man mir sagen müssen!

Da beschäftige ich mich seit fünf Jahren mit Jugendämtern, Familiengerichten und Gutachtern, berate Eltern, helfe ihnen, so gut ich kann, obwohl ich mir gelegentlich auf nichts mehr einen Reim machen kann, weil sich sogar Scharlatane als Experten aufspielen dürfen - wenn man mir aber schon im Dezember 2007 verraten hätte, was ich jetzt weiß, hätte ich mich auch nie gewundert. Was ich jetzt weiß, ist: Bekommt man eine Richterstelle am Familiengericht von Münster, muss man nicht einmal lesen können. Man macht, was das Jugendamt sagt - und gut ist.

An dieser Stelle gestehe ich aber auch: Mir ist auch schon von einer Familienrichterin aus Münster berichtet worden, die sich ihr eigenes Urteil bildet (sie besucht beispielsweise die Eltern). Ob ich das hier aber verraten darf, müsste noch geklärt werden. Wäre doch schade, wenn diese Familienrichterin, die lesen kann, einer Kollegin, die diese Fähigkeit nicht besitzt, vorlesen müsste, was ich sogleich berichte.

Im August 2012 schickt mir eine Mutter aus Münster einen Beschluss des Familiengerichtes. Darin wird ein Gutachter zitiert, der berichtet habe, der Tochter, die bei Pflegeeltern lebt, gehe es schlecht. Die Kleine habe sich aus dem Hier und Jetzt verabschiedet, das Verhalten der Dreieinhalbjährigen sei von Anfang an von großer Ablehnung geprägt gewesen.

Gestern Abend habe ich das Gutachten bekommen, aus dem diese Familienrichterin zitiert. Gelesen habe ich es heute Vormittag. Über das Mädchen schreibt der Gutachter, dass er die Kleine am 3. Februar 2012 in einer Beratungsstelle getroffen habe. Sie sei von den Pflegeeltern dorthin gebracht worden. Anfangs sei das Kind vorsichtig gewesen, habe sich an die Pflegemutter geschmiegt, zu der das Mädchen ein besseres Verhältnis habe als zum Pflegevater. "Sie machte einen insgesamt zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck. Sie nahm mit dem Unterzeichner schnell Blickkontakt auf, hielt ihn auch. Die Scheu, die sie anfangs nur kurze Zeit gezeigt hatte, legte sich schnell. Fragen des Unterzeichners beantwortete sie angemessen. Im weiteren Verlauf lachte N. viel und scherzte mir ihrer Pflegemutter", schreibt dieser Gutachter. Dann habe das Mädchen gespielt.

Nun befasst sich der Gutachter mit den Pflegeeltern, die seinen Angaben zufolge bereits seit zehn Jahren ein zweites Pflegekind haben, das als Zweijährige traumatisiert gewesen sei. Doch dieses Problem habe man in den Griff bekommen. Dann zitiert der Gutachter seine Begleiterin, die für den Jugendhilfedienst in Münster arbeitet. Deren zeitliche Angaben stimmen nicht mit den Angaben des Jugendamtes überein. Aber sie soll auch gesagt haben: "N. hat sich von Anfang an gut auf die Pflegeeltern eingelassen."

Dann folgen noch Schilderungen der Pflegeeltern über merkwürdiges Verhalten der Kleinen beim Essen, auch Laufen habe sie nicht so schnell gelernt wie andere Kinder. So weit - so Gutachten.

Jetzt zitiere ich aus dem Beschluss jener Familienrichterin, die des Lesens nicht mächtig ist: "Der Sachverständige Dr. T. hat in seinem Gutachten ausgeführt,...N. habe zwar eine Bindung zu den Pflegeeltern aufgebaut, zeige jedoch noch keine Bindungssicherheit in ihrem Interaktionsverhalten. Hierbei führt der Sachverständige Distanzlosigkeit und eine schnelle Verunsicherung von N. an. Zudem sei von einem Wegdriften von N. berichtet worden, als sei sie nicht im Hier und Jetzt. Die ersten Versuche der Kontaktanbahnung seien von heftiger Abwehr und Weinen N´s begleitet gewesen."

Das soll der Gutachter auch während der mündlichen Verhandlung gesagt haben, die Familienrichterin zitiert aber ausdrücklich aus dem Gutachten. Außerdem kann niemand überprüfen, was vor Familiengerichten gesagt oder nicht gesagt worden ist, denn solche Verhandlungen sind nichtöffentlich.

Zu schlechter Letzt beschleicht mich das Gefühl, dass diese Familienrichterin sehr wohl lesen kann und sich eines Tricks bedient. Geht etwas schief, präsentiert sie ihren Beschluss, läuft alles prima, präsentiert sie das Gutachten. Wichtig scheint ihr nur zu sein, dass sie gegen die Mutter entscheiden kann. Der hat sie ein Umgangsverbot mit ihrer Tochter aufgebrummt...

22. Dezember 2012

Analyse des Gutachtens
Serie beginnt am 26. Dezember 2012
Hier lesen





Freitag, 21. Dezember 2012

Zugenagelt


Der Hinterausgang der Staatsanwaltschaft von Hannover

Da meine Behauptung nicht dementiert worden ist, scheint nun Tatsache zu sein: Anfang November 2006 rief mich der Chef der Staatsanwaltschaft Hannover, Manfred Wendt, an und versprach mir eine Entschädigung. Darauf habe ich bis heute gewartet, wen ich auch einschaltete, irgendwie wurde ich stets abgewimmelt.

Heute bekam ich vom Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes bei der Polizeiinspektion Garbsen die versprochene Bescheinigung für die geführten Gespräche und den Gesprächsinhalt: “In diesem Telefonat haben Sie mir u. a. mitgeteilt, dass Sie von der Staatsanwaltschaft Hannover eine Entschädigung für die offensichtlich beschädigt ausgehändigten Computer erwarten.”

Hinterausgang zugenagelt

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Weltuntergang

Hab ich keine Lust drauf

Also, ich habe keine Lust auf den Weltuntergang. Wer so was überlebt, muss anschließend alles aufräumen. Das kann Jahre dauern. Sogar, wenn man den Zeugen Jehovas die Arbeit überlässt. Aber die lassen einen nicht mehr rein, wenn erst wieder alles steht. Die wollen dann alles für sich alleine haben. Das kündigen die schon seit fast 100 Jahren an. Wer so was so lange ankündigt, macht es auch.

Außerdem haben die Mayas drei Kalender, die Zeugen Jehovas aber nur zwei Zeitschriften: "Erwachet!" und "Wachtturm". Die Maya-Kalender verändern sich nicht, die Zeitschriften der Zeugen Jehovas aber alle paar Jahre. Wer so unzuverlässig ist, dem sollte man auch nicht die Arbeit nach dem Weltuntergang überlassen.

Außerdem wirkt so ein Weltuntergang auch aus anderen Gründen störend. Ist man mit dem Rad unterwegs, endet plötzlich der Radweg. Man steigt aus dem Bett und fragt sich, warum man überhaupt aufgestanden ist. Denn so ein Weltuntergang hat es nicht nur in sich, man steht auch irgendwie neben sich. Einen passenden Moment für einen Weltuntergang gibt es nicht. Er kommt entweder zu früh oder er kommt zu spät. Zu früh kommt er, wenn man seinen Lottogewinn noch nicht abgeholt hat, zu spät, wenn die Schwiegermutter doch noch anruft.

Bettler vor Postbank

Die Postbank in Hamburg. Foto: Postbank






Die kursive Geschichte ist unwahr.
Die andere Geschichte ist wahr.

Seit einigen Tagen treffen sich Bettlerinnen und Bettler vor der Postbank in Hamburg, sprechen Angestellte an, die hier alles lernen können. Die Bettler fragen nicht: "Haste mal´n Euro?" Sie fragen: "Haste mal´n Sparbuch?" Denn immer mehr Postbankkunden schicken Sparbücher nach Hamburg, die sie angeblich verloren haben. Sind die erst bei der Postbank in Hamburg, sind sie wirklich weg.

Ich habe am 18. November 2012 in einer Tasche, die seit über acht Jahren im Stubenschrank lag, ein auf mich ausgestelltes Sparbuch der Postbank Hamburg gefunden. Die letzte Buchung stammte vom 28. November 2003, das Guthaben betrug 650 Euro. Mit diesem Sparbuch ging ich am 19. November 2012 zu einer Postfiliale. Die Angestellte fand das Konto im Computer nicht, rief deswegen in Hamburg an, machte Kopien von meinem Sparbuch und schickte diese nach Hamburg. Sie notierte sich auch meine neue Adresse und meine Telefonnummer, denn Ende 2003 bin ich nach Wilhelmshaven umgezogen.

Da Sparbücher, die wirklich weg sind, auch irgendwie verschwinden müssen, verlosen die Postbankangestellten ab morgen täglich zehn verloren gegangene Sparbücher. Die Ziehung der Gewinnerinnen und Gewinner findet immer um 16 Uhr statt. Abgehoben werden muss das Guthaben noch am gleichen Tag bis 17 Uhr. Nach dieser letzten Buchung wird das Sparbuch entwertet. Für die Entwertung der Sparbücher berechnet die Postbank von Hamburg immer genau die Gebühr, die dem Guthaben entspricht. So geht für die Postbank kein Euro verloren, die Gewinnerinnen und Gewinner werden mit einer warmen Suppe getröstet.

Am 23. November 2012 gehe ich wieder zu der Postfiliale. Das Sparkonto ist immer noch verschwunden. Die Angestellte schickt mich zur Hauptpost von Wilhelmshaven. Dort hat die Postbank von Hamburg eine Beratungsstelle. Die suche ich am 26. November 2012 auf. Helfen kann man mir aber nicht. Auch aus Hamburg habe ich noch nichts gehört. Kein Brief. Kein Anruf.

Die Bettlerinnen und Bettler, die sich täglich vor der Postbank in Hamburg ein Stelldichein geben, wollen nächste Woche eine Kommission bilden, die mit der Postbank über eine Gebührensenkung verhandeln soll. Mit einer warmen Suppe abgespeist zu werden, halten auch die Grünen für unsozial, die sich bereits solidarisch erklärt haben.

Am 27. und 28. November 2012 geht nichts bei meiner Postfiliale, der Computer ist abgestürzt. Ich radele zu einer Postfiliale im Stadtnorden. Die Angestellte gibt die Kontonummer meines Sparbuches ein, auf dem Computer flammt ein Code auf. Sie ruft die Postbank in Hamburg an. Dann teilt sie mir mit: "Sie haben Ihr Sparbuch verloren." Wann und wo das gewesen sein soll, verrät sie mir nicht. Meine Frage, warum sich in meinem Besitz ein Sparbuch befindet, das ich angeblich verloren habe, kann sie nicht beantworten. Auch sie verweist mich auf die Beratungsstelle in der Hauptpost von Wilhelmshaven. Die werde mein Sparbuch einschicken. Ich nehme mein Sparbuch und stecke es wieder ein. Unterwegs achte ich darauf, dass ich mein Sparbuch nicht verliere.

Die Caritas will noch vor Weihnachten eine Aktion unter dem Motto "Postbank-Sparbücher verlieren in Briefkästen der Caritas" starten. Die Postbank Hamburg soll 20 Prozent der Guthaben spenden, 80 Prozent werden ausgebucht. Aus dem Bundesfinanzministerium verlautet bereits, dass mit einer Aktion "Alle Sparbücher aller Banken verlieren" die Euro-Krise bewältigt werden könnte. Gerettet seien dann auch alle Banken in Europa. 

Mein Sparbuch habe ich vorsichtshalber an einer Stubenwand festgenagelt. Sonst kommt es noch wirklich weg...Die Kopien müssen der Postbank in Hamburg reichen.

13. Dezember 2012
Mail an die Postbank AG (Eingang bestätigt)

Sparkonto 27......

Da die Postbank Hamburg in den vergangenen dreieinhalb Wochen Anfragen der Postfiliale Wilhelmshaven-Heppens und der Hauptpost Wilhelmshaven ignoriert hat, fordere ich die Postbank Hamburg hiermit auf:

Mir entweder bis 14. Dezember 2012, 12 Uhr, eine Abschlussbuchung vorzulegen, mit der mein Sparkonto auf Null gesetzt wird.

Oder mir das Guthaben in Höhe von 650,69 Euro (Stand 28. 11. 2003) plus Zinsen per Barscheck oder per Überweisung auf mein Konto ... bei der Sparkasse Wilhelmshaven (BLZ 28250110) zukommen zu lassen.

Sollte die Postbank Hamburg weiter nicht reagieren, schalte ich einen Anwalt ein.

Die Postbank hat meiner Beschwerde die Bearbeitungsnummer 7276631 zugeteilt.

15. Dezember 2012
Endlich einmal eine Antwort

Guten Tag,

vielen Dank für Ihre E-Mail mit der Bearbeitungsnummer 7276631.

Ich habe veranlasst, dass Ihr Anliegen umgehend bearbeitet wird.

Bei Rückfragen setzt sich der Fachbereich mit Ihnen in Verbindung. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir personenbezogene Daten ausschließlich per Post oder über Ihre persönliche Nachrichtenbox im Online-Banking übermitteln.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Postbank E-Mail Team
Annemarie Barth

20. Dezember 2012
Schreiben an die Deutsche Postbank


Sehr geehrter Herr Bauer,

vielen Dank für Ihr Schreiben, das Sie mit 22. 11. 2012 datieren, laut Poststempel am 18. 12. 2012 abgeschickt haben und das mich heute, also am 20. Dezember 2012, erreichte.

Ihrem Brief zufolge habe ich im Laufe der Zeit drei Sparbücher gehabt. Eins, das ich am 1. Dezember 2003 mit einem Guthaben von 650,70 Euro verlor, eins, das am 14. 12. 2005 mit einem Restguthaben von 0,50 Euro aufgelöst wurde, und ein drittes, das ich am 28. März 2006 mit einem Restguthaben von 3,36 Euro zurückgeben sollte.

Wenn Sie weiter recherchieren, habe ich eines Tages möglicherweise sogar zwölf Sparbücher gehabt. Neben mir auf dem Schreibtisch liegt aber nur ein Sparbuch mit einer letzten Einzahlung von 650 Euro am 28. November 2003. Die Postfiliale von Wilhelmshaven-Heppens und die Hauptpost von Wilhelmshaven haben Ihnen davon Kopien geschickt. Das geschah am 19. November 2012 und am 4. Dezember 2012.
Warum belegen Sie Ihre Behauptungen nicht mit Buchungsbelegen? Warum präsentieren Sie mir keine Abschlussbuchung für das angeblich verlorene Sparbuch? Warum nennen Sie in Ihrem Schreiben zudem Kontonummern, die mir unbekannt sind?

Nun wollen Sie mir 3,36 Euro überweisen. Woher haben Sie diese Summe?








Sonntag, 16. Dezember 2012

Betr. OB von Münster

Ein satirischer Brief an Markus Lewe

Dringender Hinweis: Diesen Brief keinesfalls als Vorlage für Schreiben nutzen. Sonst droht Verheerendes.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

wir sind kürzlich nach Münster gezogen, weil wir auch schon vorher in einer eher hässlichen Stadt gewohnt haben und uns nicht umstellen mussten. Ende des Jahres erwarten wir zum ersten Mal Nachwuchs. Es wird ein Junge! Müssen wir die Geburt unseres Kindes schon jetzt dem Jugendamt anzeigen - oder können wir uns darauf verlassen, dass diese Meldung vom Krankenhaus übernommen wird? Uns ist inzwischen bekannt, dass man in Ihrer Stadt Pflegeeltern für die besseren Eltern hält. Dabei wollen wir keinesfalls stören. Wir sind also bereit, unser Kind sofort nach der Geburt einem Jugendamtsmitarbeiter auszuhändigen, damit unser Junge von Anfang an die Erziehung bekommt, die er verdient und nicht erst von uns vernachlässigt werden muss, damit das Jugendamt mit seiner sicherlich segensreichen Arbeit beginnen kann. Sollte das Jugendamt am Tag der Geburt verhindert sein, bringen wir das Kind selbstverständlich ohne schuldhaften Verzug ins Sankt-Mauritz-Kinderheim.

Aus gegebenem Anlass verzichten wir darauf, dass uns vom Jugendamt mitgeteilt wird, welche Mitarbeiterin oder welcher Mitarbeiter sich unseres Knaben annimmt. Uns ist bekannt, dass in dieser Behörde hin und wieder Mitarbeiterinnen abhanden kommen, die niemand wieder findet. Im Internet ist dafür der Begriff UJAMA geprägt worden. Der UJAMA-Vermehrung wollen wir uns keinesfalls in den Weg stellen. Wir haben uns schon mit der eigenen Vermehrung schuldig genug gemacht. Wir bitten dafür um Verzeihung.

Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, werden unseren Jungen sicherlich nicht in Ihre Familie aufnehmen können, was wir sehr bedauern. Sie haben schon fünf Kinder. Deswegen sind wir uns dessen bewusst, dass auch das Jugendamt nicht dafür verantwortlich gemacht werden darf, falls bei der Erziehung unseres Jungen etwas schief gehen sollte. Wir denken da an Fans von Preußen Münster, die in fremden Stadien Bengalos zünden und die Anhänger anderer Mannschaften verprügeln. So was kann auch bei einem perfekten System passieren. Nachdenklich stimmt uns zwar, dass die meisten Szenen des "Tatortes", der angeblich in Münster spielt, in Köln gedreht werden, weil man wohl hier zu Stadt nicht über längere Zeit für die Sicherheit der Schauspielerinnen und Schauspieler sorgen kann, aber das nehmen wir sehr ergeben als gegeben hin.

Falls wir noch einmal umziehen sollten, werden wir dem Jugendamt unverzüglich unsere neue Adresse mitteilen. Uns ist klar, dass wir mit der Geburt unseres Jungen so schwere Schuld auf uns geladen haben, dass wir auch für alle zukünftigen Fehlentwicklungen gerade stehen müssen.

Gerade kommt meine Frau herein und sagt, dass es nun wohl so weit ist. Wir freuen uns schon auf den Jugendamtsmitarbeiter. Sonst sehen wir uns im Sankt-Mauritz-Kinderheim...

Keine Satire: Analyse eines Gutachtens

Montag, 10. Dezember 2012

Inklusion

Was wären wir nur ohne Politiker und Pädagogen?

"Inklusion bedeutet, dass alle Menschen in die Gesellschaft eingebunden werden, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Einstellungen oder Einschränkungen, wie beispielsweise körperlichen und geistigen Behinderungen. Für die Bildung in Deutschland bedeutet dies, dass auch die Schulen Menschen mit Behinderungen berücksichtigen, integrieren und gleichstellen müssen. Seit dem 26. März 2009 ist die UN-Konvention, welche schon 2006 verabschiedet wurde, in Deutschland eingeführt. Da die Inklusion eine große Herausforderung sowohl für Schulen als auch für die Behinderten darstellt, bietet der Deutsche Bildungsserver umfassende Informationen zu dem Begriff und der Definition von Inklusion sowie der inklusiven Bildung."

Heißt es im deutschen Bildungsserver

Und ist für mich wieder einmal ein Beispiel dafür, dass wir ohne Politiker, Pädagogen und Soziologen gar nicht so recht wüssten, was wir unser Leben lang so tun. Schon  fällt mir der Fußballer "Ente" Lippens ein, der bei einer Talkshow in Burgdorf bei Hannover einmal erzählt hat, dass er sich vor der Ausführung von Eckbällen einen Hut von einem Rollstuhlfahrer geliehen hat, den er sich aufsetzte, bevor er die Pille vor das gegnerische Tor zirkelte. Das war also Inklusion auf dem Fußballplatz. "Ente" Lippens war sich übrigens sicher, dass heutzutage ein Schiedsrichter explodieren würde, wenn es ihm ein Spieler gleich täte. Das wäre also eine Explosion auf dem Fußballplatz.

Die Frage ist: Sind eigentlich Menschen mit "körperlichen und geistigen Behinderungen" mit dieser Definition von Inklusion einverstanden? Oder sollten wir uns gleich darauf einigen, dass alle, die Waffen herstellen, mit ihnen handeln, sie besitzen und/oder einsetzen, so was von einen an der Waffel haben, dass für sie die UN-Konvention aus dem Jahre 2006 gleich wieder außer Kraft gesetzt werden sollte?

Ich erinnere mich noch gut an blinde Schülerinnen und Schüler aus Hannover, die wir am Wochenende nach Hause begleitet haben, mit denen wir Flohmärkte besuchten, die in unserer Wohnung waren und die mir schon vor der ersten Fahrt mit der Straßenbahn sagten: "Wenn wir Hilfe brauchen, dann sagen wir das." Vorher hatten sie mein Gesicht abgetastet, weil sie mich "erst einmal sehen wollten". Als sie zum ersten Mal unsere Wohnung betreten hatten, stellten sie schnell fest: "Bei euch hängen viele Bilder an den Wänden."

Als diese blinden Schülerinnen und Schüler auf dem Flohmarkt am Hohen Ufer von einem Marktbeschicker angegiftet wurden, weil sie "immer alles angrabbeln müssen", fragten die: "Sind Sie blind?" Darüber, dass der Marktbeschicker die Doppeldeutigkeit dieser Frage nicht begriffen hatte, amüsierten sie sich noch lange.

Deshalb bin ich sicher: Diesen blinden Schülerinnen und Schüler wären auch doppeldeutige Fragen zu der oben zitierten Definition von Inklusion eingefallen. Die hatten nämlich etwas gegen Herablassung...Zu Recht. Diese Schülerinnen und Schüler sahen nämlich gelegentlich Dinge, die ich ohne sie glatt übersehen hätte!








Samstag, 8. Dezember 2012

Frage nicht beantwortet


Fax an Staatsanwalt Türkay aus Hannover

Vielen Dank für Ihr Schreiben vom 30. November 2012, dass mich und wohl auch die Kripo von Garbsen gestern erreicht hat. Meine zweimal gestellte Frage, ob es sich bei dem Anrufer, der mir Anfang November 2006 telefonisch eine Entschädigung versprochen hat, tatsächlich um einen Rechtspfleger der Staatsanwaltschaft Hannover mit Namen Wendt oder vielmehr um den Chef der Staatsanwaltschaft Hannover handelte, wurde von Ihnen leider nicht beantwortet.

Mir liegt seit einigen Wochen die Akte der Staatsanwaltschaft Hannover mit allen Vorgängen aus November und Dezember 2003, außerdem aus dem Jahre 2004 vor. Darin enthalten sind eine Hausmitteilung der Kripo Garbsen vom 8. März 2004 und ein Schreiben der Kripo Garbsen, das am 1. September 2004 bei der Staatsanwaltschaft Hannover eingegangen ist. Beide Male wurde auf die Lagerprobleme in Garbsen hingewiesen, die Staatsanwaltschaft Hannover wurde “dringend” um eine Entscheidung über die weitere Lagerung meiner beiden Computer gebeten, zumal die Polizei dafür nur vorübergehend zuständig sei.

Hinweise missachtet

Freitag, 7. Dezember 2012

Die schönsten Liebeserklärungen


















Die ich in meinem Leben gehört habe

"Peter, darf ich dich was fragen? Sind wir jetzt der Mittelpunkt des Alls?"
Einer meiner Neffen bei einer Radtour

"Ich sage jetzt nie wieder Herr Tjaden zu dir. Auch Peter nicht. Ab heute bist du mein Papi."
Der Sohn meiner späteren Ehefrau kurz vor dem Schlafengehen

"Du tust dem Jungen gut."
Eine Mutter auf dem Weg zur Domplatte in Köln

"Kannst du eigentlich noch mehr als Zeitung lesen?"
Eine Frau in einer Kneipe

"Du musst mir nichts zu Weihnachten schenken. Du musst nur da sein."
Einer meiner Neffen kurz vor dem Fest

"Ich habe dich seit 3 Wochen, 2 Tagen und 23 Stunden nicht mehr gesehen."
Ein Sechsjähriger bei einem Fußballspiel

"Komm, wir verstecken uns. Dann findet uns niemand."
Ein Pflegekind, das nie wieder nach Hause wollte

"Kannst du mir den Weg zu meinem Bett zeigen? Allein finde ich das nicht mehr."
Eine Frau in der Altstadt von Hannover

"Mir ist heute Morgen nur deine Telefonnummer eingefallen. Alle anderen habe ich vergessen."
Eine Frau morgens um 5.30 Uhr

"Ich habe geträumt, dass wir in einem Boot sitzen. Ich fühlte mich so geborgen wie noch nie."
Eine Frau, für die ich mich sofort ins Auto gesetzt habe, damit ihr Traum wahr wird

"Füll du das Formular aus. Ich kann nicht mehr schreiben."
Eine Frau vor der ersten Nacht in einem Hotel




Mittwoch, 5. Dezember 2012

Merkels Einheitspartei

...und die sozialdemokratische Antwort

Der Mann kann Kanzler? Peer Steinbrück hat jetzt einen Vortrag bei der Sarasin-Bank abgesagt. Diese Privatbank soll einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge des Steuerbetrugs verdächtig sein. Die Staatsanwaltschaft war etwas schneller als der SPD-Kanzlerkandidat. Rudolf Scharping ist als Gräfinnen-Versenker schon peinlich genug gewesen, aber genug ist Steinbrück offenbar nicht mehr genug.

Die CDU dagegen ist sich wieder einmal selbst genug. In Hannover präsentiert sie sich als Merkels Einheitspartei - und die Bundesbildungsministerin soll sich während der Rede der Parteivorsitzenden gefragt haben, wo die Kanzlerin eigentlich so unauffällig abschreibt, dass es niemandem auffällt.  "Wir alle sind CDU", sagt Merkel. Im Saal sitzen angeblich 1 000 Freundinnen  und Freunde. Für die FDP soll sich Gott zuständig erklären. Ansonsten jedoch kämpft Merkel für die "Chancengesellschaft". Denn Ochs und Esel in ihrem Lauf halten Merkels Einheitspartei nicht auf...

Die von der Parteivorsitzenden servierten Allgemeinplätzchen haben den Delegierten so gut geschmeckt, dass 97,94 Prozent der 1000 Freundinnen und Freunde entschieden: "Die soll weiter kleckern..." Während sich Peer Steinbrück nicht mit Ruhm bekleckert. Was Merkels Einheitspartei, für die sich Gott verständlicherweise nicht zuständig erklärt, davon hält, wenn sich jemand aus ihren ansonsten scheinbar fest geschlossenen Reihen der Wahrheit annähert, hat Ursula van der Leyen erfahren: Sie bekam 69,0 Prozent der Stimmen.

Der Bundesfinanzminister ist nicht nach Hannover gekommen. Der fährt nach eigenem Bekunden schon lange nur noch auf Sicht, während sich Merkel einbildet: "Wir haben Deutschland aus der Krise geführt. Mit einer Erfolgsbilanz ohne Gleichen." Und ohne Gleichungen, die aufgehen. Doch immer wieder geht die Sonne auf. Wie jetzt für die niedersächsische CDU. Die hat sich dieser Tage mit einer eigenen Umfrage belohnt, die überraschenderweise so positiv ausfällt, dass David McAllister sich auch schon in Galgenhumor üben muss. Was Merkel für Deutschland reklamiert, reklamiert der niedersächsische Ministerpräsident für Niedersachsen. Eine Erfolgsbilanz ohne Gleichen. Nun muss Gott der FDP nur noch über die Fünf-Prozent-Hürde helfen.

Der SPD dagegen kann nicht einmal mehr Gott helfen. Sollte Steinbrück Steuerbetrügern noch einmal mit der Kavallerie drohen, sollte er aufpassen, dass er nicht gerade dort einen Vortrag hält, wo die Berittenen blank ziehen.


Montag, 3. Dezember 2012

Alice im Geburtstagsland

Männer rasieren sich morgens nicht

Die achtjährige Virginia O´ Hanlon aus New York hat sich 1897 beim Chefredakteur der "Sun" nach der Existenz des Weihnachtsmanns erkundigt. Den gibt es, versicherte die Zeitung immer zum Fest, bis das Blatt eingestellt wurde. 110 Jahre später nahm ich in der Broschüre "Briefe im Auftrag der kleinen Virginia" diesen Faden wieder auf und verfasste Schreiben an das Bundesfamilienministerium, an die Bundeskanzlerin und an Alice Schwarzer, die heute 70 Jahre alt wird. Antworten ließ ich das emanzipierte Geburtstagskind u. a.: "Seit Jahrhunderten reden Väter ihren Kindern ein und das Schlimme ist auch Mädchen - dass ein Mann die Geschenke bringt, ein Mann mit Bart und in rotem Mantel. Das hätten die Männer gern: Wir Frauen sollen dazu schweigen, dass sich Männer morgens nicht rasieren..."

Laut "Titel, Thesen, Temperamente" (TTT) von gestern hat sich jeder irgendwann einmal mit der "Emma"-Herausgeberin angelegt. Da lag der Moderator dieser ARD-Kultursendung sicherlich falsch. Was Alice Schwarzer so vor sich hin schrieb, hat mich nie sonderlich interessiert. Sie war schließlich nicht meine Schwiegermutter - ich hatte diesen Drachen also nicht alle paar Tage zuhaus. Dann hätte es bestimmt immer wieder gekracht. Diese Frau war mir einfach immer viel zu verbissen und stets zu einseitig.

Dass ich damit nicht ganz falsch lag, bewies Alice Schwarzer als "Bild"-Kolumnistin während des Kachelmann-Prozesses. Sie stöhnte jedes Mal mit der Ex-Geliebten des Wetterfrosches, der irgendwann einmal sehr heftig von der Leiter gefallen sein muss. So was passiert aber nicht nur Männern, das geschieht auch Frauen. Dazu hat mein Deutschlehrer einmal gesagt: "Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit."

Mit der angeblichen gesellschaftspolitischen Relevanz des "Falls Kachelmann" beschäftigt sich Alice Schwarzer immer noch, als sei es völlig unmöglich, dass es hier lediglich um eine Krankengeschichte geht, an der eine Zeitlang auch Juristen und Medien mit geschrieben haben, die mit den Wölfen heulten. Kachelmann wurde schließlich vom Vorwurf der Vergewaltigung frei gesprochen.

Nun haben der Wetterfrosch und seine Frau ein Buch über den Fall geschrieben. Daran verdienen auch Anwälte. Kachelmann will nämlich keinesfalls nur berichten, welchen Einfluss Medien und Juristen auf Gerichtsverfahren nehmen können, er will sich offenbar auch an seiner Ex-Geliebten rächen. Oder warum muss er unbedingt ihren Namen nennen wollen? Das ist doch nur noch peinlich.

Ironisch ist dagegen meine Broschüre "Briefe im Auftrag der kleinen Virginia", die bei Lulu erschienen ist. Auch Alice Schwarzer bekam von mir ein Exemplar. Dafür bedankt hat sie sich nicht. Mit Ironie kann sie möglicherweise nichts anfangen...

Der Link zur Broschüre






Sonntag, 2. Dezember 2012

Die Bundeskanzlerin


Trägt Glockenrock

Ältere Mütter sollen höhere Renten bekommen. Für Kinder, die vor 1992 geboren sind, bekommen Mütter bislang 28 Euro monatlich, für Kinder, die später auf die Welt kamen, gibt es 84 Euro. Mit der so genannten "Mütterrente" beschäftigt sich die CDU im Dezember bei ihrem Parteitag in Hannover. Der Kompromiss könnte lauten: Ältere Mütter bekommen mehr, jüngere Mütter weniger Rente.

Klingt wie eine Meldung aus Schillers Zeiten: "Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder, und herrschet weise im häuslichen Kreise und lehret die Mädchen und wehret den Knaben und reget ohn' Ende die fleißigen Hände." ("Das Lied von der Glocke")

Dass inzwischen viele Mütter nicht mehr nur "drinnen walten", scheinen CDU-Frauen noch nicht mitbekommen zu haben - oder warum bedienen die sich veralteter Begriffe? Warum diskutieren die nicht über eine Elternrente? Sollen Väter, die sich ebenfalls um die Kinder kümmern, draußen vor der Renten-Tür bleiben? Wie wäre es mit einem fiktiven Mindestlohn für Kindererziehung mit entsprechenden realen Rentenansprüchen? Und zwar für Mütter und Väter - ob verheiratet oder nicht.

Als Familienpolitikerin trägt auch Angela Merkel einen Glockenrock. Heute wird sie in der "Bild am Sonntag" so zitiert: "...unser Grundgesetz (sieht) die Ehe in unmittelbarem Zusammenhang mit der Familie und (stellt) beide unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung..." Dabei beruft sich die Bundeskanzlerin auf Artikel 6 des Grundgesetzes: "(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. (3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen. (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft. (5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern."

Dieser Grundgesetzartikel passt in die heutige Zeit wie die FDP. Also kaum noch. Satz 1 sollte schon längst lauten: "Die Familie steht unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung." Satz 4 müsste lauten: "Jede Mutter, jeder Vater und jedes Kind hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft." Die besondere Erwähnung unehelicher Kinder ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Liest man den fünften Satz des sechsten Grundgesetzartikels genau, dann fällt auf,  dass nichteheliche Kinder auch nicht per Verfassung ehelichen Kindern gleichgestellt werden, sondern per Gesetzgebung. Das ist Zwei-Klassen-Recht und gehört abgeschafft.

Für Altkanzler Gerhard Schröder ist Familienpolitik nur "Gedöns" gewesen - und für die heutigen Parteien? Beim Elterngeld treten nächstes Jahr Änderungen in Kraft, die nur von Steuerexperten durchschaut werden können, bei der Schaffung von Kindergartenplätzen wird das Ziel klar verfehlt, an den Schulen fehlen 80 000 Lehrerinnen und Lehrer, die Mehrheit der Kinder von Eltern, die Hartz IV beziehen, hat sich bereits mit einem Leben im finanziellen Abseits abgefunden.

Flickschusterei hilft da nicht weiter, sondern nur klare Kante. Besonderer Schutz hilft nicht weiter, wenn die Verhältnisse nicht besonders sind. Zu besonderen Verhältnissen gehören aber auch neue Begriffe, denn nur der, der etwas begreift, kann auch Veränderungen gestalten. Sonst rennt er den Veränderungen nur hinterher, bis ihm die Luft ausgeht.

Für die Kinder etwas tun, sollte der größte Spaß werden, den wir uns vorstellen können. Auf diesem Fundament könnte eine neue Welt entstehen.  









Sonntag, 25. November 2012

Hahnes Gottesstaat

Als Selbstmordattentäter auf Weihnachtsmarkt?

"Hier helfen keine Vorschriften, nur Vorbilder. Der frühere Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe hat recht, wenn er zum Boykott dieser Märkte aufruft. Und die Kirchen sollten sich fragen, wie es dazu kommen kann, dass man in Deutschland immer mehr den Respekt vor dem Glauben verliert; dass es den Menschen egal ist, ob Traditionen und Konventionen vor die Hunde gehen. Da kann man sich an denen ein Beispiel nehmen, die ihr Denken an den Suren des Koran ausrichten und so etwas mit ihren Riten und Regeln nie machen ließen."

Klettert Peter Hahne heute als Kolumnist der "Bild am Sonntag" den Weihnachtsmarkt-Veranstaltern, die den Totensonntag nicht abwarten können, auf den Tannenbaum. Ob er sich inzwischen als Selbstmord-Attentäter auf einem Weihnachtsmarkt in die Luft gesprengt hat, meldeten die Sender noch nicht. Vielleicht will er damit bis nach dem Totensonntag warten.

Mit "vor dem Glauben" meint Peter Hahne den christlichen Glauben, als sei der in der Bundesrepublik Deutschland Staatsreligion und der einzig mögliche. Ist er aber nicht. Manchmal sind wir allerdings dicht dran gewesen. In Bayern zum Beispiel, wenn katholische Geistliche ihren Schäfchen die Warnung mit auf den Weg gegeben haben, dass SPD wählen den direkten Weg in die Hölle bedeuten könnte. Das glauben in diesem Freistaat einige immer noch. Peter Hahne ist in Ostwestfalen geboren. Das ist auch so eine Region, in der nicht alle Hirn abbekommen haben.

Was sich die Kirchen fragen sollten, hat Peter Hahne nicht entschleiert. Welche Traditionen und Konventionen meint er? Hexen verbrennen? Kreuzzüge gegen Andersgläubige führen? Kaiser nach Rom kriechen lassen? Was die Regierung glaubt, haben alle anderen auch zu glauben? Hitler gewähren lassen? Nazis nach Südamerika schleusen? Mafia-Geld waschen? Heimkinder quälen? Kirchliche Angestellte in sozialen Einrichtungen, die zum größten Teil vom Staat finanziert werden, schlecht bezahlen?

Hätte Martin Luther das Geschenke machen nicht von Nikolaus auf Weihnachten verschoben, würden die Märkte Nikolaus-Märkte heißen und noch früher stattfinden. Dann würde sich Peter Hahne noch mehr aufregen? Er kann doch hingehen, wo er hingehen will. Auf einen Weihnachtsmarkt - oder dort hin, wo der Pfeffer wächst...


Sonntag, 18. November 2012

Zeitungssterben

"Frankfurter Rundschau" das erste prominente Opfer?

"Die "FR" droht das erste prominente deutsche Opfer des Strukturwandels in der Medienbranche zu werden. Damit erreicht ein Phänomen die Bundesrepublik, das andere Länder seit Jahren kennen: das Zeitungssterben, drastischstes Symptom der Krise des herkömmlichen Verlagsgeschäfts. Und es ist ein makaberes Symbol, dass die meisten "FR"-Beschäftigten über SPIEGEL ONLINE - also ausgerechnet ein Internetmedium - erfahren mussten, dass ihre Zeitung einen Insolvenzantrag gestellt hat."

Das Blatt habe sich nun einmal gewendet, behauptet "Spiegel online" und schleudert Adjektive ins weltweite Netz: "drastisch", "makaber". Schlimm ist also nicht etwa, dass die meisten Beschäftigten der "Frankfurter Rundschau" (FR) nicht von ihren Arbeitgebern über den Insolvenzantrag informiert worden sind, schlimm ist, dass sie vom "Spiegel" informiert wurden - und dann auch noch im Internet? Soll ich eine solche Betrachtungsweise pervers nennen? Bekäme die FR-Redaktion in den nächsten Wochen freie Hand für Berichte über die Art und Weise, wie Arbeitgeber mit Arbeitnehmern umgehen, könnte dieses Blatt auferstehen wie Phoenix aus der Asche. Wären da nicht die Anzeigenkunden, die diesen Vogel am langen Arm ein zweites Mal verhungern lassen würden.

Die "Frankfurter Rundschau" ist nach dem Zweiten Weltkrieg die erste Zeitung gewesen, die im amerikanischen Sektor eine Lizenz bekam. Damals galten die Verleger, die sich der faschistischen Gleichschaltung nicht widersetzt hatten, als für alle Zeiten verbrannt. Sie wurden "Altverleger" genannt und bekamen Berufsverbot. Dieses Berufsverbot wurde mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland aufgehoben, galt aber in der DDR weiter.

Großes Interesse an Presse- und Meinungsfreiheit bestand hier zu Lande nicht, Konrad Adenauer wollte sogar ein Staatsfernsehen gründen. Gestoppt wurde er 1961 vom Bundesverfassungsgericht. Deswegen sind uns Nachrichten wie diese erspart geblieben: "Der Parteivorsitzende der CDU und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, der ehemalige Oberbürgermeister von Köln und entschiedene Gegner der NSDAP, der aufrechte Christdemokrat, der 1956 die KPD verboten hat und den "Spiegel"-Herausgeber Rudolf  Augstein in den Kerker warf, hat heute sein Amt in die Hände des Vaters des Wirtschaftswunders gelegt. Ludwig Erhard erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass er Adenauer stets als großes Vorbild ehren und im Sinne seines Vorgängers wirken werde, bis der Tod die Bundesrepublik Deutschland und ihn scheide. Schriftstellern, die nicht erkennen könnten, dass nur die CDU eine weise Regierung stellen könne, bezeichnete er als Pinscher, die ihm aber nicht ans Bein pinkeln könnten, weil das deutsche Volk erkenne, wer es gut mit ihm meine und wer nicht."

Die Alt-Verleger waren also 1949 zurückgekehrt. Die Titel, die sie herausgaben, kannten die Leute - und da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, wurden sie auch wieder gekauft. Dennoch gab es lange Zeit in allen großen Städten mehrere Lokalzeitungen. In Wilhelmshaven waren es während meiner Schülerzeit drei: die "Wilhelmshavener Zeitung" (Alt-Verleger), die "Wilhelmshavener Nachrichten" und die "Wilhelmshavener Rundschau". Die "Wilhelmshavener Nachrichten" wurden geschluckt, die "Wilhelmshavener Rundschau" nach einem Intermezzo als "Wilhelmshavener Presse" eingestellt. Die Alt-Verleger gewannen den Verdrängungswettbewerb, denn um Vielfalt ist es nie gegangen, sondern um das Geschäft mit der Meinung, die sich in bare Münze verwandelt.

Zeitungssterben ist keinesfalls ein Phänomen, das nur in anderen Ländern seit Jahren bekannt ist. Die Zahl der Zeitungen mit einer Vollredaktion sank in der Bundesrepublik Deutschland unaufhörlich, die Deutsche Presseagentur (dpa) lieferte das Überregionale und versah diese Nachrichten auch noch mit Hinweisen, was als besonders wichtig und was als eher unwichtig zu gelten hatte. Redakteure folgten diesen Hinweisen blind.

Dabei ist die Deutsche Presseagentur nur selten eine verlässliche Informationsquelle gewesen. Das stellte ich als Redakteur einer Tageszeitung 1984 und 1985 schnell fest. Bei fast jeder Recherche, ob denn auch stimmte, was diese Agentur zitiert hatte, musste ich erkennen: Fast alles wurde munter aus dem Zusammenhang gerissen. Politikerinnen und Politiker fielen aus allen Wolken, wenn ich ihnen vorlas, was die Deutsche Presseagentur gemeldet hatte. Sie schickten mir ihre Reden - dann fiel auch ich aus allen Wolken. Meine Kolleginnen und Kollegen nannten mich "dpa-Kontrolleur".

Vor vier Jahren habe ich Väter bei einer Demonstration begleitet, die vor dem Elternhaus der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in Burgdorf endete. Die Ministerin war nicht da, weil  sie gerade auf dem Opernplatz von Hannover für einen guten Zweck Kekse verkaufte. Dennoch meldete dpa: "Väter haben heute in Burgdorf  der Bundesfamilienministerin ihre Forderungen überreicht."

"Eine Zensur findet nicht statt", heißt es im Grundgesetz. Warum auch sollte jemand etwas von außen erledigen, wenn etwas von innen viel besser klappt? So dumm wie die CSU ist doch nicht jeder. Das Zweite Deutsche Fernsehen muss doch gar nicht "auf den rechten Weg" gezwungen werden. Wer vor dem "heute"-Journal ein Laufband einblendet, auf dem die Wörter "Asylanten" und "Problem" miteinander verknüpft werden, weiß doch, wie man Menschen diffamiert - und schlampig mit Begriffen umgeht.

Geschlampt wird auch mit wichtigen gesellschaftlichen Themen. Was keine Auflage zu bringen scheint, kommt kaum vor. So hat mir der "stern" vor vier Jahren geschrieben, dass die Redaktion, die sich um gesellschaftliche Probleme kümmere, so dünn besetzt sei, dass sie fast jedes Thema vernachlässigen müsse. Wer aber am Alltag der Menschen vorbei schreibt, der wird mit Zeitungssterben bestraft - und auf dem Fuße folgt das Internet...

Rettungsversuch: FR für drei Monate abonnieren

Donnerstag, 15. November 2012

Peeristian

Macht Peer Steinbrück jetzt den Christian Wulff?

Noch nie ist ein SPD-Kanzlerkandidat so transparent gewesen wie Peer Steinbrück. Erst hat er alle Honorare für alle Vorträge offen gelegt - hat aber leider ein paar vergessen, jetzt ist er dabei ertappt worden, dass er für seine Vortragsreisen die kostenlose Netzkarte der Deutschen Bundesbahn genutzt hat, weil er sonst nicht alle Vortragstermine geschafft hätte. Ein Schnorrer ist der Peer aber nicht. Der Steuerzahler leidet schließlich nicht darunter, wenn jemand als Schwarzfahrer unterwegs ist.

Eines sollte der SPD-Kanzlerkandidat aber keinesfalls tun: "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann den Anrufbeantworter vollquatschen. So was landet schnell bei der "Süddeutschen Zeitung" - und schon wäre der Peer ein Peeristian. Deswegen sollte der SPD-Kanzlerkandidat besser darauf hoffen, dass diese Boulevardzeitung, die offensichtlich Spaß daran bekommen hat, transparente Politiker auch noch zu enthüllen, irgendwann mit der Enttarnung aufhört.

Dafür ist nur etwas Geduld vonnöten. Denn SPD-Kanzlerkandidat ist Peer Steinbrück nur vorübergehend - dann wird aus ihm wieder ein gut bezahlter Vortragsreisender, der auch seine Honorare nicht mehr offen legen muss. Das ist die Sache doch wohl wert.


Mittwoch, 14. November 2012

Geduldiges Internet


Der Vorhang zu - und alle Fragen offen

"Unsere Leistungen wollen wir ständig verbessern. Ihre Anregungen nehmen wir deshalb jederzeit gerne entgegen und werden sie - soweit es uns möglich ist - aufgreifen.

Ihr
Manfred Wendt"

"Die Therapiekette Niedersachen (TKN) ist eine Arbeitsgemeinschaft niedersächsischer Drogenhilfeeinrichtungen (allesamt Mitglieder im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband). Ihr Ziel ist die Vermittlung und Behandlung von Drogenabhängigen in qualifizierten Hilfsangeboten durch eine Verbesserung der Zusammenarbeit und Koordination von ambulanten und stationären Einrichtungen. 1981 wurde das Konzept der Therapiekette von der niedersächsischen Landesregierung als bundesweit modellhaft anerkannt."

Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg

"Sucht ist ein Thema in unserer Gesellschaft.
Wir alle können vorbeugen, mehr wissen, beistehen oder betroffen sein.

Die STEP hilft, neue Wege zu gehen."

Step gGmbH Hannover

Das Netz ist geduldig. Deshalb kann der Chef der hannoverschen Staatsanwaltschaft auch ungestraft behaupten, dass er Anregungen gern entgegen nehme. Manfred Wendt hat auch schon an der Spitze dieser Behörde gestanden, als die Staatsanwaltschaft von Hannover ein Ermittlungsverfahren gegen mich erst verschleppte und dann völlig vergaß. Als der Spuk zu Ende war, meldete sich bei mir ein angeblicher Rechtspfleger, der angeblich Wendt hieß. Er versprach mir eine Entschädigung. Mein Verdacht, dass es sich bei dem Anrufer gar nicht um einen Rechtspfleger, sondern um den Chef persönlich gehandelt hat, ist bis heute nicht ausgeräumt. Ob ich richtig liege, wird mir allerdings bislang nicht verraten. Eine entsprechende Anfrage bei der Pressestelle der Staatsanwaltschaft Hannover schmort unbeantwortet vor sich hin.

Schaun Sie doch mal hier

Das Netz ist geduldig. Die Behauptung der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg, sie gehöre einem 1981 von der niedersächsischen Landesregierung anerkannten Netzwerk an, mag zwar zutreffend sein, dass die Therapiekette jedoch auch heute noch solch eine Auszeichnung bekäme, ist fraglich. Die Liste der angeschlossenen Einrichtungen ist fehlerhaft, die Anlaufstelle in Hannover schon lange geschlossen, der Ansprechpartner für Ratsuchende ließ kürzlich seine mail-Adresse löschen, weil er schon lange nicht mehr für diese Therapiekette arbeitet.

Schaun Sie doch mal hier

Das Netz ist geduldig, die Behauptung der Step gGmbH Hannover zutreffend. Die geht wirklich völlig neue Wege. Der Geschäftsführer Serdar Saris wirft gerade entwickelte Konzepte wieder über den Haufen und versucht sich offenbar vergeblich an einer neuen Ausrichtung. Bei der Kommunikation werden geradezu revolutionäre Neuheiten eingeführt.

Schaun Sie doch mal hier


Spieleportal als Kooperationspartner?

14. November 2012. Schon fiel mein Blick auf die Internet-Seiten der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg, auf denen die Kooperationspartner aufgezählt werden. Einen dieser Texte habe ich in kursiver Schrift diesem Beitrag vorangestellt. Eltern, deren Kinder nicht in der Schule sind oder im Kindergarten, sollten erst einmal die Kleinen vom Computer fernhalten, bis sie den Link anklicken, der zu den Zeilen über den Fachverband Drogen und Rauschmittel gehört.

Schon bedecket Finsternis die Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg, denn: Dieser Link führt auch zu gewaltverherrlichenden Spielen! Die Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg verlinkt beispielsweise ein Spiel, bei dem man zum Töten aufgefordert wird.

Spieleportal als Kooperationspartner?




Sonntag, 11. November 2012

Die Narren sind los

Nun beginnt wieder die närrische Zeit, die dauert für Karnevalisten bis Aschermittwoch, für Politiker 365 (in Schaltjahren 366) Tage im Jahr. Da kommt das neue Spitzenduo der Grünen gerade rechtzeitig. Die so genannte Basis hat sich für Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt entschieden. Sofort eilten die beiden zur "Bild am Sonntag" und arbeiteten fein säuberlich die Unterschiede zur CDU heraus. Göring-Eckardt: "Frau Merkel hat gerade das Betreuungsgeld durchgesetzt, statt für genügend Kita-Plätze zu sorgen."

Laut "Bild am Sonntag" ist die 46-Jährige eine "bürgerliche Kirchenfrau" aus Erfurt - und wohl erst seit wenigen Stunden Mitglied der Grünen, die zudem noch nie irgendwo mitregiert haben - weder im Bund noch in den Ländern, auch in keiner Kommune. In Nordrhein-Westfalen ist diese Partei wahrscheinlich gänzlich unbekannt, denn dort gibt es Kindertagesstätten, in denen sich sechs Erzieherinnen um 95 Kinder kümmern müssen, für die schon bei Sponsoren gebettelt werden muss, damit die Kleinen ihre Malstifte nicht von zu Hause mitbringen müssen. Als Erzieherinnen in Düsseldorf auf die Straße gingen, weil sie sich außerstande sahen, Kinder auch noch zu fördern, da es ihnen manchmal nicht einmal gelingt, die Kleinen in Schach zu halten, war Katrin Göring-Eckardt wohl gerade in der Kirche und interpretierte dort den Satz von Jesus: "Lasset die Kindlein zu mir kommen."

Alle haben sie diese Woche einen Schrecken bekommen. In Deutschland fehlen wesentlich mehr Kindergartenplätze als gedacht. Dass viele von den vorhandenen schlecht ausgestattet sind, weiß eigentlich jeder. Nun sollen es noch mehr noch schlechter ausgestattete Kindergartenplätze werden?  Wenn da Eltern sagen, wir kümmern uns lieber selbst um unsere Kinder, dann sind die auf dem Holzweg, während der Weg der Grünen gepflastert ist mit Segnungen für die Kleinen?

Genauso schlimm ist die FDP. In Niedersachsen marschieren die Liberalen nun los und behaupten, dass die Bildungsausgaben von Jahr zu Jahr steigen. Zögen die von der Ausgabensumme das ab, was von der Inflation aufgefressen wird, müsste die FDP diese Behauptung sofort wieder zurückziehen. Aber Leute für dumm verkaufen, ist schon immer preiswerter gewesen. Falls die alle einen Kindergarten besucht haben sollten, wäre das ein weiteres Armutszeugnis für das deutsche Bildungssystem.

Dass Angela Merkel daran etwas ändert, wenn sie nun Schrottpanzer an Indonesien verkauft, damit Geld in die Kasse kommt, kann man nur bejahen, wenn man Bürgerkrieg in anderen Ländern für der Weisheit letzten Schluss hält...In den USA stolpert derweil ein General nicht über Völkermord, sondern über eine Geliebte. Helau!

Donnerstag, 8. November 2012

Fiktives Interview


Mit einer Sozialmanagerin

Tjaden stoppen: Das finde ich sehr clever von Ihnen. Haben Sie eigentlich auch einmal in einer Einrichtung gearbeitet, in der Sie Briefe mit Absenderangabe bekommen haben?
Gisela van der Heijden: Das Glück hatte ich noch nicht. Kaum war in der Finneck-Stiftung ein Behinderter fast in der Badewanne ertrunken, ging es los. Dass die anonymen Briefe von dem Behinderten kamen, konnte ich ausschließen. Der lag im Koma.

Irrsinn mit Methode

Sonntag, 4. November 2012

Panzer auf Golanhöhen

Erinnerungen an einen Israel-Besuch

"Drei syrische Panzer sind in die demilitarisierte Zone auf den Golanhöhen eingedrungen. Israel hat daraufhin bei der UN-Friedenstruppe in der Pufferzone Beschwerde eingelegt."

Ist auch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nur eine Kurzmeldung, die ich schon gestern auf einer Videotext-Tafel eines Fernsehsenders gelesen habe. Plötzlich saß ich wieder mit einer Reisegruppe aus dem damaligen Landkreis Hannover in einem Bus, der an den Golan-Höhen vorbeifuhr. Wir schrieben den 18. Oktober 1985, hatten täglich ein volles Besuchsprogramm, kamen aus Tiberias am See Genezareth. Unser Reiseleiter erzählte uns von heimtückischen Angriffen der Syrer, die auf den Golan-Höhen Stellung bezogen hatten und Zivilisten unter Beschuss nahmen. Panzer, die von Israel im Yom-Kippur-Krieg erobert worden waren, sollten wir gut eine Woche später besichtigen. Ein rot angemalter Panzer stand auf dem Weg zur Gedenkstätte für die Golani-Brigade am Straßenrand, unser Reiseleiter sagte: "So wollen wir den Kindern die Angst vor Waffen nehmen."

Dieser Satz führte zu erregten Diskussionen, wir konnten nicht begreifen, warum ein Staat Kinder an Krieg gewöhnen will und verweigerten einen Besuch der Gedenkstätte. "Wir schauen uns keine Panzer an", machte die Mehrheit unserer Reisegruppe Rast in einem Waldstück, während unser Reiseleiter mit dem Rest die Gedenkstätte besuchte. Anschließend fuhren wir mit dem Bus zu den Golan-Höhen. Wieder sorgte unser Reiseführer für Diskussionsstoff. Kamen wir an fruchtbarem Boden vorbei, sagte er: "Das behalten wir." War der Boden nicht fruchtbar, sagte er: "Das können die Syrer wiederbekommen." So, antworteten wir, wird das nichts.

Die 14 Tage, die wir in Israel verbrachten, glichen einem Wechselbad der Gefühle. Wir begegneten streng religiösen Juden und wenige Stunden später religiösem Kommerz am Jordan, wo sich Pilger taufen ließen. Leere Kunststoffflaschen für Wasser aus dem Jordan kosteten umgerechnet eine Mark. Auf dem Weg nach Haifa kamen wir an dem Gefängnis vorbei, in dem Adolf Eichmann gesessen hatte und wurden von der eigenen  Geschichte eingeholt. Wir standen unter Olivenbäumen, unter denen wahrscheinlich auch Jesus gestanden hat, und an der Klagemauer.

Mit meinen Gasteltern machte ich am Wochenende Ausflüge, er kam aus dem Iran, sie aus Australien, die Mädchen waren 14 und 12 Jahre alt, der Vater arbeitete als Biologielehrer, die Mutter als Krankenschwester. "Wir müssen beide arbeiten", sagten sie, "sonst kommen wir nicht über die Runden." Wir besuchten Familien, bei denen wohl Tag und Nacht der Fernseher lief. Catchen im Schlamm schien so eine Art Quoten-Bringer zu sein.

Ein so kleines Land mit derart vielen Gegensätzen war nicht nur spannend, sondern auch anstrengend. Flog irgendwo etwas in die Luft, reagierten unsere Gastgeber scheinbar gelassen. Wir saßen in einem Restaurant beim Essen, als wenige Meter entfernt eine Bombe explodierte. Darum sollten wir uns nicht kümmern. Wir sollten es uns schmecken lassen.

Wie jede offizielle Reisegruppe besuchten wir die Holocaust-Gedenkstätte und legten einen Kranz nieder. Auf der Allee der Gerechten stand eine Skulptur, die eine Mutter darstellte, ihr Mund war ihr Gesicht. Unser Reiseleiter nahm mich wieder einmal beiseite: "Es ist schön, dass wir nun Freunde sind. Wir verstehen uns zwar nicht immer, aber davon sollten wir uns nicht beirren lassen." Recht hatte er. Vielleicht auch deshalb stören mich syrische Panzer auf den Golan-Höhen.

Die beiden Mädchen von damals sind nun 39 und 41 Jahre alt. Ihnen schicke ich ein






Donnerstag, 1. November 2012

Kein Hoch

Auf Kachelmann

Heute hat Jörg Kachelmann in der "Bild"-Zeitung Post von Wagner bekommen. Der schrieb dem ehemaligen TV-Wetterfrosch auf Seite 2: "Deshalb sage ich Ihnen jetzt wirklich ins Gesicht: Sie sind ein miserabler Mann." Schlagzeilen machte Kachelmann in der gleichen Ausgabe auf Seite 1 "Er will 13 352,69 Euro von ihr - Kachelmann und Ex-Geliebte wieder vor Gericht" und auf Seite 8 "Kachelmann und seine Ex-Geliebte - Vor Gericht würdigten sie sich keines Blickes". Abgelichtet wurde der Kläger mit seinem Anwalt Johann Schwenn, der laut Internet-Auftritt nicht nur rechtschaffen ist, sondern auch Recht schaffen will. Deshalb vertritt seine Kanzlei auch jeden Scharlatan - und jetzt eben einen andersartig Durchgeknallten, dem auch mit Actimel nicht mehr zu helfen ist.

Derzeit tingelt Kachelmann mit seiner Frau und einem Buch durch die Lande. So will er Prozessgeschichte machen. Auch auf seiner Ex-Geliebten hackt er weiter herum. Von der verlangt er nun das Geld, das er für Gutachten ausgegeben hat, um zu beweisen, dass er Dagmar D. nicht vergewaltigt hat, statt die 39-Jährige, die genug Probleme haben dürfte, endlich in Ruhe zu lassen. Mit Johann Schwenn fand Kachelmann den richtigen Anwalt für das Waschen dieser Schmutzwäsche. Doch sauber wird nichts mehr.

Auch vor dem Frankfurter Landgericht wird Kachelmann seine Unschuld nicht beweisen können. Bei einer erfundenen oder tatsächlichen Vergewaltigung gibt es meistens nur zwei Zeugen. Kachelmann ist freigesprochen worden. Das müsste ihm eigentlich genügen. Aber offenbar will er Dagmar D. so fertig machen, dass sie auf keine "Bild"-Seite mehr passt. Fertig macht sich Kachelmann aber auch selbst. Warum nur wirft er sich der "Bild"-Zeitung immer wieder zum Fraß vor?

Ebenfalls zum Weinen: Little girl cries (wegen Wahlkampf in den USA)

Sonntag, 28. Oktober 2012

Ruhrpott-Deutsch

Wenn ein Feuerwehrmann ein Exempel stationiert

"Ich werde nun ein Exempel stationieren. Wenn das nichts hilft, wird das Haus ejakuliert."

Diese Probleme mit Fremdwörtern haben laut Dr. Stratmann nicht nur Feuerwehrmänner, sondern alle, die im Ruhrpott leben. Wenn dieser Komiker auf der Bühne steht, bleibt kein Auge trocken. Mit Fremdwörtern hat der es ebenso wenig, wie mit Theaterbesuchern, die ihm mit EN auf dem Nummernschild die Einfahrt zum Bühneneingang zuparken, oder mit Ostwestfalen. Die sollten nach seiner Auffassung nicht Medizin, sondern Geschichte auf Lehramt studieren...

Was aber eigentlich ist dran an den Ostwestfalen, dass sich so viele über sie lustig machen? Eigentlich nichts. Bei meinem ersten Besuch in Münster habe ich auf einem Platz in der Altstadt meine Freundin geküsst. Sofort wurde uns mit der Polizei gedroht. Wir knutschten weiter in Düsseldorf. Seither habe ich keinerlei Zweifel an der Behauptung von Dr. Stratmann, es sei noch gar nicht so lange her, dass man in Ostwestfalen nicht gewusst habe, was Sex ist.

Aus Münster kommen nun auch die ersten Durchhalteparolen für die Piraten-Partei, die sich derzeit in Niedersachsen auf eine Wahlniederlage vorbereitet. Kaum ist jemand Kandidat, steht er im Shitstorm. Offenbar handelt es sich bei vielen Piraten um eine Spezies, der nicht einmal mehr ein Nervenarzt helfen kann. Ob Piraten ejakulieren nützlich wäre, darf ebenfalls bezweifelt werden.

Ebenfalls nicht hilfreich ist der Hinweis, die Piraten-Partei sei noch nicht korrumpiert. Wer besticht schon jemanden, der einen Stich hat? Dazu müsste er schon Pressesprecher der CSU werden. Der kann anschließend zur Beichte gehen und 10 Ave-Horst aufsagen, damit aus dem Lerchenberg kein Golgatha wird.



Mittwoch, 24. Oktober 2012

Kasten Bier statt Farbe

Bleibt nur ein Job im Jugendamt oder als Gutachter

Würde ein Maler immer wieder den Kasten mit Bier mit dem Farbeimer verwechseln, würde er nie fertig werden. Bekäme er wegen Trunkenheit am Pinsel die Kündigung, könnte er immer noch in vielen Jugendämtern, als Familienrichter oder Gutachter einen Job finden. Dann müsste er nicht einmal mehr wissen, wie sich ein Kasten mit Bier von einem Farbeimer unterscheidet. Was er täte, wäre Anwendung einer Erfahrungswissenschaft - und wer wollte es einem Maler verdenken, dass ihm die nötige Erfahrung fehlt?

Das Jugendamt von Eutin beispielsweise darf man nicht darauf hinweisen, dass man irrtümlicherweise zwei Gesprächstermine bekommen hat. Weist man dann auch noch darauf hin, dass einem der erste Termin nicht in den Berufsalltag passt, werden beide Termine wieder gestrichen. Man bekommt nie wieder einen.

Etwas weiter südlich praktiziert ein Gerichtsmediziner, der bei der Untersuchung von drei Kindern feststellt, dass keins der Kinder sexuell missbraucht worden ist. Was aber nicht bedeute, dass ein sexueller Missbrauch ausgeschlossen sei. Als Gerichtsmediziner weiß man eben nie...

Begibt man sich anschließend nach Nordrhein-Westfalen, dann ist dort wohl immer Karneval. Ein fast 80-Jähriger hat als Gutachter etwas gegen Mütter mit einem Tatoo, eine Familienrichterin mag Großeltern nicht - und wenn eine Frau in ein Jugendamt ruft, ob eine der Mitarbeiterinnen oder einer der Mitarbeiter Kinder hat, lautet die Antwort: "Die gibt´s hier nicht." Für Kinder sind die auch nicht zuständig - die sind auf Kindesentzug spezialisiert.

Es könnte so einfach sein - ist es auch. Bekommt man keinen neuen Job als betrunkener Maler, sollte man Dr. phil. werden. Die geben sich überall ein Stelldichein - und zwar sogar dann noch, wenn sie Kant für einen deutschen Nationalspieler halten. Dass es einmal einen gegeben hat, der Kahn hieß, ist denen kaum vermittelbar, deswegen sind die auch so leicht an Familiengerichte und Jugendämter zu vermitteln...Sind manchmal auch Postboten darunter, die anschließend ein Buch darüber schreiben, wie irre man sein darf, wenn man sich nur richtig bewirbt.

Wer klar denkt, kann sich auch klar und kurz ausdrücken, hat mir einmal ein Schriftsteller gesagt. Genau deswegen kommt kaum ein Gutachter mit weniger als 100 Seiten aus, verfassen Familienrichter Beschlüsse, in denen sie erst einmal auf mehreren Seiten frühere Beschlüsse falsch wiedergeben, damit der neue Beschluss auch nicht richtig sein muss, behauptet so manches Jugendamt, es habe einer Mutter bereits geholfen, als sie im Alter von sieben Jahren schwanger geworden sei. Man hat ja nicht immer einen Taschenrechner auf dem Schreibtisch...

Dann heißt es oft: "Ab ins Heim!" Leider für die Kinder, leider nicht für diese Jugendamtsmitarbeiter, Gutachter und Familienrichter. Dann doch lieber ein Maler mit Trunkenheit am Pinsel.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Ich hätte da...

...gern einmal eine Frage

Vor Wahlen werfen nicht nur Parteien, Fernseh- und Rundfunksender, sondern auch Magazine wie der "stern", der schon immer einmal die deutsche Geschichte umschreiben wollte (und sei es mit gefälschten Hitler-Tagebüchern), Geld für Umfragen aus dem Fenster. Dieses Mal für eine über die Arbeit des niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister.

Morgens um 10 Uhr in Alzey. Das Telefon klingelt bei der Weinbäuerin Emilie Kröhl.

Der Anrufer: "Haben Sie eine Minute Zeit für mich?"
Emilie Kröhl: "Wenn´s nicht länger dauert..."

Der Anrufer: "Wir machen eine Umfrage im Auftrag des ´stern´."
Emilie Kröhl: "Kenn ich. Das ist ein Lokal in Worms."

Der Anrufer: "Nein, ich meine das Magazin aus Hamburg."
Emilie Kröhl: "Hamburg? Da war ich noch nie. Längere Reisen ins Ausland kann ich mir nicht leisten."

Der Anrufer: "Hamburg liegt nicht im Ausland, sondern an der Elbe."
Emilie Kröhl: "Die Minute ist um. Auf Wiederhören."

Nach 49 Telefongesprächen solcher Art notiert der im Auftrag des "stern" Anrufende: "Niemand kennt David McAllister."

Drei Tage später, morgens um 10 Uhr in Flensburg. Das Telefon klingelt bei dem wegen des Schengener-Abkommens pensionierten Grenzbeamten Jan Wilken.

Der Anrufer: "Haben Sie eine Minute Zeit für mich?"
Jan Wilken: "Schießen Sie los, junger Mann."

Der Anrufer: "Wir machen eine Umfrage im Auftrag des ´stern´."
Jan Wilken: "Nördlicher oder südlicher Sternenhimmel?"

Der Anrufer: "Nein, ich meine das Magazin aus Hamburg."
Jan Wilken: "Hamburg? Fein! Da wohnt meine Tante Ilse. In Eimsbüttel."

Der Anrufer: "Es geht nicht um Ihre Tante. Es geht um David McAllister."
Jan Wilken: "Wenn der meiner Tante was getan hat, dann..."

Der Anrufer: "Nein. Hat er nicht."
Jan Wilken: "Dann ist ja gut. Auf Wiederhören."

Nach 36 Telefonanrufen solcher Art notiert der im Auftrag des "stern" Anrufende: "36 Bundesbürger bewerten die Arbeit von David McAllister positiv."

Zwei Tage später um 16 Uhr. Das Telefon klingelt beim Matrosen Hinnerk Schulz in Emden.

Der Anrufer: "Haben Sie eine Minute Zeit für mich?"
Hinnerk Schulz: "Ich war eine Woche mit unserem Frachter auf See. Was gibt es?"

Der Anrufer: "Wir machen eine Umfrage im Auftrag des ´stern´."
Hinnerk Schulz: "Fiete? Unser Smutje gibt Umfragen in Auftrag? Der kann doch nicht mal kochen."

Nach 15 Telefongesprächen solcher Art notiert der im Auftrag des "stern" Anrufende: "15 Prozent der Bundesbürger halten nichts von David McAllister."




Samstag, 13. Oktober 2012

Peace? No!

Mein erster Tag als Friedensnobelpreisträger in Carolinensiel

Als Vorschuss auf das Preisgeld, das ich im November in Oslo bekomme, habe ich heute in Jever mein Auto vollgetankt und bin nach Carolinensiel gefahren. Dort standen Windmühlen aus Holz vor einem Souvenirladen. Eine Mühle schnappte ich mir, ging damit in das Geschäft und erklärte in einer kurzen Ansprache, dass ich mit diesem Geschenk meine freundschaftlichen Beziehungen zu den Niederlanden festigen wolle. Bezahlen werde ich in vier Wochen, beendete ich meine Rede, wenn die knappe Mille auf meinem Konto sei.

In ihrem Geschäft, entgegnete die Verkäuferin, müsse alles bar bezahlt werden. Nicht einmal Bezahlung mit Karte werde akzeptiert. Die ich ihr wohl auch von einer Südseeinsel schicken würde, wenn ich als Friedensnobelpreisträger die knappe Mille abgestaubt hätte. Die Mühle solle ich wieder dort hinstellen, wo ich sie weggestellt hätte.

Wie konnte sich nur jemand so anstellen, fragte ich mich, als ich mich wieder nach draußen begab, wo zwei Kinder an einer Hundeleine zerrten. Als noch etwas ungeübter Friedensnobelpreisträger hatte ich den Streit nach zehn Minuten geschlichtet. Der Junge zog mit dem Hund vondannen, das Mädchen weinte, was die Eltern auf den Kriegsplan rief. Das sei der Hund ihrer Tochter, keiften sie, den mit meiner Hilfe soeben ein diebischer Knabe gestohlen hätte. Sie riefen die Polizei, die den Jungen am Hafen stellte, wo er gerade einem älteren Ehepaar den Hund verkaufen wollte. Nun weinte auch der Junge.

Ruhe erhoffte ich mir im Sielhafenmuseum. Dort ließ ich mir an der Kasse den Besitzer kommen, dem ich eine Beteiligung anbot, sobald ich aus Oslo zurück sei. Dieses Angebot lehnte er ab und gab mir zu verstehen, dass ich von diesem Museum nur etwas hätte, wenn ich Eintritt zahlte wie alle anderen Friedensnobelpreisträger.



Donnerstag, 11. Oktober 2012

Irres aus Münster

Jugendamtsmitarbeiter macht sich über Oberbürgermeister lustig

Andere Städte – andere Sitten? Wenn ich in Wilhelmshaven Ärger mit einer Behörde hätte, mich deswegen an Oberbürgermeister Andreas Wagner wenden würde, bekäme ich dann von dieser Behörde die Antwort: “Glauben Sie, dass der Oberbürgermeister sich darum kümmert? Wo sind wir denn?” In Münster…

Geschehen in Münster-Kinderhaus

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Hoff hofft

"journalist"-Autor will endlich recherchieren

"Wer recherchiert noch wirklich? Wer hat je recherchiert? Natürlich wird der Mythos Recherche hochgehalten, aber mal ganz im Ernst: Früher bedeutete Recherche oft auch nur, einen Anruf ins Archiv zu tätigen und sich alles, was bereits erschienen war, auf den Schreibtisch legen zu lassen. Heute heißt das Archiv Google."

Macht sich "journalist"-Autor Hans Hoff  Sorgen um seinen Berufsstand. Denn Zeitungen und Zeitschriften leiden unter Auflagenschwund, verlieren an Glaubwürdigkeit und bekommen immer mehr internette Konkurrenz von pfiffigen bloggern, die Redakteuren täglich den Rang ablaufen. Schlage ich morgens die Lokalzeitung auf, frage ich mich, warum mir die Redaktion abgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Berichterstattung verkaufen will. Bin ich bei einem Ereignis selbst dabei gewesen, erkenne ich das Geschehene nicht wieder. Habe ich mich mit einem Thema näher befasst, frage ich mich, woher ein Autor seine Weisheit bezieht. Wenn mich jemand pfiffig und fundiert informiert, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Gastautor, dem etwas Zeit gelassen worden ist. Zu pfiffig darf der aber auch nicht sein. Die Regel, dass ein großer Anzeigenkunde wichtiger ist als jede Leserin und jeder Leser, gilt auch für ihn. An Tabus darf auch er nicht rühren. Deshalb erfahre ich von Managementfehlern auch meistens erst, wenn ein Unternehmen kaum noch oder gar nicht mehr zu retten ist.

Journalisten jagen eine Sau durch das Dorf, bis das arme Tier zusammenbricht und das nächste auftaucht. Probleme entstehen scheinbar wie aus dem Nichts und verschwinden dort auch wieder. Verunglückt ein Schulbus, verunglücken tagelang überall Schulbusse, bis alle Kinder wohl wieder sicher zum Unterricht kommen. Hat ein Prominenter die Krankheit XY, geht angeblich die halbe Nation zum Arzt. Nimmt sich jedoch ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan das Leben, bleibt der Krieg gerecht, bis nicht einmal mehr der Verteidigungsminister erklären kann, was man dort eigentlich gewollt hat. Wenn der bei dieser Gelegenheit sagt, dass die Wehrpflicht auf Eis gelegt worden sei, damit die Bundeswehr überhaupt nach Afghanistan durfte, springt der Bundespräsident ein und verdrückt ein paar Tränchen an Särgen und versichert den Hinterbliebenen, dass man die Kriegstoten nie vergessen werde, deren Namen er eine Woche später längst wieder vergessen hat.

Kampfbegriffe von Politikern dagegen vergisst niemand. Wie oft ich schon das Wort "verfassungsfeindlich" gelesen habe, weiß ich nicht. Wie oft die DDR schon "sozialistisch" oder gar "kommunistisch" genannt worden ist, kann ich ebenfalls nicht sagen. Auf jeden Fall war das ein Unrechtsstaat, während es sich bei der Bundesrepublik Deutschland zweifellos um einen Rechtsstaat handelt. Überall hängen Redakteure Plakate auf. Doch plakativ ist immer falsch.

Der größte Unsinn wird als weise geadelt - Redakteure, die einem Politiker ins Stammbuch schreiben, dass er die Partei XY tausendmal "verfassungsfeindlich" nennen kann, so lange er dieser Partei nicht verfassungswidriges Verhalten vorwerfen und auch noch nachweisen kann, dass er die DDR nicht immer einen Unrechtsstaat nennen darf, so lange er nicht sagt, wer dieses Unrecht ausgebadet hat, dass er die Bundesrepublik Deutschland nicht stets und überall einen Rechtsstaat nennen sollte, damit er anschließend Unrecht als bedauernswerte Ausnahme verharmlosen kann, suche jedenfalls ich vergeblich.

Der Sache auf den Grund gehen, bedeutet Tiefgang. Dazu gehört Mut, den sich Redakteure aber nicht allzu oft leisten sollten. Sonst bleibt nur noch Schwermut.



Montag, 24. September 2012

Talgshows

Edmund Stoiber enthüllt: "Auch ich bin zur Schule gegangen"

Talg (lat. Sebum, auch Ungel, Unschlitt oder Inselt) ist aus geschlachteten Wiederkäuern gewonnenes festes Körperfett. Es handelt sich um eine feste, gelblich-weiße Masse, die hauptsächlich Triglyceride mit gesättigten Fettsäure-Resten gerader Anzahl von Kohlenstoff-Atomen enthält. Es kommen jedoch auch veresterte Fettsäuren mit ungerader C-Zahl wie die Pentadecansäure (C15) und die Margarinsäure (C17) in den Triglyceriden vor.

Wikipedia

Ich liebe Talgshows - fast so sehr wie die Übertragung von Fußballspielen. Dann kann ich mich so schön zurücklehnen, das Gehirn ausschalten und einstudierte Diskussions- oder Spielzüge über mich ergehen lassen. Leicht einschläfernd ist gestern Abend auch die Talgshow mit Günther Jauch gewesen. Wiedergekäut wurde wieder einmal der Reichtums- und Armutsbericht. Bei diesem Bericht handelt es sich um eine feste, schwarz auf weiße Masse, die gerade eine gewisse Anzahl von Wortmeldungen hervorruft. Aber auch sensationelle Einsichten. So enthüllte Edmund Stoiber, dass auch er zur Schule gegangen ist, während Hannelore Kraft nicht Bundeskanzlerin werden will, weil sie frühe Hilfen erst einmal in Nordrhein-Westfalen wirken lässt und nicht schon jetzt für die Bundes-SPD.

Bei Jauch war gestern Abend auch Uli Hoeneß, ein ausgewiesener Europapolitiker und Volkswirtschaftler, der dem staunenden Publikum berichtete, er sei mit dem FC Bayern München schon in Manchester, Turin und Marseille gewesen. Dort sei alles viel schlimmer als in Deutschland, wo man trotzdem immer vom Hundersten ins Tausendste käme - wenn man Reichen das Geld wegnehmen wolle. Das Uli Hoeneß viel lieber spendet. Dann fühlt er sich wohl - und zieht auch nicht in die Schweiz oder nach Österreich um.

Und wie besiegt man Armut? Da sind sich alle einig. Das funktioniert mit mehr Bildung, die so früh wie möglich beginnen muss. Deswegen werden Talgshows immer erst ab 21.45 Uhr ausgestrahlt...

Sonntag, 23. September 2012

Sonntags-Blick

Auf einen rechten Schweizer

Sonntags blickt die Schweiz in eine Boulevardzeitung, die auf eidgenössische Weise der "Bild"-Zeitung nacheifert. Aber von einem deutschen Medium lernen, kann auch verheerende Folgen haben. Wie für Erich Hess als rechten jungen Mann der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Der bekam jüngst Besuch vom Zweiten Deutschen Fernsehen und wurde vorgeführt, was am Freitag in der "heute show" vorgeführt wurde.

Mit dem Zweiten sah dieser Erich Hess nicht einmal, dass der Deutsche, der ihm angeblich eine Farb- und Imageberatung zukommen lassen wollte, immer wieder hinter ihm ins Bild kam und herumalberte, brav wiederholte er in jeder Kameraeinstellung seinen Namen, während der vermeintliche Berater auf der Toilette verschwand. Derart blamiert hat sich ein Rechter schon lange nicht mehr.

Die jungen SVPler sind nur scheinbar 68-er. Diese Nachwuchsorganisation wurde zwar gegründet, als in Deutschland Studenten auf die Straße gingen, doch der SVP-Nachwuchs ging auf die Felder. Blieb aber leider nicht dort. Kühe müssen sie vertrieben haben.

Seither blamiert sich der SVP-Nachwuchs in aller Öffentlichkeit. Wie jetzt Erich Hess, der für seine Auftritte die folgende Erklärung angeboten hat: "Mir ist schon aufgefallen, dass es ein bisschen ein komisches Reporterteam ist." Er habe aber gedacht, "es sind halt Deutsche".

Also Ausländer, von denen Erich Hess nur etwas hält, wenn er den Mund gehalten hätte?

Donnerstag, 20. September 2012

Pech-Pflegeeltern

Ein Junge macht Spritztour - ein Mädchen will Ausbilder umbringen

"Langwedel/Verden - Obwohl er kaum über das Lenkrad schauen konnte, schnappte sich ein elfjähriger Junge die Autoschlüssel seiner Mutter und kurvte durch die niedersächsische Gemeinde Langwedel."

Diese Meldung hat am 24. Januar 2012 in fast allen deutschen Zeitungen gestanden. Auch bei google taucht sie mehrfach auf. Dort findet sie eine Mutter aus Lübeck. Die fragt sich sofort: "War das mein Junge?" Der hat fast sein ganzes bisheriges Leben bei Pflegeeltern in Langwedel verbracht. Er schnappte sich also nicht die Autoschlüssel seiner Mutter, sondern die seiner Pflegemutter.

Vor diesen Zeitungsberichten hatte die Mutter aus Lübeck einen Anruf des Verfahrensbeistandes ihres Kindes bekommen. Der erzählte, dass der Junge etwas angestellt habe, er sei nun in einer Einrichtung. Mehr wisse er nicht. Was gelogen war. Gesteht der Verfahrensbeistand einen Monat später vor dem Familiengericht in Verden.

In Familiensachen bestellt das Gericht einen Verfahrensbeistand, das Jugendamt einen Vormund. Der Verfahrensbeistand ist laut Gesetz vor Gericht "Anwalt des Kindes", der Vormund übernimmt Teile des oder das gesamte Sorgerecht. Verfahrensbeistände kennen die Kinder, für die sie sich einsetzen sollen, kaum, der Vormund aus dem Jugendamt noch weniger. Manchmal ist es auch umgekehrt.

Die Mutter und ich klappern telefonisch Einrichtungen ab, in denen der Elfjährige sein könnte. Vergeblich. Erst vor dem Familiengericht wird das Geheimnis gelüftet. Der Junge ist im Wichernstift in Ganderkesee, dort riss er auch schon aus.

Der Verfahrensbeistand berichtet dem Gericht von einem Besuch des Kindes in dieser Einrichtung. Bei dieser Gelegenheit habe der Junge versucht, seine Mutter in Lübeck anzurufen. Habe sie aber nicht erreicht. Dass der Junge falsche Telefonnummern gewählt hat, verschweigt der Verfahrensbeistand.

24. Februar 2012, zwei Tage nach der Anhörung vor dem Familiengericht in Verden: Der Junge bekommt von mir ein Geschenk zum 12. Geburtstag. Auf einer Karte teile ich ihm die aktuellen Telefonnummern seiner Mutter in Lübeck mit. Einen Anruf bekommt sie nicht.

Schließlich nimmt sich das Jugendamt von Lübeck der Sache an, am 19. September 2012 soll noch einmal ein Termin vor dem Familiengericht in Verden stattfinden. Die Pflegeeltern sagen ab. Sie und das Jugendamt müssen am gleichen Tag vor dem Landgericht in Verden erscheinen. Dort wird über einen Mordversuch verhandelt. Wenige Tage vor dem Familiengerichts-Termin macht auch das Jugendamt von Verden einen Rückzieher und schickt der Mutter aus Lübeck einen Abschlussbericht. Bescheinigt wird ihr von dieser Behörde, dass sie endlich "einsichtig" sei. Der Junge ist inzwischen in einer Einrichtung in Schleswig-Holstein. Der 12-Jährige hielt, was er vor Jahren seiner Mutter versprochen hatte: "Ich reiße so lange aus, bis ich wieder zuhause bin." Das könnte bald geschehen.

Was jetzt schon wie ein Krimi klingt, wird noch spannender. Verloren hat die Mutter ihren Jungen im Säuglingsalter in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch. Diese Einrichtung wurde bis Anfang Juli 2011 von dem Sozialpädagogen Ruthard Stachowske geleitet, der diese Einrichtung in eine Psycho-Sekte verwandelte und Familien systematisch zerstörte. Die Mutter aus Lübeck war schon nach kurzer Zeit aus der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch wieder abgehauen. Als sie ihren Jungen aus der Einrichtung holen wollte, sagte Stachowske: "Deinen Jungen bekommst du nie wieder." So ist er zu den Pflegeeltern in Langwedel gekommen, die ihrem Pflegekind erzählten, dass seine Mutter tot sei.

"War es – wie angeklagt – ein Mordversuch, oder doch nur ein, allerdings gefährlicher Streich, für den eine 19-jährige Heranwachsende aus der Nähe von Langwedel seit gestern vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden steht?"

Diese Meldung vom 20. September 2012 ist nicht in fast allen deutschen Zeitungen erschienen, sondern lediglich in der Regionalpresse. Vor der 3. Großen Jugendstrafkammer des Landgerichtes von Verden hat gestern ein Prozess gegen eine 19-Jährige wegen eines Mordversuchs begonnen. Sie ist bei den gleichen Pflegeeltern aufgewachsen wie der Junge aus Lübeck.

Sie heißt Petra S., macht sich bei Facebook ein Jahr älter, hat ihren Kopf kahlgeschoren, auf dem Facebook-Foto hält sie ein Handy in der Hand, mit dem sie sich gerade fotografiert. Zu jener Zeit, als ihr Pflegebruder mit einem Auto durch Langwedel kurvte, ärgerte sie sich in Husum über ihren Ausbilder, wollte sich mit ihm treffen und wurde noch wütender, als sie mit ihren Einladungen keinen Erfolg hatte. Deshalb sprühte sie am 18. Januar 2012 das Wort "Menschenmörder" auf das Auto ihres Ausbilders und drohte ihm in einem anonymen Brief: "Ich treibe dich in den Tod."

Das soll sie am 23. Februar 2012 probiert haben. Mit einem Komplizen fuhr sie schwarz gekleidet nach Wesselburen, die beiden trennten mit Werkzeug, das sie aus ihrem Ausbildungsbetrieb in Husum mitgenommen hatte, die hinteren Bremsleitungen des Autos ihres Ausbilders durch. Die vorderen Bremsleitungen schnitt Petra S. allein durch.

Am nächsten Morgen setzte sich ihr Ausbilder in sein Auto, in der Einfahrt warteten seine Kinder. Die Bremsen versagten, das Fahrzeug schoss über die Einfahrt und über die Straße. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Sechs Verhandlungstage hat das Gericht für diesen Fall angesetzt, am ersten Verhandlungstag erweckte die 19-Jährige den Eindruck, es habe sich lediglich um einem schlechten Scherz gehandelt. Sie sei davon ausgegangen, dass der Motor versagen werde - wie das Jugendamt von Verden wohl davon ausgegangen ist, für Petra S. und den Jungen aus Lübeck die richtigen Pflegeeltern gefunden zu haben...







Freitag, 14. September 2012

Der Südkurier

Hat die Schweiz verlegt

"Auch Johannes Mario Simmel hatte sein Herz an die Schweiz verloren, er lebte überwiegend in Luzern." Schreibt der "Südkurier" am 22. August 2012. Stimmt nicht. Dort ist dieser Bestsellerautor am 1. Januar 2009 gestorben. Wovon ich Wikipedia seinerzeit überzeugen musste. Denn dort stand, Simmel sei in Zug gestorben. Dort hatte er gelebt.

Seine Adresse gab mir Simmel während der Frankfurter Buchmesse: "Ich wohne jetzt in Zug. Wenn Sie Simmel, Zug, schreiben, kommt Ihr Brief an", sagte er 1983, als ich in das Hotel kam, in dem er sich vom Messetrubel erholte, während ich von Interview zu Interview eilte und Sandra Paretti in diesem Hotel auf mich wartete.

Uli Fricker, der sich als "Südkurier"-Redakteur mit dem Wohnort von Simmel vertat, wünschte sich "In der Schweiz müsste man leben". Würde wohl schiefgehen. Schweizer können empfindlich reagieren, wenn man die Kantone verwechselt und in Bern nicht weiß, dass man nicht in Basel ist.

Dass viele Redakteure über Dinge schreiben, von denen sie nichts verstehen, hat Simmel gewusst: "Früher haben sie mich nicht gelesen und zerrissen, heute lesen sie mich nicht und loben mich." Deswegen berief er sich immer wieder auf ein Portrait in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die hatte ihn als "demokratischen Gebrauchsschriftsteller" bezeichnet. Das fand Simmel in Ordnung.

Beim "Südkurier" hätte dieser Schriftsteller wohl kaum arbeiten mögen. Simmel war so detailversessen, dass er in dieser Redaktion verrückt geworden wäre, wenn man ihn gefragt hätte: "Wie fühlst du dich eigentlich in Luzern?" 

Donnerstag, 13. September 2012

Abraham-Effekt

Hört der evangelische Pressedienst auch Stimmen?

Und es begab sich zu einer Zeit, in der es noch keine Jugendämter gegeben hat, als einem Vater von höherer Stelle befohlen wurde, seinen Sohn zu verbrennen. Also gehorchte er diesem Befehl, bis sich wieder eine Stimme meldete, die ihm Einhalt gebot. Anschließend grillten Vater und Sohn einen Widder. (1. Mose 22, 1-14)

Dabei handelte es sich nach Auffassung der Kirchen keineswegs um Kindeswohlgefährdung, der Vater hatte lediglich getan, was ihm Gott befahl. Das machte man früher so. Ist aber lange her. Aber eins hat sich nicht geändert. Die evangelische Kirche hört auf Stimmen. Dafür unterhält sie den Evangelischen Pressedienst (epd), der gestern auf vielen Radiostationen diese Meldung verbreiten ließ: "Die Zahl der Kinder, die zu ihrem eigenen Schutz aus ihren Familien herausgenommen werden, ist in Niedersachsen nach aktuellen Statisken erneut überdurchschnittlich gestiegen."

Wie Abraham hört der epd also - auf höhere Stellen? Auf Jugendämter? Familiengerichte? Und würde erst innehalten, wenn sich wieder eine Stimme meldete, die fragte: "Habt ihr jeden Fall geprüft? Musste wirklich jedes dieser Kinder zum "eigenen Schutz" aus "ihren Familien" genommen werden? Oder war einiges übereilt? Nicht gerechtfertigt? Gleichsam also ähnlich gelagert, wie der vorauseilende Gehorsam von Abraham?

Mittwoch, 12. September 2012

Heilige Kühe

Die Bundesbank und das Bundesverfassungsgericht
 
"Das Bundesverfassungsgericht ist der Rolle gerecht geworden, die es seit seinem Maastricht-Urteil von 1993 spielt. Getrieben von einem Unbehagen gegenüber dem europäischen Integrationsprozess, der auch zu Zentralismus und Aushöhlung nationaler Souveränität führen könnte, hat es die Bürger quasi ermuntert, den Weg nach Karlsruhe zu gehen.

Wenn diese dort aber ankommen, werden sie zwar nicht ganz, aber in der Hauptsache enttäuscht. Das Bundesverfassungsgericht, das uns fast so heilig ist wie die Deutsche Bundesbank, ist auch nur ein Spieler im europäischen Spiel, und nicht der mächtigste."
 
Kommentiert heute die "Welt" das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Einmal abgesehen davon, dass wohl niemand eine andere Entscheidung erwartet hat, muss die Anmerkung gestattet sein, dass mir weder die Deutsche Bundesbank noch das Karlsruher Gericht heilig ist. Die Bundesbank sollte die deutsche Währung schützen, das Bundesverfassungsgericht das Grundgesetz. Mit religiösen Überzeugungen hat das nichts zu tun. Auch der europäische Integrationsprozess wird glücklicherweise nicht von Kirchen geprägt, sondern leider von Bürokraten. Das hat Europa nicht verdient - und macht die Europapolitik teuer und undurchschaubar.
 
Große Konzerne operieren weltweit, Spekulanten ebenfalls - und dass man als David Goliath besiegen kann,  ist zwar eine schöne Legende, aber so viele Steine kann ein einzelner Staat gar nicht sammeln, dass er sich mit diesen Wurfgeschossen auch nur in die Nähe dieser Riesen wagen könnte, um sie niederzustrecken.
 
Außerdem erleben wir kein europäisches Spiel, sondern bitteren europäischen Ernst. Aus unerfindlichen Gründen haben die Architekten des Europa-Gebäudes das Fundament vergessen. Europa kann nur dann ein stabiles und lebendiges Gebilde sein, wenn zumindest die Mehrheit von der Schönheit des europäischen Hauses überzeugt ist und mehr darf, als einmal am Tag den Hausmeister zu grüßen. Die Gedanken kreisen um Märkte, nicht um Menschen,  die sich überall auf dem Kontinent mit ähnlichen Problemen herumschlagen müssen. Regierungen verjubeln Geld, bis die Steuerzahler Kopfschmerzen bekommen. Reiche schlüpfen durch Gesetzeslücken und Manager verbreiten die Lüge, dass sie allein das Unternehmensrisiko tragen.
 
Das sind dann die so genannten Leistungsträger - die sich Europa nicht mehr leisten kann...  

Dienstag, 11. September 2012

Eine Einreibung

Gleich bin ich in der Wilhelmshavener Hauptpost mit dem
Päckchen am Schalter. Foto: Heinz-Peter Tjaden















Ausschussvorsitzende bekommt ein Päckchen mit Salbe

Da der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages auf meinen Vorschlag vom 27. Februar 2012 nicht reagiert hat, bekommt die Ausschussvorsitzende Kersten Steinke heute ein Päckchen von mir. Den Ausschuss bat ich damals um Zusendung eines Brummkreisels, weil nach meiner Erfahrung eine Eingabe nach Berlin schicken so sinnlos ist wie auszukreiseln, ob man jemals angehört wird oder nicht.

Einreibung verdient

Samstag, 8. September 2012

Beim Psychologen

Meine Schnürsenkel haben ein Bindungsproblem

Mit meinen beiden Schuhen bin ich heute bei einem Psychologen gewesen. Die Schnürsenkel sind nicht bindungsfähig. Ich kann sie schleifen wie ich will, sie halten nicht zusammen. Zusammen mit dem Psychologen habe ich dieses mangelnde Solidaritätsgefühlsproblem meiner Schnürsenkel lösen wollen. Wollte der Psychologe aber erst einmal wissen, wo ich meine Schuhe gekauft habe. Hatte ich zum Glück die Kaufquittung dabei. Unten stand "25 Prozent auf alles, außer auf Tiernahrung". Tiernahrung kaufen sie dort also nicht? fragte mich der Psychologe. Der Psychologe schloss daraus sofort, dass ich zwar Füße habe, aber kein Haustier. Was nicht stimmt. Aber mein Hund trägt keine Schuhe.

Schuhe sind also das eigentliche Thema dieser Therapiestunde, stellte der Psychologe nach einem ersten Blick auf seine Uhr fest, mit dem Bindungsproblem der Schnürsenkel wollen sie davon nur ablenken. Das sei typisch für alle, die keine Schuhe mit Klettverschluss tragen. Klettverschluss stehe für Schnelligkeit und somit für Modernität.

Ich dagegen sei wohl eher ein Mensch, der sich nicht nur gern Zeit lasse, sondern diese auch noch mit dem Binden von Schnürsenkeln verschwende. Doch dafür habe man heutzutage gar keine Zeit mehr, es sei denn, man wolle sich auch vor anderen Problemen drücken, die jedoch erst nach vielen Therapiestunden gelöst werden könnten. Sonst verliere man den Anschluss, wie meine Schnürsenkel die Bindung. Irgendwie hänge immer alles miteinander zusammen, wofür uns allerdings der Blick verloren gegangen sei - Schnürsenkel seien dafür nur ein Symbol. Jedenfalls in meinem Fall, warf der Psychologe den zweiten Blick auf seine Uhr. Und die Frage in den Raum, ob ich jemals Schuhe mit Klettverschluss getragen hätte. Habe ich noch nie besessen, was dem Psychologen missfiel, ich sei wohl davon besessen, Schuhe mit Schnürsenkeln zu besitzen. Da müsse man sich über nichts mehr wundern. Er wundere sich nur darüber, dass ich nicht schon viel früher bei ihm gewesen sei. Was am nächsten Freitag wieder der Fall sein müsse.

Bis dahin solle ich nicht über meine offenen Schnürsenkel fallen.





Dienstag, 4. September 2012

Marie ist weg

Schock für SPD-Chef Sigmar Gabriel

Eine Glosse

Gut eine Woche vor seinem 53. Geburtstag: Schock für den SPD-Chef Sigmar Gabriel. Die Umzugskartons im Stadtteil Kinderhaus von Münster waren noch nicht ausgepackt, als bereits eine Jugendamtsmitarbeiterin mit einer Gefährdungsmeldung des Diakonischen Werkes erschien, die knapp fünf Monate alte Marie aus dem Kinderwagen nahm und mit der Tochter von Gabriel in ein Auto mit laufendem Motor stieg, das sofort zum Sankt-Mauritz-Kinderheim fuhr. Dieses Heim verhängte sogleich ein Besuchsverbot.

In der Gefährdungsmeldung – liegt der Redaktion vor – wurde Gabriel vorgeworfen: Für die Erziehung eines Kindes sei er zu alt, seine Ehefrau mit 35 dagegen zu jung. Außerdem tauche der SPD-Chef laufend in Fernsehshows auf, was dazu führen könne, dass Marie ihren Vater wenigstens dann sehe wolle, wenn der im Fernsehen sei. Deswegen könne das Mädchen fernsehsüchtig werden. Was eine schwere Gefährdung des Kindeswohls darstelle. Schaue man sich zudem den Vater genauer an, stelle man bei ihm ein Problem bei der Nahrungsaufnahme fest, das dieser auf Marie übertragen könne. Die Mutter allein könne das Kind nicht schützen, wozu in Münster grundsätzlich immer nur das Jugendamt in der Lage sei.

Gabriel soll noch am gleichen Tag das Gespräch mit der Jugendamtsmitarbeiterin gesucht haben. Das sei nicht möglich gewesen, teilte der SPD-Chef mit. Ihm sei mitgeteilt worden, dass diese Jugendamtsmitarbeiterin ihren Arbeitsplatz verlassen habe, und zwar auf unabsehbare Zeit, zumindest aber, bis Marie 18 ist.

Glosse Ende

Angelehnt an einen tatsächlichen Fall mit einer UJAMA