Sonntag, 30. Oktober 2011

Zeitlose Eltern

30. Oktober 2011
Pauken nun Vokabeln von Kristina Schröder?

63 Prozent der Väter, 37 Prozent der Mütter haben zu wenig Zeit für ihre Kinder. 40 Prozent der Eltern leiden unter Zeitdruck. Steht im achten Familienbericht. Präsentiert von der schnuckeligen Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, deren Arbeit von ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen erledigt worden ist. Seitdem tut sie nichts mehr.

Bei der Präsentation des Familienberichtes hat Kristina Schröder Vokabeln in die Journalistenrunde geworfen: "Zeitsouveränität", "Zeitsynchronisation", "Zeitumverteilung".

Pauken Eltern jetzt diese Vokabeln, verlieren sie noch mehr Zeit. Auch in mein Leben sind Kinder gefegt. Nehmen wir jenen Dreijährigen, der in aller Herrgottsfrühe so lange an mir gerüttelt hat, bis ich ihm schlaftrunken in die Küche folgte. Dort bekam er ein Glas Milch. Vermutung: Das war Zeitsynchronisation. Deshalb waren wir zur gleichen Zeit am Kühlschrank.

Meine damalige Arbeitgeberin machte mir umgehend klar: "Ihren Jungen dürfen Sie nicht mitbringen." Sie forderte von mir also eine "Zeitumverteilung". Der Kleine verbrachte deshalb die Arbeitszeit seiner Mutter und meine Arbeitszeit bei seiner Oma, die dem Jungen so lange einredete, dass ich der falsche Vater sei, bis der Kleine nicht mehr so gern wie früher zu seiner Großmutter wollte.

Blieb nur noch: Ich kümmerte mich um den Jungen, während seine Mutter arbeitete, sie kümmerte sich, während ich arbeitete. Wir waren also zeitsouverän. Nehme ich mal an.

Dem Jungen ist das wurscht gewesen. Der kletterte auf  Bäume, spielte mit mir Fußball und hörte so lange Benjamin Blümchen, bis ich vor lauter "Tröööröö" die Zeit vergaß. Das nennt man?

Freitag, 28. Oktober 2011

EGO-Markt


Hereinspaziert und hineingeschoben.
 28. Oktober 2011
Verkäuferinnen präsentieren Spielsachen

Werbung wirkt. Manchmal doch. Radio 21 strahlt Spots des Ego-Marktes aus. Ist eine Erlebniswelt der besonderen Art. Das Motto lautet "Bei Ego kaufen Sie die Katze nicht im Sack!" Die zieht sich auf Wunsch sogar das Fell über die Ohren. Darf sich deswegen qualifiziertes Fachpersonal nennen.

Im Ego-Markt steht, was er verspricht. Nicht nur das mit der Katze, sondern auch: "Sie finden eine große Auswahl an hochwertiger Fashion und Dessous, sexy Toys, Lifestyleprodukten und DVDs."

Mit denen darf man im Ego-Markt machen, was man will. In die Hand nehmen, auf der Haut spüren. Besonders spannend sind - wie in jedem Kaufhaus - die Spielsachen. Die werden laut Werbetext von "freundlichen Mitarbeiterinnen präsentiert".

Wenn im Ego-Markt die Heizung funktioniert, ist dagegen nichts einzuwenden. Ob sich die Verkäuferinnen wieder anziehen, bevor sie Kundinnen und Kunden an die Kasse begleiten, wird im Internet nicht verraten.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Weltbild-Verlag

24. Oktober 2011
Frauen bringen den Papst um den Verstand

"Sex für Könner - Die Kunst, Frauen um den Verstand zu bringen" ist ein Buch, das vom "Weltbild"-Verlag verkauft wird. Dieser Verlag ich durch und durch katholisch. Die katholische Kirche ist also durch mit der Prüderie, demnächst erscheint "Bischöfe sind gut zu Vögeln - Wie man Nonnen beim Käfig sauber machen vom Beten abbringt"?

Keineswegs. Der Papst findet eigentlich igitt, was in diesem Verlag an erotischer Literatur erscheint, will aber trotzdem nur dafür Sorge tragen, dass die Titel nicht allzu kirchlich werden. So lange auf den Umschlägen "Anwaltshure" und "Internats-Schlampen" steht, darf der Sex-Euro rollen, Schluss mit erotisch wäre erst bei Titeln wie "Klosterhuren" und "Blasen im Beichtstuhl".

Mit katholischen Bräuchen Vertraute könnten einwenden, dass die Zahl der von Juristen beschäftigten Huren nicht viel größer sein dürfte als die Zahl von Priestern, die zu Huren gehen - dass also der Papst ein Heuchler ist, wenn er das eine igitt findet, aber zulässt, während er das andere igitt finden und verbieten würde.

Doch: Was im Kopf eines Katholiken vorgeht, versteht meistens nicht einmal ein Kathholik, der Bischof, Kardinal oder Papst geworden ist. Dazu brauchen die keinen Sex von Könnerinnen. Die brauchen einfach jeden Euro. Einige soll die katholische Kirche sogar für die Mafia so lange gewaschen haben, bis hinten ein Jesu-Bildchen drauf gewesen ist.

Richtig katholisch wäre ein Buch mit dem Titel "Gehirnwäsche für Könner - Wie man in den Vatikan einen Heiligen Stuhl stellt". 

Montag, 24. Oktober 2011

Irre

24. Oktober 2011
Wir behandeln die Falschen

Jugendämter erfüllen eine wichtige Aufgabe. Meinen die bestimmt auch in Münster, Eutin oder Verden. Wie aber bekommt man in diesen Jugendämtern einen Arbeitsplatz?

Erste Voraussetzung scheint eine schwere Kindheit zu sein. Die Eltern verwehren ihrem Nachwuchs eine gute Bildung, lehren sie nicht den Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit. Will ein Kind einem anderen Kind helfen, bekommt es Ritalin zur Vermeidung völlig überflüssiger Aktionen, die doch nur Ausdruck sinnloser Nächtenliebe wären. Immer schön anpassen, lautet das Motto. Alles andere könnte Anderen nicht passen. Das hätte Folgen. Folgen sind nicht gefragt.

Daraus folgt: Baut das Jugendamt von Eutin Mist, weil aus einem Pflegevater von Kindern, die eine Millionensumme geehrt haben, ganz nebenbei auch noch der Testamentsvollstrecker wird, wartet man ab, bis die Kinder volljährig sind. Schon ist man nicht mehr zuständig. Einen achtseitigen Protestbrief der Mutter, in dem sie der Behörde noch einmal alle Verfehlungen vorhält, hält das Jugendamt deshalb nicht mehr für wichtig. Wichtig ist immer nur gewesen: Die Mutter muss von ihren Kindern ferngehalten werden.

Mit dem Ende der schweren Kindheit kommt das Ende der Schulzeit. Nach dem Berufswunsch gefragt, antwortet der Nachwuchs für das Jugendamt: "Ich möchte gern Diktator werden." Da Diktatoren in Deutschland politisch nicht mehr gewollt sind, bleibt nur der Werdegang beim Jugendamt.

Zu diesem Werdegang gehört: Vertritt eine Mutter eine andere Auffassung als das Jugendamt von Münster, gefährdet sie das Wohl ihrer Kinder, die Kinder bleiben also weg und werden auch noch getrennt.

Das Jugendamt von Verden trennt sich derweil auch noch von den letzten Vorschriften für Hilfsmaßnahmen. Ein Kind ist seit elf Jahren bei Pflegeeltern. Die Mutter will sich damit nicht abfinden. Findet die Behörde nicht gut.

Nach einigen Jahren in den Jugendämtern von Eutin, Münster oder Verden bleibt nicht einmal mehr das Prinzip Hoffnung auf bessere Arbeit, sondern nur noch der Titel eines Bestsellers: "Irre, wir behandeln die Falschen."

Sonntag, 23. Oktober 2011

Wingenfelder

23. Oktober 2011
Steht vor dem Spiegel und singt

Ein Lied mit mehr Schwachsinn habe ich selten gehört: Wingenfelder besingt die perfekte Frau. Die hört die gleiche Musik, liebt die gleichen Bücher, hat den gleichen Herzschlag. Ist also sein Spiegelbild. Wenn die auch noch genauso aussieht wie er, textet er möglicherweise über seinen Zwillingsbruder.

Ach, du meine CD-Scheibe: Auch die Melodie kann diesen Narzissmus nicht aus dem musikalischen Tal der Selbstverliebtheit holen. Wingenfelder sinkt beim Singen in sich zusammen und richtet sich an sich selbst wieder auf?

Nun denn: Es gibt auch perfekte Langeweile. Mögen bei youtube aber nicht viele. Beweist die geringe Zahl der Aufrufe. Oft aufgerufen wird dagegen dieser Song. Der ist perfekter. Finde ich.

Niemand muss meine Meinung teilen, damit er zur perfekten Leserin oder zum perfekten Leser meines blogs wird...

Samstag, 15. Oktober 2011

Luftnummer

15. Oktober 2011
Nicht so gefährlich wie Vögel im Luftraum

Diese Meldung hat sich kein Medium entgehen lassen, sie steht überall im Netz:

"Sex beim Fallschirmspringen hat die US-Luftfahrtbehörde auf den Plan gerufen. Sie ermittle wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Flugsicherheit, berichtet der US-Sender KTLA. Jede Aktivität, die den Piloten beim Fliegen ablenke, könne ein Verstoß gegen Vorschriften sein, sagte ein Behördensprecher. Ein Mann, der auch als Pornodarsteller arbeitet, hatte sich bei einem Tandemsprung mit einer Frau vergnügt. Beide ließen sich filmen. Das Video kursiert jetzt im Internet."

Sogar CNN widmet sich dem luftigen Fick. Warum jedoch diese Aufregung über diese Luftnummer? Rechnet die US-Luftfahrtbehörde damit, dass nun unzählige Paare ins Flugzeug steigen und zu Nachahmungstätern werden? Wäre wohl eine übertriebene Befürchtung. Denn: Viele haben Flugangst. Die scheiden schon einmal aus. Nicht jeder Mann ist nach dem Absprung treffsicher genug. Die scheiden auch aus. So mancher kann sich einen Privatflug nicht leisten. Die Zahl der möglichen Nachahmungstäter sinkt also weiter. Nur wenige Männer arbeiten auch als Pornodarsteller.

Bleiben schon bald nur noch diese Beiden, mit denen sich jetzt die US-Luftfahrtbehörde beschäftigen will. Dabei hat doch bei einem Stunt nur etwas gestanden...Viel gefährlicher sind doch Vögel im Luftraum.

Freitag, 14. Oktober 2011

Immer freitags

14. Oktober 2011
...ist der Gärtner schon lange nicht mehr der Mörder

Früher ist es einfach gewesen: Der Mörder war immer der Gärtner. Freitags im ZDF ist es komplizierter. Erst liegt irgendwo eine Leiche herum, dann fahren Kommissare durch die Gegend, sitzen anschließend im Büro oder in irgend welchen schicken Wohnzimmern, plaudern mit mehr oder weniger Verdächtigen.

Bis der Ermittlungskarren im 21-Uhr-Dreck steckt, die Kommissare in ihrem Büro ratlos auf- und abgehen, bis ein Gedankenblitz einschlägt.

Dann fährt einem der Ermittler der Schreck in die Glieder: "Wir müssen da etwas übersehen haben." Die Leiche kann es nicht gewesen sein. Die ist groß im Bild gewesen, wurde obduziert und zur Beerdigung frei gegeben.

Übersehen ist auch nicht gemeint, sondern überhört. Aber was? Fragt sich ein Ermittler nach dem anderen. Bis jemand vorschlägt: "Wir sollten uns noch einmal mit Frau Y/Herrn Z unterhalten."

Die Kommissare sitzen ein letztes Mal in ihrem Fahrzeug, dann noch einmal in einem schicken Wohnzimmer und auf einem Sofa die Mörderin oder der Mörder. Lautet die Frage nur noch: Ist der Mord versehentlich geschehen oder war es Absicht?

War es Absicht, sind die Kommissare ein wenig ungehalten, war es ein Versehen, haben die Kommissare ein wenig Mitleid.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Hannover

6. Oktober 2011
Und immer wieder eine neue Imagekampagne

„Die Imagediskussion wabert durch Hannover, seitdem ich mich mit Kommunalpolitik beschäftige“, meinte Weil. Zu einem besseren Image beitragen könnten nicht nur neue Plakate und Prospekte – auch die Bewohner Hannovers könnten durchaus öfter ihre norddeutsche Nüchternheit ablegen und offensiver für die Vorzüge ihrer Stadt werben." Hat vorgestern im "Hamburger Abendblatt" gestanden.

Der in diesem Artikel zitierte Stephan Weil ist seit fast fünf Jahren Oberbürgermeister von Hannover - und kennt seine Pappenheimer von Leine und Ihme immer noch nicht?

Denn die meisten Bewohner Hannovers werden auch künftig nicht "offensiver für die Vorzüge dieser Stadt werben". Die kümmern sich nicht einmal darum, wenn Hannover sogar von Leuten schlecht gemacht wird, die noch nie durch die Stadt gebummelt sind. Wie vor der Expo geschehen.

Wenn das "norddeutsche Nüchternheit" ist, wird Weil schon erklären müssen, was daran schlecht sein soll. Hannover muss sich niemand schön saufen. Und die hinlänglich bekannten Bausünden kann niemand wegsaufen. Die sind gerade in der Bahnhofsgegend viel zu oft geschehen.

Meines Wissens ist Hannover die erste Stadt gewesen, die sich vor rund 40 Jahren einen Stadtimagepfleger zulegte. Der erfand den "Roten Faden". Folgt man dem, erfährt man in kurzer Zeit: Diese Stadt ist spannend. Die muss nicht alle Jahre wieder von Imagekampagnenerfindern heimgesucht werden.

Wenn nun auch noch im "Hamburger Abendblatt" steht, mit der neuen Werbeaktion solle bewiesen werden, dass man in Hannover etwas werden kann, dann denke ich an Treppenstufen zu einer Wohnung in der Südstadt. Verabredet war ich damals mit einem Mädchen, das bei seiner Mutter lebte. Die Mutter ließ mich in die Wohnung, bat mich in die Stube. Dort saß ich und wurde in Augenschein genommen. Dann erschien dieses Mädchen im Türrahmen, gehüllt in ein gelbes Badetuch und sagte: "Ich komme gleich." In diesem Augenblick ist für mich aus diesem Mädchen die schönste Frau der Welt geworden.

Ganz ohne Imagekampagne...

Dienstag, 4. Oktober 2011

In Wolfsburg

4. Oktober 2011
Hält kein ICE an

Wolfsburg ist eine Stadt, die man sich nur schön rasen kann. Deshalb rauscht jeder ICE am Bahnhof vorbei und weiter. Darf er aber nicht immer. Also sollen sich Zugführer vor Dienstantritt erkundigen, ob sie in Wolfsburg anhalten müssen oder nicht.

Lautet die Antwort: muss. Gibt es eine Zulage für die anschließende Bezahlung einer Schocktherapie. Lautet die Antwort: muss nicht. Ist der ICE schneller in Braunschweig.

Schneller in Braunschweig ist nicht nur für die Gesundheit von Zugführern besser, besser Fußball spielen als in Wolfsburg können sie dort auch schon wieder. Außerdem ist die Löwen-Stadt schöner als die Auto-Stadt.

Aber: Welche Stadt ist das nicht?

Montag, 3. Oktober 2011

Meine Fresse

3. Oktober 2011
...der Arschstürzer ist kein Wehner

Kanzleramtsminister Ronald Arschstürzer hat einen Fraktionskollegen beleidigt, die Fresse von Wolfgang Bostümpel könne er nicht mehr sehen. Hilft vielleicht eine dunkle Sonnenbrille.

Gepöbelt hat Ronald Arschstürzer nicht im Deutschen Bundestag, sondern im Hinausgehen nach einer Sitzung über den Euro-Rettungsschirm. Auch Griechenland-ist-pleite-Verhüterli genannt.

Sind das noch Zeiten gewesen, als nicht gemobbt, sondern gestritten worden ist. Da wurde es im Deutschen Bundestag manchmal sehr laut, Altkanzler Helmut Schmidt ging als "Schmidt-Schnauze" in die Parlamentsgeschichte ein und setzte dem Dauer-Streit zwischen Herbert Wehner und Franz Josef Strauß ein verbales Sahnehäubchen auf: "Es gibt Fälschungen, es gibt Irrtümer und es gibt Strauß-Reden."

1983 hat Thomas Freitag dem sozialdemokratischen Haudegen Wehner ein Denkmal gesetzt. Nicht nur die Reden des "Zuchtmeisters der SPD" sind inzwischen Legende, auch seine Zwischenrufe waren gefürchtet. Den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe taufte er in "Herr Übelkrähe" um, den CSU-Todesstrafenbefürworter Richard Jaeger, der außerdem dafür eintrat, dass Sexualstraftäter zwangsweise sterilisiert werden, bügelte er so ab: "Sie sollten nicht Kopf-ab-Jaeger heißen, sondern Schwanz-ab-Jaeger."

Das hatte noch was, Ronald Arschstürzer dagegen hat nur noch eins: Seinen Stuhl als Kanzleramtsminister zu räumen...